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"Musik ist die Sprache der Menschlichkeit, wann immer und wo immer sie erklingt.
In ihrer Gegenwart sind wir eins."
Charlotte Graf
 
Cabaret Evita Hair Jesus Christ Superstar
My fair Lady Showboat Sunset Boulevard West Side Story
 

Cabaret
Text: Fred Ebb
Musik: John Kander
Buch: Joe Masteroff nach dem Schauspiel "I Am a Camera"
Uraufführung: 20. November 1966 im Broadhurst Theatre in New York City
Deutsche Erstaufführung: 14. November 1970 im Theater an der Wien, Übersetzung von Robert Gilbert.

Text aus Wikipedia:
"Berlin zu Beginn der 1930er Jahre.
Cliff Bradshaw, ein junger amerikanischer Schriftsteller, reist nach Berlin, um dort einen Roman zu schreiben. Durch die Bekanntschaft mit Ernst Ludwig kommt er in der Pension des ältlichen Fräulein Schneider unter. Über denselben lernt Cliff auch den Kit-Kat-Club kennen, wo er die englische Sängerin Sally Bowles trifft. Sie ist der Star der Show – und dies nicht nur wegen ihres künstlerischen Talents. Als Sally entlassen wird, nimmt sie Zuflucht in Cliffs Pensionszimmer, und die beiden werden ein Paar.
Auch zwei anderen Pensionsbewohnern begegnet, wenn auch spät, das Glück. Herr Schultz nämlich wirbt erfolgreich um Fräulein Schneider. Doch als sich auf der bald folgenden Verlobungsfeier herausstellt, dass Schultz Jude (und der als Gast anwesende Ernst Ludwig Nationalsozialist) ist, kann Fräulein Schneider sich der heraufziehenden vergifteten Atmosphäre nicht entziehen. Die Verlobung wird gelöst, Herr Schultz verlässt die Pension.
Nach diesem Vorfall möchte Cliff Deutschland verlassen, wohingegen Sally weiter von ihrer großen Karriere in Berlin träumt. Als sie dann das gemeinsame Kind abtreibt, hält den Amerikaner nichts mehr. Die Zurückbleibenden aber sehen einer ungewissen Zukunft entgegen.
Die vom Ragtime und frühen Jazz inspirierte Musik Kanders sowie die durch Masteroff eingefügten revueartigen Nummern im Kit-Kat-Club, die die Handlung einrahmen, bilden eine Reminiszenz an die Musicals der 1920er Jahre.

Die berühmtesten Songs aus dem Musical sind: „Cabaret“, „Two ladies“, „If you could see her through my eyes“, „Heirat“ und „Tomorrow belongs to me“.
Die Lieder „Maybe this time“, „Mein Herr“ und „Money, Money“ dagegen wurden nicht für das Musical, sondern erst für die Verfilmung 1972 komponiert. Wegen der großen Bekanntheit dieser Songs werden sie bei Neuaufführungen meistens eingefügt.
Das Stück wurde 1972 sehr erfolgreich mit einer veränderten Handlung und zusätzlichen Songs von Kander und Ebb verfilmt. Regie führte Bob Fosse, Liza Minnelli spielte die Rolle der Sally Bowles. Der Film erhielt acht Oscars."

In der Verfilmung spielte "Liza Minelli" die Rolle der "Sally Bowles".

Ein Stück dass wir 2014 zum ersten Mal erlebten. Im "Musikthater im Revier" in Gelsenkirchen. Man hatte den gesamten Zuschauerraum in den KitKat-Club verwandelt. So fühlte man sich mitten im Geschehen. Die wachsende Bedrohung des Nationalsozialismus und die immer wirkungsloseren Versuche der Personen, dies zu verdrängen lassen eine bedrückend intensive und hilflose Stimmung entstehen, die unter die Haut kriecht. Die Rollen der Sally Bowles, des Conferenciers und auch von Fräulein Kost, eine weitere Mieterin von Frau Schulz, verlangen immense Ausdrucksstärke und ein sensibles Schauspiel. Wir spüren wie sich die beiden Künstler des Clubs, verwundet, desillusioniert und angstvoll, am Ende verzweifelt, aber erfolglos versuchen wieder zu ihrer Unschuld zu Beginn des Stücks zurückzufinden..."Life is a Cabaret"...
Fräulein Kost, die ihren Körper, um ihren Sohn zu ernähren, an Seeleute verkauft (sehr zum Ärger von Frau Schulz, die aber deren Not auch nicht ignorieren kann), hofft inständig durch eine Beziehung mit Herrn Ludwig auf die Sonnenseite des Lebens zu kommen. Dies auch wenn sie dadurch diesmal ihre Seele verkauft. Wobei dieser Mensch durchaus keine gesunde Beziehung zu Frauen hat und emotionslos und kalt wirkt, selbst wenn er "locker" scheint.
Ein Musical, das unter die Haut geht und lange nachhallt in einer bedrückenden, melancholischen Weise...einmal mehr, da es keine erfundene Rahmenhandlung ist, sondern die politische Situation in der Vergangenheit eine harte Realität war.
 

