Startseite Musicals
   
Musical- Darsteller
Musical-Darstellerinnen
Drama-Musicals
klassische Musicals
sonstige Musicals u. Galas
Fotoalben
Interessante Links zum Thema
 
Gästebuch
Impressum/Kontakt
   
   
Marion Sehr, Homepage
Reiki/Hypnose/Meditation
Malerei - Acryl, Graphit, Aquarell

"Malerei verwandelt den Raum in Zeit, Musik die Zeit in Raum."
Hugo von Hofmannsthal (1874-1929, österreichischer Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker und Librettist)
 

Musicals: Aida
Artus - Excalibur
Chess
Die drei Musketiere

Die letzten fünf Jahre
Die Päpstin
Friedrich

High Fidelity

Next to Normal (Fast normal)
Tarzan

Wicked - die Hexen von Oz
 

 
Jährliche Galas:

Musical Masquerade
Sommernacht des Musicals 
Musicalstars in Lohne

 

   

Musicals
 

 

Artus - Excalibur
Text: Ivan Menchell und Robin Lerner
Musik: Frank Wildorn
Uraufführung: Weltpremiere am 15. März 2014 in St. Gallen, Schweiz
Wieder einmal ein Musical aus der Feder Wildhorn, dass den Zuschauer mitnimmt auf eine dramatische Reise durch starke und intensive Gefühle.
Beim ersten Hören der CD war ich etwas enttäuscht und hatte den Eindruck, die Musik hat weniger Tiefgang und die Melodien wären zu gleich...dies wohl weil Wildhorn hier fast durchgehend eine Instrumentierung einsetzt die man mit keltischer, mittelalterlicher Musik verbindet. Dies ist zwar sehr stimmig aber dennoch ermüdend. Beim zweiten Hören erzeugten die ausdrucksstark und emotional gesungenen Worte und die Musik aber Neugierde und Spannung und führten bei geschlossenen Augen mit Leichtigkeit in die Geschichte.
Vor Ort machte alleine das Betrachten des Logos auf dem Vorhang mit dem sich drehenden Schwert schon Lust auf mehr.
Und schon die ersten Takte des Orchesters...das melancholische, eindringliche und sich steigernde „Feld der Ehre“ ging unter die Haut.Das Bühnenbild war unterschiedlich in Opulenz und Umfang. Teilweise wurde der Hintergrund projiziert und unterstützte sehr stimmungsvoll den in einigen Szenen von oben herabgelassenen „Wald“, die Empfangshalle und der Thronsaal waren eindrucksvoll, aber nicht überladen und ab und an war der Darsteller nahezu alleine auf der Bühne mit seinem Solo. Dies bedeutete, dass der ganze Fokus des Publikums auf ihn (oder sie) gerichtet war...eine immense Verantwortung.
So hatte man in diesen Szenen manchmal den Eindruck, dass die Künstler unsicher waren, welche Gestik sie begleitend während längerer Textzeilen auf einer Stelle umsetzen sollten...Aber das war nicht störend, es war einfach menschlich und hatte eine eigene Wirkung.
Das Orchester war grandios. Die Beleuchtung war sehr ausgefeilt und sensibel, die Kostüme sensibel designed und der Epoche angepasst. Genuss pur.
Ich kann nicht sagen welche der intensiven Szenen ganz besonders herausragend war...die Wahl kann ich beim besten Willen nicht treffen. Es fanden einige Kampfszenen statt und wenn man den verstärkten hellen Klang der Degen bei den „Musketieren“ gewohnt ist muss man sich als Erstes direkt umstellen...hier prallen Schwerter aufeinander und Lanzen...dementsprechend ist der Kampf nicht ganz so elegant, eher robust.
Die Choreographie erfordert wieder ein umfangreiches Training.
Wichtig war dem Kreativteam des Stücks, dass am Ende eine neue Hoffnung keimt und die Liebe stärker ist als das „Dunkle“. Sie mussten einige Beziehungs- und Handlungsstränge um die Artuslegende unbeachtet lassen und sich auf eine Richtung konzentrieren. Ebenso erwähnt Serge Honegger (Buch) die Erfahrung von Artus im Laufe des Stücks, dass alles, was er abweist wieder zu ihm zurückkommt...und so auch am Anfang das Schwert, das er mehrfach wegstößt, und sein damit verknüpftes Schicksal.
Wenn man die Interviews im Programmheft liest, bekommt man noch einmal mehr Zugang zu den Gedanken und Tiefen des Stücks.
Womit ich dann jetzt zu den Darstellern wechseln möchte...
Die Zuordnung war unglaublich perfekt. Sowohl von der Ausstrahlung und der Persönlichkeit wie auch optisch bildeten die 5 Hauptdarsteller eine Einheit mit ihrer Rolle. Große Namen der hiesigen Musical-Szene, eben Darsteller, die ausdrucksstark und stimmgewaltig sind. Besser hätte man es nicht machen können.
Patrick Stanke als „Artus“ zog alle Register seines schauspielerischen und stimmlichen Könnens und zeigte einmal wieder mit welcher Leidenschaft er alle starken Emotionen wie Verzweiflung, Trauer, Wut oder Unsicherheit im rasanten Stimmungswechsel ausleben kann.
Der schnelle Handlungsverlauf ließ weder uns im Publikum noch die Darsteller auf der Bühne zur Ruhe kommen. Der zweite im Männerbund war Mark Seibert an seiner Seite als bester Freund und Bruder „Lancelot“. Mark wirkt athletisch und hoch gewachsen, männlich und das war geradezu die ideale Voraussetzung für diese Rolle. Sein Kampfeswillen, die Loyalität und sein Schmerz der unerfüllten Liebe zu Guinevere wie auch sein dramatischer Bühnentod berührte zutiefst.
Lisa Antoni, die wir anstelle von Annemieke van Dam als „Guinevere“ erleben konnten, war die Nervosität anzumerken. Sie fand nach einiger Anlaufzeit in die Rolle. Ich möchte dabei erwähnen, dass wir die erste Vorstellung der Herbst/Winter-Saison erleben konnten und sie die Rolle eben bisher nicht oder nicht oft gespielt hatte.
Unterstützung und Führung für Artus gab auch Thomas Borchert als „Merlin“. Auch er war in der Rolle überaus authentisch, der optische Gesamteindruck war sehr wirkungsvoll. Sie schien mir ihm auf den Leib geschrieben. Ihn umgab eine Aura von Mystik und Abgehobenheit und er genoss sichtlich diese Rolle.
Eine magisch bewanderte, höchst attraktive und stimmgewaltige Gegnerin hatten er und Artus in „Morgana“, die Tochter des Uther Pendragon (ehem. König, von Loth besiegt), die von Sabrina Weckerlin stilvoll und überzeugend verkörpert wurde. Aus dem Schmerz eines verstoßenen Kindes heraus, das einen lebenden Schuldigen sucht, entwickelte sich ein tiefer Hass gegen ihren Halbbruder Artus, den sie für ihr ganzes leidvolles Leben verantwortlich machte. Sabrina verstand es meisterhaft ambivalente Gefühle auszulösen.
Vergessen darf ich in keinem Fall Alexander Bellinkx. Er spielte Artus geliebten Ziehvater Ector mit starker Stimme und absolut gutem Schauspiel. Ein sympathischer Charakter, der leider auch sterben muss und auch hier sind die Emotionen im Publikum auf einem Höhepunkt.
Ach...Das Ensemble...die Frauen waren wunderbar und gefühlvoll. Die Ritter an Artus Tafel strahlten nicht unbedingt die innere Stärke und die gerade Haltung mit hocherhobenem Haupt aus, die man von einem Ritter so erwartet. Aber eine starke Bühnenpräsenz muss man als Darsteller erst entwickeln...ein ganz natürlicher Prozess.
So kann ich nur inständig hoffen, dass dieses Stück bald den Weg auf deutsche Bühnen findet und bevorzugt in relativer Nähe.
Bei einigen wenigen Szenen gäbe es noch Verbesserungspotential bzgl. des Stagings, dort wo einzelne Soli alleine auf der Bühne gesungen werden, aber mehr kann ich nicht kritisieren.
Man kann sich den tiefen Gefühlen der Charakteren nicht entziehen, sie kriechen unter die Haut...
Ein besonderer Abend, den ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Aida
Text: Tim Rice
Musik: Elton John
Uraufführung: 23. März 2000 New York, Broadway, Palace Theatre
Deutsche Erstaufführung: 5. Oktober 2003 Essen, Colosseum Theater
Deutsche Texte: Michael Kunze