Evita
Text: Tim Rice
Musik:  Andrew Lloyd Webber
Uraufführung:21. Juni 1978, London,  Prince Edward Theatre
Deutsche Erstaufführung: 20. Januar 1981 Wien, Theater an der Wien (Michael Kunze)

Evita beschreibt das Leben der argentinischen Präsidentengattin Eva Perón (1919 - 1952).
Neben Eva Peron trägt als zweite Hauptrolle der junge Revolutionär Che Guevara das Stück, der als Erzähler die Handlungen, politischen und historischen Gegebenheiten und Ereignisse, Hintergründe, ironisch, sarkastisch und doch mit gleichzeitiger Bewunderung und Anteilnahme kommentiert. Ein Akt der künstlerischen Freiheit. In der Realität sind sich diese Personen niemals begegnet.

Die Handlung beginnt am 26. Juli 1952 in Buenos Aires. Eine Kinovorstellung wird unterbrochen von der Durchsage dass Eva Peron an diesem Tag um 20:25 Uhr verstorben ist. Che befindet sich unter den Kinobesuchern und begleitet die überwältigende Trauer im Land mit Zynismus, scheint aber dabei doch unterschwellig betroffen...
Nun schwenkt die Handlung ins Jahr 1935 nach Junin, der Geburtsstadt Evas. Hier erleben wir den Beginn von allem, die 15-jährige Evita, lebenshungrig, voller Visionen und Vorstellungen für ihr Leben. Und sie möchte hinaus in die Welt, Leben spüren...
Sie begegnet dem Tangosänger Magaldi, den sie nötigt, sie mit nach Buenos Aires zu nehmen. Dort entwickelt sich ihr Leben rasant. Als sie erfährt, dass Magaldi verheiratet ist und ein Kind hat, verlässt sie ihn. In der Folge hat sie einige wechselnde Liebhaber, sie wird stärker und hat das Ziel sich in der Gesellschaft ihren Platz zu erobern, Karriere zu machen... sie versucht sich als Radiomoderatorin, Schauspielerin...
Bei einem Wohltätigkeitskonzert für die Opfer eines Erdbebens in San Juan trifft sie zum ersten Mal auf Juan Domingo Perón. Sie erkennt sofort, dass sie sich beide gegenseitig sehr nützlich für die Zukunft sein können. In den nächsten Jahren steigen beide in der Popularität. Eva richtet ihr Augenmerk auf ihren Aufstieg, den sie genauestens plant und öffentlichkeitswirksam inszeniert. Sie unterstützt Peróns politische Karriere und wird 1945 seine Frau.
Intensiv fördert sie ihn im Präsidentschaftswahlkampf 1946, durch öffentliche Auftritte, wöchentliche Reden im Radio.
Evita ist es während ihres politischen Lebens wichtig die ärmeren Klassen und werktätigen Massen auf ihre Seite zu ziehen und sie zeigt sich öffentlich sehr sozial engagiert. Damit zieht sie sich die Ablehnung des Militärs zu, die sie zu einflussreich sehen (zudem ist es eine Zeit, in der es nicht üblich ist, dass sich Frauen so in politische Dinge und Staatsführung einmischen, 1947 wird erstmalig Frauen das Wahlrecht zugesprochen). Ebenso ist sie ein Dorn im Auge der aristokratischen Schicht, die eine aus dem Volk niemals in ihren Kreisen akzeptieren kann.
1946 entschließt sie sich im Ausland für ihr Land, doch in erster Linie für sich, Werbung zumachen, sie reist durch Europa (Rainbow-Tour), lässt sich sogar modisch beraten. Leider hat sie nicht überall den Erfolg, den sie erwartet hat. In England wird sie nicht in den Buckingham-Palast eingeladen, sondern in ein Landhaus.
Sie gründet die Eva-Perón-Stiftung, engagiert sich im Wohltätigkeitsbereich, wobei dies von Che ambivalent und ironisch mit dem Hinweis auf ihr Talent, aus allen möglichen Richtungen Geld zu beschaffen, kommentiert wird...
Während die Kritik an ihr wächst, strebt sie die Vizepräsidentschaft an. Aufgrund des Druck des Generäle und ihrer schwindenden Gesundheit zieht sie ihre Kandidatur zurück und beginnt sich etwas mehr aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.
Sie leugnet die Ernsthaftigkeit ihrer Krankheit und versucht weiter sich selbst zu inszenieren und ihre Popularität zu fördern, bis sie vor dem Zusammenbruch steht und ihr letztendlich klar wird, dass sie nicht mehr lange leben wird.
In einer letzten Rede vor dem Volk, in der sie Bilanz zieht, dankt sie dem argentinischen Volk und bekräftigt ihre Herkunft, ihre Motive und schwört dem Land ihre ewige Liebe.
1952 stirbt sie an Gebärmutterhalskrebs. Die abschließenden Worte kommen in diesem Musical von Che...
Evita wurde im Kongressgebäude aufgebahrt mit einem gläsernen Sargdeckel. Nach dem Sturz Peróns wurde ihr Leichnam außer Landes gebracht. 16 Jahre blieb er verschollen. 1974 ließ ihn die Isabel Perón, die dritte Frau des Staatspräsidenten, nach Argentinien zurückbringen. Erst zwei Jahre später wurde sie im Familiengrab der Duartes in Buenos Aires beigesetzt.