Die Handlung orientiert sich lose an der Oper Aida von Verdi aus dem Jahre 1869.
Es ist eine Drecksgeschichte die in Ägypten spielt. Hauptpersonen sind Amneris, Radames und Aida…
Amneris ist die zukünftige Pharaonin des Landes, die den ägyptische Feldherren Radames seit Kindertagen kennt und mit diesem die Ehe eingehen soll. Sie zeigt in der Geschichte eine Verwandlung von der oberflächlichen, selbstverliebten, verwöhnten Prinzessin zur verantwortungsbewussten, feinfühligen und warmherzigen liebenden Frau. Eine sehr starke Rolle, die im ersten Akt sehr viele komödiantische Aspekte hat und das Publikum oft zum Lachen hinreißt.
Radames, ein gefürchteter Feldherr, dessen Leidenschaft ist ferne Länder zu bereisen und zu unterwerfen…und mit Waren und neuen Sklaven im Triumph zurückzukehren…
Auch er vollzieht eine starke innere Wandlung. Am Anfang unbeugsam und arrogant, lernt er durch die selbstbewusste neue Sklavin Aida (die in Wirklichkeit eine nubische Prinzessin ist), was das Wort Freiheit, Gerechtigkeit und hingebungsvolle Liebe bedeutet…und er erkennt Träume und Gefühle in sich, derer er sich bisher nicht bewusst war. Durch seine wachsende Liebe zu Aida ist er nicht mehr bereit sich unterzuordnen und Amneris zu heiraten.
Aida, die stolze nubische Prinzessin, eine gleichwertig starke Rolle wie Amneris…ebenso eine warmherzige, kämpferische Frau, die bereit ist die große Liebe ihres Lebens für die Befreiung der gefangenen Nubier, darunter ihr Vater, zu opfern. Auch wenn sie daran zerbricht , will sie ihrem Vater, dem König, und dem Land dienen…ihr Vater droht ihr, sie sei nicht mehr seine Tochter, wenn sie sich in einen der Feinde verliebt. Sie ist gezwungen sich zu entscheiden.
Weitere wichtige Personen sind:
Zoser (Ratgeber des Pharaos), der scheinbare Adoptivvater Radames, dem alle Mittel recht sind Radames auf den Thron zu bringen, auch die langsame Vergiftung von Amneris Vater durch Arsen. Auch hier entwickelt sich ein unauslöschlicher Konflikt, als Radames erkennen muss, dass Zoser sein wirklicher Vater ist und seine Mutter eine Hure in einem Bordell war, die von diesem schmächlich im Stich gelassen wurde. Zoser argumentiert, er habe sich zwischen der Liebe und der Karriere entscheiden müssen.
Mereb, der junge gutgelaunte Nubier, der einige Jahre schon in den Diensten Radames steht und erstaunt und entsetzt Aida wieder erkennt…er wird von ihr zum Stillschweigen verpflichtet. Am Ende, als Aida mit den Gefangenen flieht und heftige Kämpfe entbrennen stirbt Mereb.

Die Handlung erreicht ihren Höhepunkt am Tage der Hochzeit. Aida hat Radames ein letztes Mal gesprochen und ihm die Aussichtlosigkeit ihrer Liebe verdeutlicht. Sie nimmt ihm das Versprechen ab, Amneris doch zu heiraten. Während der Feierlichkeiten will sie die Gefangenen mit der Hilfe Merebs freilassen, auf ein Schiff fliehen und entkommen. Radames hatte ihr eine Kette mit einem Anhänger geschenkt, der ihr gestattet sich überall frei zu bewegen.
Als dann die Flucht entdeckt wird, muss sich Radames entscheiden, auf wessen Seite er steht und begeht Hochverrat.
Amneris Vater, vom Tode gezeichnet, noch Pharao des Landes, verurteilt Radames und Aida zum Tode. Es gibt bei einem solchen Verbrechen nicht die Möglichkeit der Gnade. Amneris, die den Schmerz kaum ertragen kann, die beiden Menschen sterben zu lassen, die ihr am meisten bedeuten, gelingt es zu bewirken, dass die beiden Liebenden zusammen sterben. Ihr Vater fühlt den Tod nahen und Amneris als zukünftige Herrscherin verkündet mit gefasster Stimme und Tränen in den Augen den Urteilsspruch. Radames und Aida werden in der Pyramide ihres Vaters in einem Raum lebendig eingemauert.
Beide schwören sich in ihrem dunklen Verließ ewige Liebe und dass sie sich in einem anderen Leben wieder finden. Und so geschieht es…die Kulisse wandelt sich und wir sehen wieder die Räumlichkeiten des Museums, in dem ägyptische Exponate ausgestellt sind…In der Besuchergruppe befinden sich zwei Menschen, die sich „zufällig“ an diesem Ort begegnen…

Ein sehr schönes Stück, romantisch und voller Tragik…man reibt sich so manche Träne aus den Augenwinkeln, dazu eingängige Musikstücke unterschiedlicher Stilrichtungen…gospelartige Chorgesänge, Balladen, fetzige Popsongs, Soul…
Wir sahen dieses Stück inzwischen in unterschiedlichen Besetzungen. Die Open-Air-Aufführung in Tecklenburg 2009 mit hervorragenden Darstellern…Patrick Stanke als Radames, Willemijn Verkaik als Amneris und Zodwa Zelele als Aida. Anfang 2011 in Darmstadt mit Chris Murray als Radames und Dominique Aref als Aida. Chris Murray war überzeugend, obwohl wir zuerst skeptisch waren, ob er in diese Rolle passt. Allerdings sang er mit seiner kraftvollen Stimme seine Kollegin "an die Wand". Hier wurde ein sehr wirkungsvoller Stockkampf zwischen ihm und seinem Ziehvater eingefügt, was eine sehr dramatische Wirkung hatte. Ich persönlich fand die Inszenierung ambivalent. Die Beziehung zwischen Radames und Aida war sehr ausgelassen und verliebt, zwischen ihm und Zoser sehr aggressiv...Radames vollzog einen sehr dramatischen inneren Prozess. Weniger deutlich wurde dies bei Amneris-Darstellerin Sigrid Brandstetter, was auch am Regisseur lag, der an manchen Stellen weniger Selbstdarstellung und mehr Sensibilität hätte einbringen können. Dennoch ein sehr gefühlvoller Abend. Ein drittes Mal sahen wir Christian Alexander Müller als Radames und Judith Lefeber als Aida in Chemnitz im Juni 2012. Eine Inszenierung die einen weniger emotionalen Radames verlangte und nie die Tiefe des Charakters und der Emotionen sichtbar machte, dagegen eine hervorragende kraftvolle Aida und ein überzeugender Zoser. Leider unabhängig von der wirkungsvollen Bühnengestaltung war es eine unsensible oberflächliche Inszenierung mit einer zeitweise etwas seltsam anmutenden Choreographie.
Man musste sich erst auf die Charaktere einlassen in dieser Form um dann die Melodien auf sich zu wirken lassen. Gesanglich  und im Rahmen der Vorgaben zeigten die Darsteller ihr Bestes und waren ein Genuss...
So wurde uns klar, dass es eine Spannbreite von Möglichkeiten gibt und die Umsetzungen des Stücks sehr unterschiedlich sein können...aber dies tut dem Genuss und dem emotionalen Erleben keinen Abbruch. Es ist definitiv sehr empfehlenswert.


Zum Anfang der Seite

 

Chess
Liedtexte: Tim Rice, Björn Ulvaeus
Musik: Benny Andersson, Björn Ulvaeus
Uraufführung: 14. Mai 1986, Prince Edward Theatre in London

T
im Rice, der mit Andrew Lloyd Webber die Musicals „Evita“ und „Jesus Christ Superstar“ geschrieben hatte hatte die Vision eines neuen Stückes, dass sich mit dem Thema des „Kalten Krieges“, dem Ost-West-Konflikt“ auseinandersetzt. Da Andrew Lloyd Webber gerade an dem Musical „Cats“ schrieb folgte Tim Rice den Empfehlungen eines Freundes und wandte sich an die Schweden Björn Ulvaeus und Benny Andersson, bekannt geworden durch die Gruppe Abba. Beide waren einverstanden

Das Thema, das als Grundlage für die gesamte Handlung dient, ist eine Schachweltmeisterschaft und zwei Gegner, die mit ihrem Gefolge und dessen Machtspielen und Intrigen den politischen Konflikt spiegeln.
Die Handlung des Musicals unterscheidet in den einzelnen Inszenierungen, da zwar die Rahmenhandlung feststeht, aber in einigen Bereichen Freiheiten gestattet sind.
Die Londoner Fassung erzählt von 2 Schachturnieren (diese Fassung habe auch ich mehrfach erlebt und sie ist für mich sehr stimmig), während die Broadway-Version nur den Ablauf eines Turnieres darstellt.
Chess ist ein Stück bei dem man genau hinhören muss...
Die beiden männlichen Hauptrollen sind zwei Schachspieler: der „Amerikaner“ (Frederick Trumper) und der „Russe“ (Anatoly Sergievsky)...die gewisse Ähnlichkeiten in ihren Charakteren und Lebensgeschichten mit den Schachspielern Bobby Fisher und Viktor Kortschnoi aufweisen.
Das erste Turnier bei dem beide aufeinander treffen findet 1966 in Meran statt und wird in der Stadt wie ein Volksfest der oberen Klasse beworben, ein touristischer Anziehungspunkt im Mittelpunkt der Berichterstattung der Medien.
Frederick Trumper wird begleitet von seiner langjährigen Assistentin und Geliebten Florence Vassy, eine gebürtige Ungarin, die eine dramatische Vergangenheit hat und auf der Suche nach ihrem Vater ist, der seit dem Einmarsch in Budapest 1956 in russischer Gefangenschaft vermutet wird oder getötet...
Der egozentrische und arrogante Trumper, verabscheut die Sowjetunion und Florence Vergangenheit bestätigt ihn in seiner Haltung, die er in ungezügelter und provokanter Weise auch in der Öffentlichkeit deutlich ausdrückt. Die Beziehung zwischen Florence ist ambivalent, denn schon lange ist sich Florence bewusst, dass sie das erniedrigende, arrogante Benehmen Trumpers ihr gegenüber nicht mehr weiter ertragen will, aber irgendetwas lässt sie in der Beziehung verharren...
Anatoly reist mit einem recht großen Gefolge an und es ist von vorne herein klar, er ist ein eher zurückhaltender Mensch, dessen Gefühle systematisch in dem System, in dem er trainiert wurde unterdrückt wurden. Man spürt an mancher Stelle, wie sehr er gefesselt ist und seine Emotionen und Sehnsüchte tief in ihm brodeln. Aber er ist ein Schachspieler mit jeder Zelle seines Körpers und nicht an Politik interessiert.
Der Verantwortliche von Sergievskies Team, der KGB-Agent Molokov, zieht seine Fäden und unterstellt dem Amerikaner Voreingenommenheit...
Nachdem Frederick Trumper beim ersten Turnier einen Eklat, als er dabei ist zu verlieren...er reißt das Schachspiel vom Tisch...und Florence wird vom Schiedsrichter des Spiels (Arbiter) angehalten ihren Spieler zur Raison zu bringen. Florence gerät mit Frederick in Streit und erscheint alleine zu einem Treffen mit Anatoly auf der Zugspitze, zu dem sie die gegnerische Seite mit Engelszungen hat überreden können.
Bei dieser Begegnung bei der sie zum Teil wieder ihrer inneren Einstellung Frederick verteidigen und entschuldigen muss, verliebt sich Anatoly und sie ineinander. Trumper vermutet diese Entwicklung, als er sehr verspätet auftaucht und er scheint verunsichert , verliert die nächsten Partien. Anatoly ist der neue Weltmeister.
Florence entscheidet sich entdgültig Frederick zu verlassen und Anatoly folgt seinem Gefühl und beantragt Asyl in den USA.
Fredericks Fassade bröckelt und nach einem Ausbruch von Wut bricht er zusammen und das Publikum erfährt seine Geschichte...die einen ganz anderen Menschen sichtbar macht...den wirklichen Trumper hinter der Fassade. Aber es ist zu spät für seine Beziehung.

Das nächste Turnier findet in Bangkok statt.
Nun sind die Rollen vertauscht...Anatoly spielt für die Amerikaner, Frederick Trumper hat das Schachspielen aufgegeben und arbeitet als Reporter beim Fernsehen. Die russische Delegation, immer noch unter der Führung von Molokow hat einen neuen Spieler „Vigand“, eine Maschine, deren einzige Funktion ist zu Spielen. Die kalte, Ausstrahlung dieses Gegners und das schlechte Gewissen, dass Anatoly scheinbar nie ganz verlassen hat erzeugen in ihm eine seltsames Gefühl von Zweifel...dazu kommt dass er nicht sehr erbaut ist, seinen Erzfeind Frederick Trumper hier zu sehen.
Molokok beginnt ein raffiniertes Spiel um den Druck auf Anatoly immens zu erhöhen. Er setzt zum einen Florence unter Druck. Man hätte ihren Vater gefunden und würde ihn frei lassen, wenn sie Anatoly dazu bringt das Spiel zu verlieren. Man lässt Svetlana, die Ehefrau mit Kindern einfliegen und Frederick Trumper wird angehalten, bei einem Interview plötzlich ein Video mit Anatolys Familie einzuspielen, die ihn bitten nach Hause zu kommen. Und es ist ihm erlaubt alle Fragen zu stellen, unzensiert. Anatoly, der vollkommen überfahren ist von dieser Vergangenheit, die er verdrängt hatte, springt auf und verlässt konsterniert das Studio.
Molokow lässt ihm mitteilen, dass es seiner Familie gut gehe und das wäre auch weiterhin so, wenn er sich entscheidet, das letzte Spiel zu verlieren.
Florence und Svetlana sind beide zweifelnd und haben das Gefühl für diesen Menschen, den sie lieben nicht genug zu sein...
Ebenso versucht er Frederick Trumper auf Anatoly anzusetzen und spielt auf dessen Beziehung zu Florence an, er würde sie wieder bekommen, wenn...
Doch nicht nur Florence und Anatoly lassen sich nicht auf den Handel ein...auch Fredericks Haltung ändert sich...das ist nicht das, was er unter einem fairen Spiel versteht. Und diese ganzen politischen Manipulationen haben nicht, aber auch gar nichts mit der Liebe zum Schach zu tun. Und so überredet er Anatoly sich mit ihm zu treffen. Die beiden stehen sich gegenüber an einem abgelegenen Ort und entgegen der anfänglichen Skepsis Anatolys entwickelt sich eine Zusammenarbeit. Frederick hat ein Schachspiel mitgebracht und erklärt Anatoly den Schwachpunkt Vigands und worauf er achten sollte.
Die ganze Stimmung spitzt sich zu am letzten Turniertag. Die verliebte Stimmung zwischen Anatoly und Florence ist Unsicherheit gewichen...Anatoly fühlt einen Anteil an Schuld, wenn er gewinnt und Florence Vater nicht freigelassen wird. Sollte etwas Wahres daran sein, dass er gefunden wurde? Und wenn nicht, dann wäre alles umsonst. Aber in ihm ist ein unbändiger Siegeswillen...sollte er sich selbst opfern, alles für das er lebt? Und es gibt nur eines für das er lebt „Schach“!
Während des Spiels geht die Zeit für ihn langsamer voran. Florence ist anwesend...Svetlana...und dann muss er sich entscheiden...er hört die Stimmen beider in seinem Kopf...“Lügner“...Stimmen voller Vorwürfe...die ihm Gefühllosigkeit vorwerfen, Gleichgültigkeit, Egoismus...Stimmen, gegen deren Behauptungen er sich wehrt...nein, er hat niemals jemanden betrogen...außer vielleicht sich selbst, er hat sich von jedem vorschreiben lassen, was für ihn richtig ist...
Und in einem Befreiungsschlag, aus dem inneren Zusammenbruch heraus macht Anatoly den Siegeszug.
Dieser Sieg ist hat jedoch einen bitteren Beigeschmack. Florence und er sind sich bewusst, dass er nach Hause in die Sowjetunion zurückgeht, zu seiner Familie. Auch wen diese Fremde sind und es keine Berührungspunkte mehr gibt. Und Molokow hat gewonnen, denn er wollte nie das Anatoly verliert...er wollte ihn zurückholen, dort wo er hin gehört. Und ob Florence ihren Vater sieht, dass bleibt meist unklar.
Ich kenne beides. Aber den Schlusssatz, indem Molokow dem westlichen Assistenten Walter unter vorgehaltener Hand zu dem Thema, ob man den Vater gefunden hat sagt, -wer weiß das schon-, der hat eine unglaubliche Wirkung...

Chess ist ein lohnenswertes Stück, das durchaus anstrengend ist. Ich empfinde die Charaktere als sehr vielschichtig und das ist etwas, dass mich reizt. Niemand ist wirklich das, was er ursprünglich zu sein scheint...bzw. mancher erkennt erst im Laufe der Ereignisse welche Emotionen unterschwellig verborgen waren...
Allerdings kommt es sicherlich auch auf die Inszenierung an und da gibt es eben Unterschiede. Ich kann es in jedem Fall sehr empfehlen. Auch die Musik ist eingängig aber nicht anspruchslos, ein Genuss...

Zum Anfang der Seite

Die drei Musketiere
Text und Musik: Rob und Ferdi Bolland, einige Songtexte auch von anderen Songschreibern.
Uraufführung: 2003 in Rotterdam
Deutschlandpremiere: 12. November 2006 Stuttgart, Apollo Theater