Evita ist als Musical sicherlich gewöhnungsbedürftig. Erwartet man eingängige Melodien, wie man sie gewohnt ist, dazwischen unbegleitete Dialoge, so wird man enttäuscht sein. Die Musik erschließt sich nicht beim ersten Mal. Es gibt einige wenige Songs, die man nachher vor sich hinsummt.
Die Dialoge und auch die Übergänge zwischen den Szenen werden unglaublich schnell und für meine Ohren oft in disharmonischen Tonfolgen gesungen...Auch wenn die Handlung fesselnd ist und die Person Eva Perón psychologisch viel Tiefe bietet, so sind das die Momente, die ich nur schwer durchstehen kann. Die Inszenierungen scheinen auch hier einem Regisseur sehr viel Freiraum zu geben. Ebenso ist die Umsetzung des Charakters Che auch sehr unterschiedlich, was sich schon in der Kleidung zeigt.
So sah ich die Vorstellung in Tecklenburg 2009 und hörte von meiner Sitznachbarin, die sehr kompetent erschien, dass diese eher schlecht war und z. B. Juan Perón zu weich und konturlos dargestellt wurde, währen eine frühere Inszenierung am gleichen Ort sehr viel feinfühliger und deutlicher war...
Anna Montanaro und Yngve brachten allem zum Trotz eine sehr gute Leistung. Ich verneige mich vor einer solchen brillanten Schauspielerin, der man jede Gefühlsregung abnimmt. Ich hatte allerdings im ersten Akt Schwierigkeiten mich auf die Musik einzulassen...erst im zweiten Akt war die Dramatik so groß, dass ich ergriffen war, mich hineinziehen ließ und versuchte die Psyche Evas zu verstehen in ihren Facetten und Blockaden. Viele Menschen lieben dieses Musical. Ich denke, wahrscheinlich (man soll ja niemals nie sagen) werde ich es nicht mehr besuchen.
Die Verfilmung mit Antonia Banderas und Madonna ist eine sehr gute Alternative.

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Hair
Text: Galt MacDermot
Musik: Gerome Ragni, James Rado
Uraufführung: 29. April 1968 New York, Biltmore Theatre (Broadway)

Die folgende, gut zusammengefasste Hintergrundinformation fand ich auf einer Webseite „hairwamco.at“:
"Hair entstand und spielt in den späten 1960er-Jahren. Die USA führten den Vietnamkrieg und etwa 500 000 junge Amerikaner waren zu diesem Zeitpunkt dort stationiert. Beim Großteil der Soldaten handelte es sich um Wehrpflichtige (die allgemeine Wehrpflicht in den USA wurde erst 1973 abgeschafft). Als Reaktion auf die Brutalität und die Opfer des Krieges entwickelte sich eine Protestbewegung. Es kam zu zahlreichen Demonstrationen und symbolischen Aktionen, beispielsweise dem Verbrennen von Einberufungsbefehlen oder den in Vietnam erhaltenen Auszeichnungen. Etwa 50 000 amerikanische Kriegsdienstverweigerer entzogen sich der Einberufung und flohen nach Kanada.
Lange Haare junger Männer, verschmuddelte Kleidung sowie zerrissene Jeans waren damals beliebte Symbole für eine Protesthaltung gegenüber dem "Establishment". Hair beschreibt die Gefühle vieler junger Leute dieser Zeit.

Inhalt:
Vor dem Hintergrund des Vietnamkrieges und den Studentenunruhen ist dieses Musical zu sehen und zu verstehen. HAIR weist keine Handlung im eigentlichen Sinn auf, sondern besteht aus einem Kaleidoskop von Songs und Tänzen, in denen für die bunte, gewaltfreie Gegenkultur der Hippies (Flower-Power, Blumenkinder) geworben wird. Es geht in "Hair" um den Generationenkonflikt, den Protest der Jugend gegen die Erwachsenen und die Konsum- und Wohlstandsgesellschaft, die Ablehnung autoritärer und hierarchischer Strukturen, gegen Rassismus für Toleranz, sexuelle Freizügigkeit, um Drogen, Esoterik, Freundschaft und Solidarität, die Anprangerung des Krieges, die Frage nach dem Sinn des Daseins und die Sehnsucht nach einer neuen Ära (im Zeichen des Wassermanns) mit einem neuen Lebensgefühl."