Der Roman „Les Mémoires de d’Artagnan“ (D’Artagnans Erinnerungen) von Alexandre Dumas diente als Vorlage. Wer wie ich Mantel- und Degenfilme liebt, wird diese Aufführung genießen.
Die Handlung spielt in Frankreich 1626.
Wie im Roman wird die Geschichte des jungen D’Artagnan erzählt, der nach Paris aufbricht um wie einst sein Vater, ein Musketier zu werden.
In seinem Überschwang gerät er direkt mit Aramis, Porthos und Athos aneinander und wird am nächsten Tag, an dem er sich nacheinander mit den dreien duellieren muss, direkt in einen Kampf mit den Schergen Richelieus verwickelt und so kommt man sich näher.
Im Zuge der Ereignisse lernt er seine große Liebe Constance kennen und wird zur letzten Rettung für die Königin, in dem er unter immensem Zeitdruck im stärksten Sturm nach England fährt, um ein Collier von Lord Buckingham zurückzuholen. Sie hatte es, durch eine Intrige verleitet, zur Verhinderung eines Krieges an Buckingham, ihrer vergangenen Liebe ausgehändigt. Nun soll sein Fehlen ihre Untreue beweisen.
Richelieu fürchtet einen wachsenden Einfluss von ihr auf König Ludwig XIII, den er so auf seine Seite ziehen will. Der machthungrige Kardinal ist besessen davon die protestantischen Hugenotten, die von England unterstützt werden, zu vernichten und fühlt sich als Werkzeug Gottes. Er erhält Unterstützung von Milady de Winter, die sich erhofft als Gegenleistung von dem eingebrannten Makel der Lilie befreit zu werden. Dieses Stigma kennzeichnet sie als Hure und Diebin. Eine tiefe seelische Wunde, die sie mit sich trägt seit sie als junges, unschuldiges Mädchen von einem Priester missbraucht wurde…
D’Artagnan schafft es rechtzeitig zum Empfang wieder zurück zu sein…
Jedoch verliert er seine große Liebe, die von Milady de Winter als Druckmittel gefangen genommen wird und die sie aus Rachsucht und Neid tötet. Als sie D’Artagnan die Schatulle mit dem Collier entwendet gibt sie, bevor sie ihn niederschlägt, siegessicher (allerdings hatte d'Artagnan das Collier der Schatulle entnommen) den Aufenthaltsort von Constance preis. Aramis, Athos und Porthos finden ihn und machen sich direkt auf den Weg. Die Freunde finden Constance tot vor, ergreifen Milady und halten Gericht über sie. Athos, den eine tragische Liebe mit ihr verbindet, kennt die tiefe Verletzung, die sie dazu gezwungen hat so zu werden, wie sie ist…und doch urteilt er mit den anderen „schuldig“. Und so stürzt sich Lady de Winter in der Stuttgarter Inszenierung von einem Turm in den Tod.
Das Musical hat keine ausgefeilte beeindruckende Lyrik. Es ist Potential in der Ausarbeitung der Charaktere vorhanden und man lässt sich während des Stücks gefangen nehmen von der Abenteuer-Stimmung und den vielfältigen Beziehungen zwischen den Personen. Sehr beeindruckend und ausdrucksstark ist der Part der Milady de Winter und des Kardinals Richelieu. Sie sind die Charaktere des Stücks, die Tiefe hineinbringen und sehr vielschichtig sind. Alleine die Soli des Kardinals „Nicht aus Stein“ und „Glaubt mir!“ gehen unter die Haut…wenn sie authentisch, leidenschaftlich gelebt werden.
Die junge d'Artagnan bringt in seiner Naivität, seinem Schwung und seinem unbändigen Wunsch für Gerechtigkeit zu kämpfen Leichtigkeit in das Stück. Schon in seinem ersten Auftritt "Heut' ist der Tag" hat er alle Sympathien auf seiner Seite.
Überwältigend sind immer die Fechtszenen, die immense Koordination und Konzentration von der Cast erfordern. Man hat Mikrofone an den Degen befestigt, was eine unglaubliche Wirkung hat…
Tecklenburg verpflichtete Malcolm Ranson, den Fight Director der Royal Shakespiere Company aus London. Die Kampfszenen sollten noch anspruchsvoller sein als in den vergangenen Inszenierungen. So erweiterten auch die verschiedenen Zugänge der Bühne noch einmal die Möglichkeiten.
2010 wurde das Stück zum ersten Mal auf einer Freilichtbühne aufgeführt. Tecklenburg ist das führende Freilichttheater schlechthin. Man hatte zum großen Teil die Erstbesetzung von Stuttgart gecastet, wobei Marc Clear, der die Rolle des Athos übernahm, gleichzeitig Regie führte.
Er hatte einige Szenen verändert und ein wichtiges Anliegen war für ihn, die Persönlichkeitsentwicklung, das, was in den Figuren des Stücks vorgeht, deutlicher zu machen, was allgemein als eine Aufwertung des Stückes erlebt wird. Yngve Gasoy Romdal (Kardinal) und Femke Soetenga (Lady de Winter) wurden ihren Rollen mehr als gerecht und begeisterten mit ihrer Leidenschaft das Publikum.

Wir haben die vorletzte Vorstellung am 21. August besucht und können nur zustimmen. Marc Clear hatte sich selbst übertroffen. Seine Änderungen in den Dialogen, seine ganz eigene Umsetzung einzelner Szenen hatte wirklich mehr Tiefe in die Charaktere gebracht...Thomas Hohler war brillant, er lebte seine Rolle, stimmlich und schauspielerisch perfekt, seine Trauer und Ergriffenheit zog uns mit. Marc Clear gab auch Athos mehr Raum, die Beziehung zu Milady de Winter bekam mehr Dramatik...sie stürzte sich am Ende in ein Messer, das Athos ihr reichen wollte...und so wurde sein tiefer Schmerz, seine Trauer einer der großen tragischen Momente, die berührten...
Die Kämpfe waren sehr mitreißend und forderten alles von den Darstellern.
Yngves Rolle des Kardinals war anders angelegt als man gewohnt ist...weniger arrogante Überheblichkeit, mehr Emotion und Stimmungen in Mimik und Stimme. Er kreierte seinen ganz eigenen Kardinal und dies perfekt...das war auch die einzige gangbare Möglichkeit, nach den beeindruckenden Vorgaben von Ethan Freeman und Uwe Kröger...
Ungewöhnlich und überwältigend die Umsetzung des Songs "Nicht aus Stein", ein stilisierter Scheiterhaufen, an den der Kardinal  im Verlauf dieser Vision festgebunden wurde, dunkle fackeltragende Mönche...die Kostüme der zukünftigen Kriegsopfer, deren rote (blutige) Stoffbahnen den Scheiterhaufen wie Flammen umzüngelten...Yngve verkörperte sehr emotional und authentisch die Seelenqual des Kardinals, der sich mit seinen Ängsten und inneren Konflikten konfrontiert sieht und sich bis zum Schluss der Szene weigert diesen ins Auge zu sehen...ergreifend und bedrohlich...
Sehr sehenswert...gerne hätten wir die Vorstellung ein zweites Mal besucht...

Zum Anfang der Seite
 

Die Letzten fünf Jahre (Original-Titel: The last five Years)
Musik und Text: Jason Robert Brown
Uraufführung: 2001 in Chicago, März 2002 in London
Deutschlandpremiere: 18. Juli 2005 in Wuppertal
Deutsche Übersetzung: Wolfgang Adenberg

Stück über eine Beziehung, die mit einer großen Liebe beginnt und mit Trennung und Einsamkeit endet. Allerdings erzählt jeder der beiden Partner die Geschichte in einer anderen zeitlichen Richtung. Ein einziges Mal treffen sich die Handlungsstränge, bei der Hochzeit der beiden.
14 Songs begleiten die 5 Jahre im Leben von Cathy und Jamie…die beide abwechselnd interpretieren. Wir erleben zu Beginn den Moment, als Cathy den Abschiedsbrief findet und realisiert, dass sie alleine ist…dass der Mensch, auf den sie ihr Leben immer mehr aufgebaut hat, letztendlich resigniert gegangen ist und im gleichen Atemzug fast überrennt uns die überschwengliche Verliebtheit Jamies, der die Göttin seines Lebens gefunden hat…
Wir folgen seinen beruflichen Erfolgen als Autor, seiner wachsenden Popularität, die mit Verpflichtungen zu Auftritten, Lesungen und auch Partys verbunden ist, im Gegenzug der der wachsenden Resignation Cathys, deren Erfolg als Sängerin und Schauspielerin ausbleibt, die von einem Casting zu anderen fährt und immer werden die wirklich guten Rollen an andere vergeben. Wir erleben wie sie ihn und seine Kreativität, seine Art sich in sich zu versenken beim Schreiben zuerst unendlich bewundert und im Licht seines Erfolges ein Stück Wertigkeit für sich sucht. Und wir verstehen sie…aber auch ihn, der darunter leidet, dass sie schweigt, nicht mehr mit ihm zu Partys, Treffen geht…und der verzweifelt versucht sich der eindeutigen Angebote seiner Bewunderinnen zu entziehen…der sich schuldig fühlt für seinen eigenen Erfolg...
Es gab in Deutschland die Premiere mit Patrick Stanke als Jamie und Charlotte Heinke als Cathy. Von dieser Aufführung existiert auch eine sehr gute CD. Wir sahen im Oktober 2011 die Aufführung im kleinen Chemnitzer Kabarett-Keller mit Christian Alexander Müller und Joana Fee Würz als Cathy.
Es ist schwierig einen Standpunkt für oder gegen einen der beiden Personen einzunehmen. Man spürt als Zuschauer voller Mitgefühl wie sich langsam und schleichend eine Entfremdung zwischen den beiden entwickelt. Man ist hin und hergerissen zwischen momentaner extremer Schuldzuweisung, die im nächsten Moment verpufft und dem Wunsch die beiden würden über das reden, was sie wirklich fühlen, ehrlich sein und nicht das Wesentliche verschweigen mit dem Wunsch, der andere möge es trotzdem spüren…
Und jeder Außenstehende sieht so klar wie falsch es ist den anderen für das eigene Leben verantwortlich zu machen.

Fazit: Auch wenn die Fahrt nach Chemnitz sehr lang war, wir haben den Kurztrip nicht bereut…
Ein wirklich ungewöhnliches Stück, das vom Zuschauer ein gewisses Maß an Mitarbeit fordert, jedenfalls möchte ich es so ausdrücken. Der wechselnden Zeitrichtung zu folgen im Wechsel mit den Darstellern gelingt recht gut. Solange bis manchmal zwangsläufig der Partner präsent sein muss als Pendant, um eine Stimmung zu ergänzen...um die Emotionen und Gedanken im Positiven wie im Negativen in der Beziehung noch tiefer fühlbar werden zu lassen. Dies wird dann meist durch einfaches Anwesend-Sein und schweigsame Blicke sehr berührend fühlbar oder durch eine kurze Interaktion…
Ein Stück, das sehr berührt, das schmunzeln lässt, in dem sich sicher jeder von uns irgendwo in vereinzelten Aspekten oder Sehnsüchten wieder finden kann. Wir erlebten zwei sensible Künstler, die sich in die wechselnden Stimmungen fallen ließen, stimmgewaltig und ausdrucksstark...und eine leidenschaftliche, hörenswerte Band.
Sehr empfehlenswert.