Inhalt des Films (musicurlaub.com):
"Hair erzählt die Geschichte von Claude Bukowski, einem jungen Mann aus dem ländlichen Oklahoma, der in die Armee einberufen wird. In New York City begegnet Claude einer Gruppe von Hippies, angeführt von Berger. Und er verliebt sich in Sheila, ein Mädchen aus reicher Familie. Unter tatkräftiger Mitwirkung der Hippie-Gruppe gelingt es Claude, die Aufmerksamkeit von Sheila auf sich zu ziehen. Die beiden werden ein Paar.
Claude muss aber in die Kaserne, um sich auf den Krieg vorzubereiten. Er wird dort hart gedrillt unter der Aufsicht eines Generals der nicht davor zurückschreckt, die Rockmusik spielenden Lautsprecher beschießen zu lassen.
Bukowskis großer Wunsch ist, noch einmal Sheila zu sehen, bevor er in den Vietnamkrieg soll. Berger macht diesen Wunsch wahr, indem er für einen Tag mit Claude den Platz in der Kaserne tauscht. Gerade an diesem Tag wird die Truppe nach Vietnam gerufen. Die Szene, in der Berger beim Klang von The Flesh Failures/Let the Sunshine in mit Dutzenden anderen Soldaten in einen dunklen Flugzeugrumpf marschiert, gilt als sehr eindrucksvoll. Anschließend wird gezeigt, wie Bergers Freunde sein Grab besuchen; in der letzten Szene sieht man eine große Antikriegsdemonstration vor dem Weißen Haus."

Hair empfand ich damals definitiv als…ausgeflippt, quirlig…aufwühlend, teilweise schockierend und sehr nachdenklich machend…
Damals hat mich das Schicksal Claudes und Bergers bewegt. Ich weiß nicht, ob dieses Musical heute noch die gleiche Ausstrahlung besitzt, die Themen sind einfach nicht mehr in dieser Weise provokativ. Einzig würde mich vielleicht interessieren, wie eine Inszenierung heute aussehen könnte.

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Jesus Christ Superstar
Text: Tim Rice
Musik: Andrew Lloyd Webber
Premiere: 12. Oktober 1971 New York, Mark Hellinger Theater

Die Handlung des Rock-Musicals erzählt die letzten sieben Tage im Leben von Jesus Christus (Israel, um 30 n. Chr.) Die Songtexte entstanden in Anlehnung an die entsprechenden Bibelerzählungen.
Eine überaus ergreifende Musik, spannungsgeladen, die Handlung unterstützend, hochpeitschend...dazu eine psychologisch durchleuchtete, intensive Dramaturgie der Interaktionen, insbesondere zwischen Judas und Jesus...
Es gibt unzählige Inszenierungen...die einen modern, die anderen halten sich eher an eine klassische Version...
Ebenso hat ein Regisseur ein breites Spektrum, seine persönliche Sichtweise der Psyche der Hauptcharaktere und Nebencharaktere umzusetzen, Betonungen auf einzelne Aspekte zu legen.
Wie auch immer, sowohl die Rolle des Jesus als auch die des Judas gehören zu den anspruchsvollsten, die im Bereich des Musicals zu finden sind. Die Darsteller gehen an die Grenzen in der Intensität der emotionalen Darstellung und des stimmlichen Ausdrucks. Ebenso wird man als Zuschauer an die Grenzen der emotionalen Belastbarkeit geführt.
Man wird überschwemmt von Mitgefühl...immer wieder angehalten sein eigenes Bild von Jesus und dem Menschen Judas in Frage zu stellen und andere Sichtweisen zuzulassen...
Auch in der Tempel-Szene...liegt sehr viel Spielraum. In Essen (Aaltotheater) hat man die Kirche mit glitzerndem und kitschigem Weihnachtsschmuck gefüllt, ein überdimensionierter künstlicher, bunt leuchtender Tannenbaum wurde von der Decke heruntergelassen. Es ging um Kommerz, Neid, Konsumrausch, knapp bekleidete Engel und weibliche Nikoläuse turnten durch die Einkaufswagen...alles was den eigentlichen Sinn des Weihnachtsfestes ad Absurdum führt.
Es war sehr einfallsreich und traf auf den Punkt einen Nerv unserer Gesellschaft.
Ich persönlich bevorzuge nicht so sehr die allzu modern inszenierten Aufführungen, bin aber bereit mich auf Ideen einzulassen.
In Essen erlebten wir neben einem sehr menschlich ambivalenten Jesus, den Henrik Wager unglaublich tief berührend dargestellt hat, als zweiten starken Charakter Serkan Kaya, der mit seiner kraftvollen, vielseitigen Stimme und einer ausgeprägten Mimik und Gestik das Publikum den Atem hat anhalten lassen. Die Wirkung eines Judas, der sich in seiner Unfähigkeit mit der „Schuld“ zu leben und um sich zu fühlen und zu bestrafen selbst verletzt, trifft einen Zuschauer bis ins Mark…Und auch die teilweise ungezügelte Wut, die eigentlich ein Ausdruck von Verzweiflung und Ohnmacht ist und ihre Begründung in Liebe hat macht diesen Charakter so greifbar, so komplex und man fühlt intensiv mit diesem Menschen…Mein Kompliment für diese Leistung.
In Tecklenburg versuchte man sich 2011 zum dritten Mal an diesem Stück. Marc Clear, der auch die Rolle des Pontius Pilatus übernahm, brachte eigene Ideen ein und behielt die klassische Bühnenform bei...er integrierte beispielsweise einen Jungen in weißer Kleidung, der in der schmerzvollen Momenten den Protagonisten einen Moment liebevollen Halt bot...ich denke, er stand für den Glauben, die Liebe und die Kraft die eigene Bestimmung als übergeordnetes Ziel in innerem Frieden mit sich anzunehmen. Eine Inszenierung, die annehmbar war, die aber nicht wirklich durchgehend intensiv war und den Zuschauer nicht emotional an seine Grenzen brachte...