Zum Anfang der Seite
 

Die Päpstin
Text und Music: Dennis Martin
Uraufführung: : 3. Juni 2011, Fulda, Schloss-Theater
Buchvorlage: Donna W. Cross

Die Handlung beginnt im Jahre 814 n.Chr.
Das Mädchen Johanna wird als Tochter eines fanatisch christlichen Dorfpfarrers und einer heidnischen Mutter geboren. Einer ihrer Brüder, der an Fieber verstarb lehrte sie Schreiben und Lesen. In einer Zeit in der geistige Fähigkeiten Frauen abgesprochen wurden und die Frau als minderwertig und rechtlos betrachtet wurde, bekommt Johanna die Gelegenheit von Eskulapius ihrem späteren Mentor an der Domschule zu Dorstadt aufgenommen zu werden. Ihrem Bruder weit überlegen und allen Erniedrigungen der männlichen Mitschüler zum trotz reift sie zu einer gebildeten jungen Frau heran. Zwischen ihrem Ziehvater, dem Markgraf und kaiserliche Heerführer Gerold und ihr entwickelt sich eine tiefe Liebe, sind sie sich in ihrem Denken, ihrer Neugierde und Gerechtigkeitsempfinden doch recht ähnlich. Doch Gerold muss mit seinen Truppen in den Krieg ziehen und auch Eskulapius wird nach Rom an die Seite des Papstes beordert. Gerolds Frau nutzt die Zeit um Johanna mit dem Sohn des Hufschmieds zu verheiraten und macht Johanna Glauben Gerold hätte sie betrogen und nie geliebt. Während der Trauungszeremonie fällt eine Horde Normannen in die Kirche ein und metzelt alle Anwesenden nieder. Nur Johanna überlebt versteckt unter dem Altar. In ihr reift der Entschluss Dorstadt zu verlassen.
In ihrer Not entscheidet sie sich zu einem folgenschweren Schritt, kleidet sich in das Gewand ihres toten Bruders und schneidet ihre Haare ab. Von nun an existiert keine Johanna mehr, sie ist „Johannes“. Und dann macht sie sich auf zum Kloster von Fulda. Dort findet sie Aufnahme und verbringt dort Jahre. Sie studiert und übersetzt griechische Schriften, beschäftigt sich mit Philosophie...erwirbt sich Wissen über Kräuter- und Heilkunde. Während die männlichen Novizen auch dort „Johannes“ abweisend behandeln und ihre Studien argwöhnisch betrachten, unterstützt der Abt Rabanus die moderne, kritische Denkweise und fördert sie. Doch leider kommt durch Zufall Johannas Vater nach Fulda, glaubt seinen Sohn wieder gefunden zu haben und muss erkennen, dass er seine Tochter vor sich hat. Hasserfüllt und außer sich vor „heiligem Zorn“ erleidet er (Gott sei Dank) einen Herzanfall und verstirbt. Rabanus sieht das Geschehnis und verbündet sich mit Johanna, schickt sie aber zu ihrer eigenen Sicherheit fort. Johanna flieht nach Rom...und macht sich als Arzt einen Namen. Sie leidet unter ihrem Geheimnis und lebt ständig in der Furcht entlarvt zu werden.
Eskulapius entdeckt sie und gibt ihr den Auftrag, den schon lange dahinsiechenden Papst Sergius zu heilen. Sehr zum Leidwesen von Arsenius und seinem Sohn Anastasius, dem Johanna bekannt vorkommt, da er sie für die Aufnahme in der Domschule geprüft hatte, der aber nicht mehr weiß wo er den jungen Mann schon gesehen hat. Der Kriegszug gegen Rom war gescheitert, da Gerold Kaiser Lothar überzeugen konnte, dieses waghalsige Unterfangen zu unterlassen. Und so sind beide nach Rom zurückgekehrt, allerdings hat Anastasius nun den Rang eines Kardinals inne.
Als sich dann doch Kaiser Lothar durch den Einfluss Anastasius entschließt, gegen Rom zu ziehen, hat Johanna eine Idee. Sie lässt durch eine Seil-Konstruktion von Geisterhand auf ein Klatschen des Papstes die großen Tore des Lateranpalastes öffnen und schließen. Der Soldaten werfen sich nieder ob dieses Wunders und so muss Lothar Sergius anerkennen. Gerold erkennt die Konstruktion wieder und ist glücklich und gleichsam entsetzt seine Geliebte in dieser Verkleidung wieder zu finden. Beide lassen ihre Liebe neu beginnen...
In Rom regiert auch noch eine andere Macht...Marioza, eine Kurtisane und Inhaberin eines Bordells, die in ihren heiligen Hallen beim Liebesspiel mit den hohen Herren der Politik ihre Fäden zieht. Während Johanna sich als Ratgeber des Papstes große Sympathie beim Volk erwirbt und als Arzt immer beliebter wird, plant man sie raffiniert auszuschalten. Gleichzeitig lässt Arsenius den Papst durch seinen Mundschenk vergiften. Marioza ruft Johanna zu sich und bringt sie vor Zeugen in eine diffamierende Situation. Johanna wird ergriffen und in den Kerker gesperrt.
Während sie sich ihres ausweglosen und schmerzvollen Lebens ohne wirkliches Glück und Geborgenheit bewusst wird, wählt die Kurie sie zum neuen Papst. Hin und her gerissen, zuerst völlig aus der Balance erkennt sie für sich diesen Weg als ihre Bestimmung und ist bereit für ein höheres Ziel ihre Liebe zu opfern. Gerold ist verzweifelt, aber bereit weiter ihre Liebe im Geheimen zu leben.
Die Lage spitzt sich zu, als Johanna erkennt, dass sie schwanger ist...wissend, dass sie dies nicht mehr lange verbergen kann will sie mit Gerold nach der Osterprozession fliehen. Doch die Schwangerschaft scheint ihre Gesundheit anzugreifen, sie wirkt schwach und erschöpft bei der Prozession. Anastasius will den Papstthron an diesem Tag mit Gewalt an sich reißen. Er lässt Gerold auf offener Straße ermorden. Johanna, die diese Tat mit ansehen muss, bricht zusammen und erleidet eine Fehlgeburt. Dem Tode geweiht gibt sie ihre wahre Identität allen Anwesenden preis. Nun endlich fühlt sie sich frei...Eskulapius, der auch gleichzeitig die Rolle des Kommentators inne hat, gibt in sanften Worten weiter, dass Johanna nicht verurteilt wird, sondern ihre Persönlichkeit und ihre Werke immer im Gedächtnis des Volkes bleiben und sie anerkannt und geliebt wird.

Ich möchte mich fast für die lange Ausführung entschuldigen, aber selbst hier habe ich auf Einzelheiten verzichtet, die mir persönlich wichtig sind. Die beiden Raben als Götterboten der heidnischen Welt, die als Beschützer in Notsituationen immer anwesend waren, ebenso wie die heilige Katharina, eine Frau, die ihrer Zeit voraus war, da sie Bildung und Heilkünste besaß.
Die Geschichte des Musicals zeigt einen Balanceakt, den so manche Frau in der Geschichte leben musste...wieviele Forscherinnen und Künstlerinnen haben unter männlichen Pseudonym ihre Werke veröffentlichen müssen...konnten nur insgeheim ihre Fähigkeiten entfalten. Es ist sicherlich immer eine Geschichte von innerem und äußerem Kampf, Einsamkeit und Verzicht...
Das Musical lebt durch ergreifende, wunderbare Balladen, durch gegensätzliche Charaktere und deren Konfrontation. Es hat Spannung und es hat Soli und Duette, die zutiefst berühren.
In Fulda sahen wir eine Cast, die ausnahmslos mit Leidenschaft spielte und sang. Eine grandiose Sabrina Weckerlin als Johanna, diesmal einen leidenschaftlichen Mathias Edenborn als Gerold und einen abstoßend arroganten und machtbesessenen Anastasius von Niklas-Philipp Gertl verkörpert.
Dazu ein imposantes, wandlungsfähiges und äußerst stimmungsvolles Bühnenbild, das man sicher besser nicht hätte konstruieren und entwerfen können. Christoph Weyers, der auch die Bühnengestaltung in Magdeburg zu „Die Schöne und das Biest“ übernommen hatte ist in dem Bereich sicher ein Name, den man sich merken sollte.
Es ist sicher schwierig die umfassende Handlung, die inneren Vorgänge und den historischen Hintergrund in ein knapp 3-stündiges Musical zu packen, von daher wurden im 2. Akt einige größere Zeitsprünge untergebracht...ob man dies besser hätte lösen können, sei dahingestellt.
Das einzige, was ich als Kritik anbringen kann sind die Ensemble-Nummern. Sie waren zu sehr im Kontrast zu den anderen Szenen und wurden dem Ernst des Stückes und der Thematik nicht gerecht. Mich persönlich erinnerten sie in ihrer Choreographie persönlich eher an Revue-Nummern. Insgesamt wurde man aus der Grundstimmung völlig herausgelöst und benötigte einige Zeit um wieder einzutauchen in den Schmerz und die Einsamkeit von Johannas Schicksal. Vielleicht hätte eine andere Beleuchtung dort etwas bewirken können.
Aus diesem Grund habe ich dieses Musical nicht unter meiner Kategorie „Drama-Musicals“ aufgeführt. So intensiv und ergreifend dieses Stück auch ist, es ist für mich insgesamt nicht in Augenhöhe mit „Les Miserables“, „Marie-Antoinette“, „Miss Saigon“ etc. zu sehen. Aber es ist beeindruckend und sehenswert. In dem einen Jahr seit der Uraufführung in Fulda hat man vereinzelte Szenen überarbeitet und mit kleinen Veränderungen und einer deutlicheren Konfrontation zwischen Johanna, Gerold und Äskulapius als Verbündete und Anastasius mehr Spannung geschaffen...sehr gut...
Aufgrund des großen Erfolgs wurde 2012 das Stück erneut in Fulda und anschließend in Hameln aufgeführt (Sabrina Weckerlin verkörperte erneut die Hauptrolle).
Und auch dieses Jahr stand es ein drittes Mal auf dem Spielplan in Fulda und wird ab September dann in Hameln und in München zu sehen sein, auch dieses Jahr hat Sabrina die Hauptrolle übernommen. Und auch 2014 wird das Stück in Fulda aufgeführt...

Zum Anfang der Seite
 

Friedrich
Text: Dennis Martin, Wolfgang Adenberg, Christoph Jilo
Musik: Dennis Martin, Marc Schubring
Uraufführung: 1. Juni, Metropolishalle Potsdam
Produzent des Musicals um den Preußenkönig Friedrich den Großen ist die Spotlight Musicalproduktion GmbH aus Fulda. Zum ersten Mal machte die Gruppe 2003 mit dem Musical „Bonifatius“ von sich reden, das in Fulda und Bremen erfolgreich aufgeführt wurde. Friedrich ist nach „Elisabeth-Legende einer Heiligen“ und „Die Päpstin“ ein neues interessantes Stück. Das Leben von Friedrich des Großen bietet in seiner Tragik viel Tiefe, geradezu geschaffen für ein Musical. Das Stück fand in der Metropolis-Halle vor dem Filmpark Babelsberg statt. Eine recht ungewöhnliche und gewöhnungsbedürftige Location, die nicht der Weisheit letzter Schluss sein dürfte. Die Kulisse war sehr reduziert, was die Aufmerksamkeit auf die Darsteller richtete und die Hintergründe wurde auf die hintere Leinwand projiziert, was jedoch durch eine sensible Auswahl von Motiven wie Schloss Sanssoucis oder z. B. einstürzende Mauern oder vorüberziehende dunkle Gewitterwolken, welche die Stimmung der einzelnen Szenen wunderbar unterstützte, absolut kein Manko war. Eine überdimensionale Marionette einer Soldatenuniform wurde symbolisch verständlich eingesetzt wenn es um den besessenen und ungebremsten Geltungsdrang Friedrich und den selbstmörderischen Zwang ging sich und unzählige Soldaten in ausweglose Schlachten zu stürzen. Während bisher in der Öffentlichkeit sicherlich mehr die Beliebtheit Friedrichs, des „alten Fritz“ im Vordergrund steht, so macht das Stück auf sehr ergreifende Weise deutlich, welche zerrissene und gequälte Seele hinter der Oberfläche verborgen war.
Handlung:
Missbraucht von einem Vater Friedrich Wilhelm I., dessen Selbstverständnis davon wie ein Mann zu sein hatte Galaxien weit entfernt ist von Friedrichs Feingeist und Sensibilität, schafft es Friedrich nur durch seine Intelligenz und seinen Spott sowie gelebte Aufsässigkeit möglich zu überleben.
Unterstützt wird er von seiner Mutter die ihre Liebe zur Schönheit, zur Musik, Kunst und Lyric ihrem Sohn vererbt hat. Friedrich genießt es Flöte zu spielen und sich in Träumen von einer besseren Zukunft zu verlieren. Sein Vater hingegen verlangt militärischen Drill, Disziplin und Gehorsam, das Erlernen der Kriegskunst und verabscheut geistige und künstlerische, sinnliche Vergnügungen. Friedrich bekommt in dem gebildeten und musisch interessierten Leutnant Hans Hermann von Katte einen engen Verbündeten, als dieser von seinem Vater vertrauensvoll ausgewählt wird dessen Ausbildung zum Soldaten zu übernehmen ohne Rücksicht auf dessen Herkunft. Am Hof von Sachsenkönig August des Starken lernen Friedrich und seine ebenso musikalische Schwester Wilhelmine dann zum Missfallen seines Vaters einen kulturbegeisterten Hofstaat kennen. Zum ersten Mal erfährt er die Anerkennung, die ihm sein ganzes bisheriges Leben verwehrt blieb, er erlebt die Freuden der körperlichen Liebe in einer Liason mit der jungen Gräfin Orczelska, einer der Mätressen des Königs. Einmal mehr empfindet er nach diesem Kontrast die Tyrannei seines Vaters am heimischen Hof unerträglich, ebenso wie seine Schwester, die jedoch für sich keine Möglichkeit sieht zu entfliehen. Der Konflikt eskaliert und Friedrich Wilhelm prügelt seinen Sohn vor den Augen der Soldaten fast zu Tode. Friedrich selbst sieht keinen anderen Ausweg mehr als nachts zu fliehen und gewinnt Katte dazu ihn bei der Flucht zu begleiten. Wilhelmine erfährt dies und verlangt, dass man sie mitnimmt. Noch während Katte mit Wilhelmine über den Plan streitet ist er entdeckt und Friedrich wird ergriffen und in den Kerker gesperrt. Für seinen Vater ist dies Hochverrat und Desertation und er spielt im ersten Zorn mit dem Gedanken seinen Sohn hinrichten zu lassen. Doch die Einsicht, dass dies nicht möglich ist lässt ihn zu einem unglaublichen Mittel greifen, den eigenen Sohn zu brechen. Er lässt Katte, dessen Mitwisserschaft durch die Mithilfe des intriganten Ministers Grumbkow aufgedeckt wird, zum Tode verurteilen und Friedrich wird von Soldaten gezwungen den Tod seines Freundes vom Gefängnisfenster aus anzusehen. Er selbst wird zur Festungshaft in Küstrin verurteilt. Die gesamte entwürdigende, gewalttätige Kindheit sowie das traumatische Erlebnis der Hinrichtung prägen in Folge die gesamten Entscheidungen und Handlungen Friedrichs. Auf der einen Seite erbaut er sich als König einen Rückzugsort…Schloss und Park Sanssoucis, ein Begriff, der „ohne Sorgen“ bedeutet und umgibt sich dort als geistreicher Gastgeber mit den Künstlern und Philosophen seines Jahrhunderts. Jedoch ist das, wie das Stück es interpretiert, eine selbst erschaffene Illusion, denn wirkliche Kritik oder Tiefe ließ er nicht zu…
Der andere getriebene Teil in ihm steigt unbemerkt für ihn selbst an die Oberfläche, verleugnet die ursprünglichen hohen Ideale und sucht unablässig die nie erhaltene Anerkennung seines toten Vaters. Er lebt das, was er immer verachtet hatte. Dieser Teil ist süchtig nach Ruhm und bereit sich selbst und unzählige Soldatenleben in nahezu aussichtslosen Kriegssituationen zu opfern ohne jedoch je den Frieden oder die Erlösung zu finden, den oder die er sich vielleicht erhoffte…Während er weltoffen und mit Visionen seine ersten Regierungsjahre beginnt so verändert er sich im Laufe der Zeit und Verbitterung und Zynismus nehmen immer mehr Raum ein…
Im Musical Friedrich lässt man diesen kurz vor seinem Tod sein Leben Revue passieren lassen, mit dem Wunsch nur die erfolgreichen und positiven Aspekte sehen zu wollen, während Leutnant Katte als Gewissen und Freund ihm immer wieder den Spiegel vorhält und ihn dazu bewegt mit den Tatsachen, sprich sich selbst und seinen Motiven ins Gesicht zu sehen und mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.
Unabhängig davon gab es durchaus positive politische Entscheidungen Friedrichs wie die Abschaffung der Folter, er unternahm den Versuch die Leibeigenschaft abzuschaffen, er gründete die königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, er ordnete den Kartoffelanbau an…
Definitiv Musical, das Stoff zur Diskussion bietet und tief berührt. Wenn auch die Musik nicht im Ohr bleibt so doch die Inhalte. Die Musik ist den Stimmungen angepasst, hat sehr emotionale und dramatische Balladen ebenso wie Stücke, die ausgelassen sind…Gewöhnungsbedürftig aber aussagekräftig zum Beispiel „Bienvenue in Sanssoucis“. Leider erlebten wir nicht Chris Murray als Friedrich sondern Petter Bjällö, der sich sehr bemühte und auch eine kraftvolle Stimme hatte. Ich hätte Chris, der eine Rolle geradezu lebt, vorgezogen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Tobias Bieri war ein rebellischer Sohn, der eine glaubhafte Entwicklung vollzog. Als sich seine Schwester in Katte verliebte, was ihm nicht gefiel, spürte man schon eine leise unterschwellig lauernde herrische Seite…
Elisabeth Hübert war eine liebenswerte und lebensfrohe Schwester, die leider vergebens versuchte ihrem Bruder bei einem Besuch in Sanssoucis den Spiegel vor Augen halten. 2014 wird dieses Stück in Fulda zu sehen sein.
Fazit…ein Musical, das lohnenswert ist…!

Zum Anfang der Seite
 

High Fidelity
Abschlussprojekt der 4. Klasse 2010 der Folkwang Universität der Künste in Essen.
Nach einem Roman von Nick Hornby, Deutsche Erstaufführung.
Da dieser Roman bzw. die Filmkomödie bzw. Musical Inszenierung (Uraufführung am Broadway 2006) sicherlich weniger bekannt ist, füge ich hier die Kurzbeschreibung des Inhalts aus dem Programm ein:
"Rob ist um die dreißig, Betreiber eines schlecht laufenden Plattenladens – und gerade von seiner Freundin Laura verlassen worden.
Endlich kann er seine Plattensammlung neu sortieren. Aber was kommt danach? Mit einer Auswahl seelentröstender Songs resümiert er über die Top 5 seiner schmerzhaftesten Trennungen und gerät darüber in eine Sinnkrise. Seine Lebensumstände, sein wenig abwechslungsreicher Alltag im Plattenladen mit nervenden Kunden, seine anstrengenden Mitarbeiter und Freunde, der stille Kassierer Dick und der cholerische Barry – all dies erscheint ihm sinnlos und überflüssig. Einzig die Bekanntschaft zu der Songwriterin Marie LaSalle ist ihm ein kleiner Lichtblick.
Um die Ursachen seines Unglücks zu ergründen, entschließt sich Rob, nach Jahren seine Ex-Freundinnen wieder aufzusuchen. Schließlich muss er sich der Frage stellen, ob es nicht an der Zeit ist, endlich erwachsen zu werden."