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My Fair Lady
Liedtexte: Alan Jay Lerner
Musik: Frederick Loewe
Uraufführung: 15. März 1956, New York, Mark Hellinger Theatre
Deutschlandpremiere:16. Oktober 1913 Wien, Burgtheater
Deutschsprachige Erstaufführung: 25. Oktober 1961 Berlin, Theater des Westens
 
Dieses wunderbare, amüsante und romantische Musical spielt in London 1912…
Als Vorlage diente die Komödie „Pygmalion“ von George Bernard Shaw.
Die folgende Zusammenfassung der Handlung ist in Wikipedia zu lesen, sie ist sehr treffend, daher erspare ich mir die Mühe es selbst zu versuchen…wie sie sicher schon bemerkt haben, kann ich mich nicht kurz fassen, auch wenn ich es gerne wollte…:
„Professor Higgins, ein angesehener Philologe und Phonetiker, trifft nach einem Opernbesuch auf dem Blumenmarkt bei Covent Garden in London auf die Blumenverkäuferin Eliza Doolittle. Ihre kraftvoll-vulgäre Sprache, die in der englischen Fassung mit starkem Cockney-Akzent, in der deutschen Version oft mit Berlinerisch oder Wienerisch ausgeschmückt ist, nimmt er als Beispiel für die Deformierung der Muttersprache. Higgins glaubt, dass der Mensch sich nicht über die Herkunft, sondern seine Sprache definiere; selbst ein Blumenmädchen wie Eliza, so Higgins, könne ihren Stand verbessern und eine anerkannte Dame sein, sogar einen respektablen Blumenladen führen, sofern sie richtiges Englisch spräche.
Eliza ist von dieser Vorstellung bezaubert, die Wünsche, die sie äußert, bescheiden: „Ein Zimmerchen mit einem Sofa drin, Gasbeleuchtung, Pralinen und nie mehr kalte Beine“. Sie muss jeden Tag um ihren Lebensunterhalt kämpfen. Zudem ihren Vater, Alfred P. Doolittle, durchbringen, der sich regelmäßig bei ihr durchschnorrt. Doolittle hat es auf eine gewisse Art geschafft, nach seiner Façon zu leben, was er mit zwei Saufkumpanen gehörig feiert. Er weist jede Verantwortung und Moral von sich und lebt feucht-fröhlich in den Tag hinein. Auf diese Weise „gesellschaftlich” vorbelastet und ohne Schulbildung, scheint es, als hätte Eliza keine Chance, je über den Status eines armen Blumenmädchens hinauszukommen.
Eliza nimmt Higgins Gerede für bare Münze und taucht beim Professor auf, um Sprachunterricht zu nehmen. Die Sache ist Higgins kaum eine Diskussion wert, da schlägt ihm sein Freund Oberst Pickering eine Wette vor: Wenn es Higgins gelänge, innerhalb von sechs Monaten aus Eliza eine Dame zu machen, würde er die Kosten der Ausbildung übernehmen. Elizas „Abschlussprüfung“ soll der Diplomatenball im Buckingham Palace sein. Higgins nimmt die Wette an, Eliza bekommt ein Zimmer in seinem Haus zugewiesen und es beginnt eine schwere Lehrzeit bei dem eingefleischten Junggesellen. Eliza muss von morgens bis abends sprechen üben, wird von Higgins ruppig und herablassend behandelt, so dass der Unterricht eher einer Dressur gleicht. Darüber kocht Eliza vor Wut und träumt von Rache.
 
Endlich schafft Eliza den phonetischen Durchbruch: Sie spricht „g“ statt „j“, „ei“ statt „e“ und nicht „i“, sondern „ü“. Dies wird euphorisch gefeiert und die völlig aufgedrehte Eliza findet in der Nacht keinen Schlaf. Nun muss Eliza den Testlauf in der feinen Gesellschaft bestehen. Professor Higgins und Colonel Pickering suchen sich das Pferderennen in Ascot aus. Eliza erhält strenge Vorgaben für die Konversation; ihr wird erlaubt über das Wetter und die Gesundheit zu sprechen. Doch auch diese scheinbar unverfänglichen Themen bergen ihre Tücken, so berichtet Eliza der feinen Gesellschaft im besten Englisch, dass ihre Tante „abgemurkst“ worden sei. Wenig später schockiert sie das Publikum, indem sie beim Rennen ihr Pferd mit dem Ausruf: „Lauf schneller, oder ich streu dir Pfeffer in den Arsch!“ anfeuert.
Ihr unkonventionelles Auftreten in Ascot beschert ihr einen Verehrer aus besseren Kreisen. Freddy Eynsford-Hill ist sehr angetan von der hübschen und erfrischenden Eliza. Er beginnt in ihrer Straße zu patrouillieren, in der Hoffnung, dass Eliza einmal das Haus verlässt. Außerdem schreibt er ihr Liebesbriefe und schickt Blumen. Die Angebetete bekommt davon allerdings nicht viel mit. Sprechen kann sie zwar nun, aber ihre Bildung lässt nach wie vor zu wünschen übrig. Als dann der große Abend heranrückt, vermag Eliza beim Diplomatenball im Buckingham Palace zu brillieren. Sie verzaubert durch ihr außergewöhnliches und anmutiges Wesen. Es wird gerätselt, wer denn die schöne Fremde sei. Der ungarische Phonetiker Prof. Zoltan Karpathy, ein ehemaliger Schüler von Higgins, versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Zu Higgins und Pickerings Erbauung, lautet seine Diagnose: So sauberes Englisch spricht man nur im Ausland, seiner Meinung nach ist Eliza eine ungarische Prinzessin!