Dieses Musical wurde im Juni 2010 in einer vom Publikum und Medien hochgelobten Inszenierung auf die Bühne des Essener Rathaus-Theaters gebracht. Eine Empfehlung machte mich darauf aufmerksam und die Informationen auf der Theaterseite machte nicht nur mich neugierig.
Wir besuchten zu viert die Aufführung ohne den genauen Inhalt zu kennen und der Eindruck war übereinstimmend. Eine mitreißende, witzige, einfühlsame und ideenreiche Inszenierung.
Die jungen Nachwuchskünstler waren mit immenser Spielfreude dabei und überzeugten ausnahmslos mit schauspielerischem und stimmlichem Können. David Jakobs beeindruckte in der Hauptrolle des Plattenladenbesitzers Rob. Er überzeugte im Dialog mit den Zuschauern und ließ den Funken schon in den ersten Minuten überspringen…das Publikum folgte willig seinen ambivalenten, schwankenden Gefühlen, seiner Selbstanalyse und den amüsanten Kurzschlusshandlungen…
Ebenso authentisch spielten Andreas Schneider als cholerischer Barry und Andreas Bongartz als depressiver, schüchterner Dick zwei wunderbar gegensätzliche miteinander agierende Charaktere.
Sascha Kurth übernahm die Rolle des Seelentrösters und neuen Lovers Ian als ein perfektes Klischee, die Verkörperung sämtlicher Vorurteile die über New Age und Esoterik je existiert haben.
Bei den Frauen war Stefanie Köhm herauszuheben als Robs (Ex-)Freundin Laura, auch sie war in ihrer Rolle und überzeugte völlig durch sensiblen Ausdruck und kraftvoller Stimme, wie auch ihre Kollegin Marissa Möller als teilweise sehr resolute und unangenehm ehrliche Liz, eine Freundin der Entzweiten…Auch die Nebendarsteller wurden mit Liebe in Szene gesetzt und unterstützten die Handlung mit ihrer guten Darstellung.
Die Umsetzung der Szenen gelang mit recht einfachen aber sehr wirkungsvollen Mitteln (z. B. ständiger Wechsel zwischen Robs Wohnung und dem Plattenladen), eine Herausforderung dabei waren zweifellos die immer wieder eingeschobenen gespielten Szenen der Vergangenheit, Erinnerungen, sowie Robs Tagträume…perfekt. Ein spezielles Highlight war sicherlich die Szene, in der Ian Rob im Plattenladen aufsucht und ihm in sanfter und zwischen den Zeilen herablassender Weise erklärt, wie Rob sich als respektvoller Verlassener zu verhalten hätte, sprich die zig Anrufe und SMS unterlassen etc.
frei nach dem Motto..."Schön, dass wir drüber gesprochen haben..."
Die Gefühle Robs, die in dieser Szene (verständlich für alle Anwesenden) eher als Mordlust zu bezeichnen sind denn als Annahme, äußern sich in gespielten Phantasien, in denen er mit Hilfe seiner beiden Mitarbeiter verschiedene Stilrichtungen der Tötung Ians durchführt.
Immer wieder wird an den Anfang der Szene zurückgespult um eine andere Variante durchzuziehen, ob in James Bond Manier, ob als gewaltbereite Rapper...niemand im Publikum entkommt diesem starken Angriff auf das Zwerchfell...
Auch wenn die gesamten Szenen in Verbindung mit der spritzigen, pointierten und feinfühligen Übersetzung des Musicals den Touch einer Comedy hatten und zu Bauchmuskelkater im Publikum führten, so war gleichzeitig immer Mitgefühl und Anteilnahme an den Geschehnissen zu spüren…Beispielsweise war bei Robs Solo im Anschluss an die Beerdigung von Lauras Vater (in welchem er das erste Mal wirklich Verantwortung zeigt, sehr ehrlich und ernst seine Gedanken und Gefühle beschreibt) kein Atemzug im Publikum zu hören, das Sekunden vorher noch von Lachen geschüttelt war. So muss es sein. Alles in allem ist es sehr schade, dass diese Inszenierung mit eben diesen Jungdarstellern eine so kurze Spielzeit hatte. In dieser Qualität wäre es durchaus möglich in unterschiedlichen Städten in kleineren Theatern aufzutreten. Wobei der Eintritt ohne Probleme ein ganzes Stück erhöht werden könnte.
Dementsprechend fanden die Standing Ovations im Anschluss kein Ende….zurecht...

Next to normal (Fast normal)
Next to Normal (Fast normal)
Text: Brian Yorkey
Musik: Tom Kitt
Uraufführung: 15. April 2009 am Broadway im Booth Theatre
Off-Broadway-Debüt 2008, vorab gab es einigeWorkshop-Aufführungen unter dem Original-Titel
Deutsche Übersetzung: Titus Hoffmann
Deutschlandpremiere: 11. Oktober 2013 im Stadttheater Fürth

Man besucht nicht unbedingt oft ein Musical, dass so im Hier und Jetzt verhaftet ist wie dieses Stück. Man braucht dazu die innere Einstellung einen Abend verbringen zu wollen, der fordert, der uns tief in unseren Emotionen packt und nicht einfach abzuschütteln ist mit dem Verlassen des Theaters. Ein Abend der nachdenklich macht, uns in eine dramatische, bewegende Thematik führt und dabei gleichzeitig mehrere Aspekte hat, mit denen man abwechselnd in Resonanz geht.
Nicht umsonst wurde das Stück 2010 mit dem Pulitzerpreis für Drama ausgezeichnet.
Im Zentrum des 6-Personen-Stücks ist die Familie „Goodman“ (Der Name ist sehr symbolisch für die Vorstellungen und Erwartungen, die die Eltern versuchen zu leben), bestehend aus Diana (die Mutter), Dan (der Vater), Tochter Natalie und Gabriel (Gabe) Goodman, dem Sohn der Familie, der als Person immer präsent ist, aber im Alter von 8-Monaten verstarb. Gabe wäre im Jetzt ca. 17 Jahre alt. Beide Elternteile waren, als Diana unerwartet schwanger wurde, sehr jung und schlicht überfordert (Zitat „ein Kind mit einem Kind“). Dan schwor Diana immer an ihrer Seite zu sein, sie zu unterstützen und nie zu verlassen. Dann geschah das dramatische Unglück, als man im Krankenhaus einen Darmverschluss bei Gabe offensichtlich nicht erkannte. Dies wissen wir als Zuschauer jedoch nicht von Anfang an.
Die weiteren Charaktere des Stücks sind Henry, der Freund von Natalie und zwei Psychologen, die von ein und demselben Darsteller verkörpert wurden: Dr. Fin und Dr. Madden (schönes Wortspiel „mad“ = verrückt).