Am selben Abend beglückwünschen sich Higgins und Pickering gegenseitig für die gelungene Arbeit. Sie klopfen sich auf die Schultern und feiern ihren Triumph. Eliza fühlt sich übergangen; sie wurde dressiert, hat funktioniert, doch der Ruhm geht allein an den Professor, für den sie die Wette gewann. Sie gibt Higgins zu verstehen, wie sehr sie sich missachtet und erniedrigt fühlt. Auf die Frage, was nun aus ihr werden soll, wirft Higgins ihr Undankbarkeit vor. Er meint, sie wäre ein dummes Kind und ist umso erstaunter, als Eliza am nächsten Tag verschwunden ist.
Zusammen mit Freddy Eynsford-Hill, der vor Higgins Haus Wache hält, besucht sie jenes Viertel Londons, in dem sie noch vor einem halben Jahr zu Hause war. Doch dort wird sie nicht mehr erkannt. Für eine Blumenfrau ist sie nun zu fein, aber für eine feine Dame fehlt ihr das Geld. Eliza fasst den Entschluss, selbst Phonetik zu unterrichten und Freddy zu heiraten.
Als sie Prof. Higgins mit diesem Entschluss konfrontiert, muss er erkennen, dass er Eliza vermisst. My Fair Lady endet versöhnlich, Eliza kehrt zu Professor Higgins zurück. Offen bleibt, wie sich ihre Zukunft mit dem Professor, der doch so gerne Junggeselle war, gestaltet.“
 
Ein herrliches, leichtes Musical, dass ich einmal gerne wieder auf der Bühne sehen würde, allerdings sollte es ein Theater in relativer Nähe sein. Der kautzige Dr. Higgins reizt zu Zornesausbrüchen…auch wenn man ihm manchmal zustimmen möchte…man wünscht sich sehnlichst, er möge endlich ehrlich zu sich selbst sein und seine Fassade niederreißen…
 Auch wenn es Jahrzehnte her ist, seit ich dieses Stück erlebt habe…es ist absolut empfehlenswert.
 Ebenso lohnenswert ist die Verfilmung mit Rex Harrison und Audrey Hepburn

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Show Boat
Text: Oscar Hammerstein
Musik: Jerome David Kern,
Uraufführung: 27. Dezember 1927 New York, Ziegfeld Theatre
Deutsche Erstaufführung: 1970 in den Städtischen Bühnen Freiburg (deutschsprachig)

Diese Art des Musical fällt unter die Bezeichnung Musical Play, die in den 20er/30er Jahren entstand. Die ernstere Handlung und die historischen Bezüge setzen diese Art des Musical von den leichten Revuen und Comedy Musicals ab...
Die Handlung umfasst den Zeitraum von 1890 bis 1927.
Es  erzählt die Lebensgeschichte der jungen Magnolia, die auf dem Schaufelraddampfer ihres Vaters aufwächst. Sie verliebt sich in den Spieler Gaylord Revenel, den sie auch heiratet und mit dem sie ihr Zuhause verlässt. Nach der Geburt ihrer Tochter Kim geraten sie durch seine Spielsucht in Geldnöte und ihr Mann verlässt sie.  Sie versucht sich als Entertainerin durchzuschlagen und kann sich und ihre Tochter gerade über Wasser hatten. Ein weiterer Handlungsstrang ist die unglückliche Liebe der Variete-Sängerin Julie LaVerne, einer Mulattin, die auf dem Schiff ihres Vaters arbeitete und mit einem Weißen eine Beziehung eingeht, was zu dieser Zeit der Rassendiskriminierung nicht geduldet wurde. Sie zerbricht an der Anfeindung ihrer Umwelt. Ihr werden in ihrer Karriere Steine in den Weg gelegt, dazu kommt, dass ihr Lebenspartner sehr jähzornig ist und auch an anderen Frauen Interesse zeigt...
Auch Julie wird verlassen...
...und trifft irgendwann Magnolia in Chicago wieder, als sie dem Alkohol verfallen und heruntergekommen als Nachclubsängerin arbeitet. ... Julie überlässt Magnolia ihren Job...
Magnolia und ihre Tochter sind sehr erfolgreich und machen Karriere. Unerwartet treffen sie und Gaylord sich wieder, Jahrzehnte später, 1927. Ihr Vater hat, auf dem inzwischen unmodernen, von Dampfschiffen abgelösten, alten Schiff ein Treffen für die beiden arrangiert um sie wieder zusammen zu bringen...

Eine tragische Geschichte mit einem Happy-End, dass einen melancholischen Beigeschmack hat. Die Musik ist romantisch, gefühlvoll, aber nicht überzogen. Ich erinnere mich auch noch deutlich an die Verfilmung des Musicals, die sehr bewegend war. Wunderschöne bekannte Songs sind beispielsweise "Ol' man river" oder "Can't help loving that man"...oder etwas flotter "Life upon a wicked stage"...
Ich kann nicht sagen, ob ich mir dieses Stück noch einmal ansehen würde. Mein erstes Empfinden ist "Nein"...aber andererseits, es wäre sehr interessant zu sehen, wie ein Regisseur heute diese Thematik umsetzen würde...

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Sunset Boulevard
Text: Don Black und Christopher Hampton
Musik: Andrew Lloyd Webber
Uraufführung: 12. Juli 1993 London, Adelphi Theatre
Deutschsprachige Premiere: 8. Dezember 1995 Niedernhausen, Rhein-Main-Theater

Vorlage des Stückes ist der Film "Boulevard der Dämmerung" von Billy Wilder aus dem Jahr 1950.
Ein Musical, dass ich leider in Niedernhausen nicht gesehen habe.
Es ist ein Erlebnis die dominante Präsenz von "Norma Desmond" auf der Bühne zu erleben. Es ist eine unglaubliche Schwingung im Theater, wenn sich die Abhängigkeit zwischen Joe Gillis, dem mittellosen Drehbuchautor und Norma Desmond, der alternden Stummfilmdiva mehr und mehr steigert und die ganze Situation eskaliert. Seine Heimlichtuerei und vergebenen Fluchtversuche und ihre Besessenheit von der Vergangenheit und ihrem Glanz...grotesk und erschreckend...emotional, dramatisch...
Man findet die Leiche von Joe Gillis zum Beginn des Stückes im Pool. Im Anschluss werden die vergangenen Wochen aufgerollt und das eigentliche Musical beginnt.
Die Rolle der Norma Desmond wurde brillant von Glenn Close in dem Song "With one look" auf der Geburtstagsgala für Andrew Lloyd Webber im Jahr 2000 interpretiert. Eine äußerst schwere Rolle, ein ambivalenter, persönlichkeitsgestörter Charakter, der sehr mit Mimik und ausgeprägtem nuancenreichem Stimmeinsatz arbeitet...
Seit dem 13.November wird dieses Stück in Magdeburg aufgeführt. Wir durften die Premiere erleben. Die Rolle des Joe Gillis wird von Nikolaj Alexander Brucker verkörpert, Norma Desmond wird von der Schwedin Marianne Larsen gespielt.  Ich erinnere mich, Nikolaj als Raoul in Essen erlebt zu haben und er war sowohl stimmlich als auch schauspielerisch gut.
Die Inszenierung ist beeindruckend und einfallsreich in ihrem Bühnenbild (eine überdimensionale Filmrolle, senkrecht stehend, die gedreht wurde und so je nach Stellung verschiedene Räumlichkeiten sichtbar machte). Marianne Larson überzeugte vollkommen, lebte diese gestörte Persönlichkeit aus. Nicolaj war ebenfalls authentisch und überzeugend, stimmlich erinnerte er mich zu Beginn sehr an Uwe Kröger, der diese Rolle in der Vergangenheit ebenfalls interpretiert hatte. Ebenfalls ausdrucksstark Norbert Lamla als Max. Er hat diese Rolle schon sehr oft gespielt und berührte uns in seiner verzweifelten Versuch, die Realität von Norma, seiner Ehefrau fernzuhalten...

Wenn sie eine sehr genaue und gute Zusammenfassung der Handlung lesen wollen, so kann ich ihnen die Seite auf Wikipedia empfehlen...

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West Side Story
Text: Stephen Sondheim
Musik: Leonard Bernstein
Uraufführung: 26. September 1957, New York, Winter Garden Theatre Broadway
Deutschlandpremiere: 25. Februar 1968 Wien, Volksoper (deutsche Sprache)

Eine tragische Liebesgeschichte im Stil von Romeo und Julia, die in Manhattan New York, in den 1950er Jahre spielt.
Die Handlung spiegelt die politische, gesellschaftliche Situation ...zwei rivalisierende Jugendbanden kämpfen um die Vorherrschaft in einem Straßenzug in  der West Side. Zum einen die "Jets" unter der Führung von Riff, amerikanische Kids, die aus sozial schwächeren Schichten kommen, zum anderen die "Sharks" eingewanderte Puertoricaner mit ihrem Anführer Bernado, die sich in einer fremden Welt ihren Platz schaffen wollen.
Eine weitere Rolle spielen der Polizist Officer Krupke und der konservative, rassistische Lieutenant Schrank, die auf ihre eigene Weise mit den Jugendlichen umgehen...

Das Musical hat phantastische Tanzszenen, die in ihrer Choreographie (Jerome Robbins) die Beziehungen zueinander, die emotionalen Ausbrüche, deren Selbstwertgefühl sowie die ansteigende Dramatik in unvergleichlicher Weise widerspiegeln. Musik, Tanz, Gesang und Schauspiel verschmelzen zu einer Einheit. Ausdrucksstark der tänzerische Wettkampf auf dem Schulball, wo heiße südamerikanische Rhythmen modernem Tanz gegenüber gestellt werden und sich beide Stilrichtungen als Symbol für die kulturellen Unterschiede mehr und mehr im Crescendo der Musik hochpeitschen...
Das Liebespaar, dass sich in dieser feindlichen Schwingung findet ist der ehemalige Jet Tony, der begonnen hat sich ein bürgerliches Leben zu erarbeiten und in Docs Drugstore einer geregelten Tätigkeit nachgeht und Maria die Schwester Bernados. Maria ist jedoch seit langem Chino versprochen, einem Mitglied der Sharks...
Eine große Rolle spielt auch Anita, die Freundin Bernados, eine resolute junge Frau, die weiß, was sie will und wie sie mit ihrem heißblütigen Liebhaber umgehen muss.
Diese tiefe, zärtliche Liebe zwischen Maria und Tony, die nicht sein darf und die beide nur heimlich leben können, führt zu noch mehr Hass und Ablehnung unter den Gangs und dieser endet in einem entscheidenden Kampf an einem geheimen Treffpunkt...
Riff und Bernado kämpfen um alles oder nichts. Tony, der von Maria angehalten wird diesen Kampf zu verhindern,  muss mit ansehen, wie plötzlich Messer gezückt werden und Bernado seinen Freund Riff in der Hitze des Gefechtes ersticht. Er stirbt in Tonys Armen und Tony, außer sich vor Trauer und Fassungslosigkeit, tötet Bernado in einer Affekthandlung. Alle Bandenmitglieder fliehen in namenloser Panik.
Maria, zuerst  entsetzt, wütend, trauernd...kann Tony nicht abweisen und beide verbringen die Nacht miteinander, sich aneinander klammernd und sich eine Welt herbeiträumend, die ohne Hass und Gewalt ist, eine Welt  des Friedens und des Respekts...
Während Tony versucht, das Vergangene zu verdrängen und wie in Trance den alltäglichen Dingen des Lebens nachgeht... ist Chino am nächsten Tag von Rache geleitet auf der Suche nach Tony, um ihn mit einem Revolver zu töten. Als Anita, erst widerstrebend, dann verstehend die Bitte Marias erfüllen will, Tony in Docs Drugstore zu warnen, entladen sich die unverarbeiteten Gefühle und angestauten Emotionen der Jets in einer Massenvergewaltigung von Anita. Diese wird von Doc unterbrochen, der seiner Hilflosigkeit und Wut Ausdruck verleiht. In dieser Erniedrigung und grenzenloser Wut schleudert Anita ihnen die Lüge entgegen, Chino hätte Maria erschossen und wäre nun auf der Suche nach Tony, um diesen ebenfalls zu töten.
Tony, der diese Worte gehört hat, bricht emotional zusammen und in seiner grenzenlosen Verzweiflung irrt er durch die Straßen...laut nach Chino rufend...flehend er möge auch ihn erschießen...
Maria ist ebenfalls auf der Suche nach ihm. Und als sie sich in einiger Entfernung gegenüberstehen und Tony erstaunt und überglücklich auf sie zulaufen will, ertönt ein Schuss. Tony bricht tödlich getroffen zusammen.
Das Geräusch lockt Jets und Sharks aus allen Richtungen an den Ort des Geschehen, gelähmt von den Ereignissen der letzten Tage und kaum fähig zu begreifen was in diesem Moment geschieht...
Während Tony in Marias Armen stirbt, träumen beide noch einmal von dieser Welt voller Harmonie und Frieden...so anders als die Realität...
Die letzten Tage haben aus dem unschuldigen Mädchen Maria eine Frau gemacht...Sie lässt sich von Chino die Waffe geben und hält den Jugendlichen in schonungsloser Weise den Irrsinn ihrer Handlungen vor Augen...ihre Stimme ist kraftvoll, entschlossen, ihre Worte wie Pfeile...
Schweigend und ergriffen, geeint in diesem Moment, gehen Jets und Sharks auf den leblosen Körper Tonys zu und tragen ihn gemeinsam von der Bühne.

Alleine bei der Beschreibung des Inhalts kommen mir die Szenen ins Gedächtnis und die Betroffenheit und die Stille des Publikums nachdem der letzte Ton verklungen war...
Ein überwältigendes Stück, dessen Thematik auch heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. In Verbindung mit der grandiosen Musik, die sowohl rhythmische, erregende Sequenzen beinhaltet wie auch melodiöse, gefühlvolle Passagen, spürt man die Stimmung in der Luft vibrieren und kann sich nicht entziehen...
Erst langsam kann man wieder durchatmen und dem Ensemble den verdienten Applaus spenden...

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