Handlung:
Wir als Zuschauer erfahren erst nach einiger Zeit, dass der ständig anwesende charismatische und fordernde junge Mann deren Sohn „Gabe“ ist, der nur von Diana gesehen wird und den sie in ihrem Kopf erschaffen hat. Das Unterbewusstsein sah dies als Schutzmöglichkeit, mit ihrer Schuld und dem Schmerz des Verlustes fertig zu werden.
Bei Diana hat sich aufgrund dessen eine bi-polare Störung (manische Depression) entwickelt. Dabei fallen die Betroffenen abrupt (auch abwechselnd) in extremste Gefühlszustände: Euphorisch, überaktiv, aufgedreht, lustvoll oder verzweifelt, ohnmächtig, in ein bodenloses Loch stürzend (und dann auch ansteigend suizid gefährdet). Dazwischen liegen Zeiten, in denen alles völlig normal zu sein scheint. Für den Betroffenen wie auch für die Umgebung ist es sehr schwer damit umzugehen und wir als Zuschauer leiden und kämpfen gemeinsam innerlich mit den Menschen auf der Bühne.
Im Jetzt wird klar…beide Elternteile und die Tochter Natalie (hochintelligent und sensibel) kämpfen ums Überleben auf unterschiedliche Weise. Dan und Diana halten sich an jeder neuen vorgeschlagenen Therapie über die Jahre wie an einem Strohhalm fest. Tochter Natalie hat nie Nähe und Zuwendung, Liebe von ihrer Mutter erfahren. Nach der Geburt konnte Diana sie nicht in ihren Arm nehmen. Sie sieht nur Gabe, rund um die Uhr nur Gabe. Ihre Tochter hat zwar mit ihr Dialoge, aber gegenüber deren Bedürfnisse und ihrem Hilfeschrei ist sie blind.
Natalies inneres Kind hat unendlich Sehnsucht nach Geborgenheit, Wahrnehmung, geliebt zu werden und zu lieben, aber ein Panzer umgibt sie. Sie flüchtet als Henry diesen zu durchdringen droht in Drogen und eine exzessive Lebensweise. Gott sei Dank gibt Henry nicht auf und kämpft um sie.
Eine Therapie folgte der Nächsten bei Diana über die Jahre und dies hat auch Dan zermürbt, der sie mit ganzer Kraft unterstützt und immer wieder, leider vergeblich, Hoffnung schöpft. Diana schluckt Dutzende Pillen verschiedenster Farbnuancen, die sie stabilisieren aber gefühllos, lethargisch machen oder aufputschen. Weil sie sich selbst nicht mehr fühlt, spült sie diese in einem verzweifelten Befreiungsakt die Toilette hinunter. Man versucht eine Hypnosetherapie (ohne Medikamente), jedoch ist der Erfolg nur kurz...Diana verübt einen Selbstmordversuch. Eine der letzten Hoffnungen ist eine Therapie, die sich Elektrokonvulsionstherapie nennt, bei der im Gehirn mittels Stromimpulsen Erinnerungen ausgelöscht werden. Nach anfänglicher heftiger Ablehnung fügt sich Diana. Sie kehrt nach Hause zurück und erkennt weder ihren Ehemann noch die Tochter. Alles ist verschwunden und wird mühsam durch Fotos und Erzählungen zu neuem Leben erweckt. Dan sieht eine Chance die Vergangenheit in einigen Teilen zu schönen, wartet jedoch mit der Erwähnung von Gabe, während Diana in sich dieses Ereignis als dunkle diffuse Anwesenheit spürt. Ihr wird immer unerträglicher wie langsam und tröpfelnd die Erinnerung zurückkommt. Sie fühlt man hat ihr das ganze vergangene Leben genommen, als wäre sie nicht existent. Auf eine unbedachte Bemerkung ihres Psychiaters Dr. Madden kommen mit erschreckender Gewalt Details betreffend Gabe in ihr wieder an die Oberfläche. Eine endgültige Auseinandersetzung mit Dan (der weiterkämpfen will, sei es nun mit Psychopharmaka o. a.) in der beide ihre Fassade fallen lassen müssen, folgt.
Diana trifft die Entscheidung ihn zu verlassen, weil sie für sich nur eine Chance sieht, wenn sie auf eigenen Füßen zu stehen versucht…sie fragt zurecht „Warum bleibst du noch bei mir? Warum bist du nicht längst gegangen?“
Dan hat sich selbst und die Idee/Sehnsucht nach einer „normalen“ Beziehung längst aufgegeben, klammert sich an sein damaliges Versprechen und hat niemals begonnen den Tod des Sohnes anzunehmen und nie wirklich getrauert. Dieser Kampf mit Diana ist scheinbar für ihn an die Stelle von Lebendigkeit getreten, auch wenn er daran zerbricht („Schleichender nur ist mein Suizid!“). Seine Flucht zeigt sich in seinem zwanghaften Versuch nach außen und innen die Fassade einer „normalen“ Familie aufrecht zu halten.

Alle Darsteller auf der Bühne bewegen zutiefst, führen durch sämtliche Emotionen, machen nachdenklich…über die Notwendigkeit oder Wirksamkeit von Psychopharmaka, über die Motive der Psychiatrie, über Schutzmechanismen der Seele, über das „Loslassen“, die Wichtigkeit sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren…
So transportiert Diana die ständigen Schwankungen ihrer Psyche, ihre Ängste, ihre Hoffnungen/Enttäuschung, absolut authentisch, beängstigend. Ich war ratlos und fühlte mich selbst fürchterlich ohnmächtig und traurig. Ein kurze ambivalente Erleichterung bieten die Momente, in denen sie versucht, mit Humor die Situation in der Familie zu überspielen.
Dan erzeugt ebenso ein sehr starkes Mitgefühl durch seinen Verdrängungsmechanismus, seine Weigerung sich die Binde von den Augen zu reißen und endlich ehrlich sein Inneres anzusehen, die Vergangenheit und das Jetzt zu verarbeiten. Durch den dunklen Tunnel ans Licht. Er ist gewollt recht unscheinbar am Anfang, gewinnt aber zunehmend an Präsenz. Natalie fesselt extrem in den leisen Szenen und in ihren verzweifelten Fluchtversuchen vor sich selbst und vor Henry. Eine sehr berührende und auch befreiende Szene ist die Annäherung zwischen ihr und ihrer Mutter am Ende...die ehrliche Offenheit durch die beide sogar Gemeinsamkeiten entdecken können und einen zarten Neuanfang wagen ("Fast normal")
Gabe ist sehr unangenehm präsent. Er ist nahezu immer offensiv fordernd seiner Mutter gegenüber, er will unbedingt gesehen werden. Er weiß, dass er sie zerstört und gleichzeitig ihr Halt ist. Und er versucht sie zu sich zu ziehen, in eine vermeintliche Freiheit eines Selbstmordes, als sie gerade einen Tiefpunkt erreicht hat. Phantastisch sein lockendes „Komm mit mir“ und das dominante und gleichzeitig womöglich auch angstvolle "Ich bin da".
Er verliert den Halt, wenn seine Mutter die Erinnerung an ihn verliert.
Als Dan alleine ist, alles Verdrängte nach oben steigt ist ein „Kampf“ mit Gabe unvermeidlich. Er nimmt ihn zum ersten Mal wahr und kann nicht entfliehen. In der Konsequenz trifft er die gute Entscheidung bei Dianas Psychiater (nach einem kurzen Zögern) sich seinen Schatten zu stellen.
Die Psychiater transportieren die wissenschaftlich interessierte Seite, die den Patienten als "Fall" betrachtet, den man lösen will wie auch an anderer Stelle menschliche Ratlosigkeit und angedeutetes Mitgefühl. sitzt.
Natalies Freund Henry ist ein sympathischer junger Mann, der sensibel, intelligent und locker flockig rüberkommt (und manchmal kifft). Er entwickelt sich deutlich in seiner Fürsorge und seinem Engagement für Natalie zu einem reifen jungen Mann, der aus Liebe nicht aufgibt, sie retten zu wollen. Beide sind ein sehr schönes Paar und man freu sich, dass sie nach dem Gespräch mit ihrer Mutter bereit ist sich auf ihn einzulassen...und einen ersten Schritt geht.

Das Ende befreit das Publikum ein ganzes Stück aus einer immensen Anspannung, die im Laufe des Stückes immer stärker wurde. Man kann durchatmen, ist befreit und hat die Hoffnung, das zumindest bei einigen Charakteren an Licht am Ende des Tunnels erreicht ist/wird…
Das Publikum erlebt man danach entweder still im Gefühl des Stückes verhaftet oder mit einem starken Bedürfnis darüber zu reden...Absolut empfehlenswert.

Zum Anfang der Seite
 

Tarzan
Musik und Text: Phil Collins
Uraufführung: 10. Mai 2006 New York, Broadway
Deutschlandpremiere: 19. Oktober 2008 Hamburg, Neue Flora - Theater

Das Musical basiert auf dem Roman „Tarzan of the Apes“ von Edgar Rice Burroughs bzw. dem Disney-Zeichentrickfilm. Edgar Burroughs schrieb zahlreiche Fortsetzungen zu seinem Erstlingswerk
Ich habe die Vorstellung mit meinem Mann zweimal besucht mit jeweils unterschiedlicher Cast und einem starken Qualitätsunterschied…aber dazu später.

Tarzan ist ein Musical, das zwei sich ergänzende Komponenten hat.
Zum einen die Choreographie…An "Lianen" vollzogen die Darsteller der Gorilla-Sippe fast durchgehend akrobatische Turnübungen, über den Köpfen des Publikums schwingend bis zur Bühne. In dieser Kombination aus Sport, Ausdruck und Gesang war eine starke Ausdauer und körperliche Fitness unabdingbar. Eine herausragende Leistung ist in der Rolle des "Terk", dem besten Freund Tarzans, gefordert. Er ist ein Sympathieträger des Stücks, überaus quirlig, lässt Tarzan teilhaben an seinem großen Wissen, wie die Welt funktioniert, oder an wunderbaren philosophischen Ergüssen. Der Darsteller ist so gut wie ununterbrochen in Bewegung im Wechsel zwischen Bühne und Theaterraum, hat währenddessen kraftvolle Passagen zu singen und sehr viel Interaktion mit Tarzan. "Rommel Singson", den wir beide Male erleben konnte, erfüllte diesen Charakter mit Leben, mit einer Energie, die ans Übermenschliche grenzte.
In ihren Bewegungsabläufen war die gesamte Sippe sehr authentisch, sowohl in der Luft als auch am Boden, wobei zu den Proben auch Besuche im Zoo und direkte Studien durch intensive Beobachtung gehören. Alle Künstler waren mit immenser Spielfreude und Leidenschaft dabei.

Der zweite Aspekt des Musicals ist natürlich die Handlung. Diese hat im zweiten Akt ein ganzes Stück mehr Raum, was dem Stück auch gut bekommt:
Die Persönlichkeitsentwicklung Tarzans, der innere Konflikt, das intuitive Erfühlen der Wahrheit und die entstehende Liebe zwischen Jane und ihm…und auch der Drang mehr über die Menschen zu lernen, der dramatische Tod von Kershak, dem Silberrücken…die Entscheidung…

Das Zusammenspiel dieser zwei Seiten führten zu einem aktionsreichen Musical, dass aufgrund seiner Musik und seiner Power mitreißt und gleichzeitig das Herz öffnet und uns in eine andere Welt zieht. Wir können uns fallen lassen in intensive Emotionen in einer dezenten, unauffälligen Kulisse, die die Personen in den Mittelpunkt rückt.
Die Hauptcharaktere des Stückes sollten sensibel besetzt werden. Der Silberrücken Kershak ist einer der Rollen, mit denen das Stück steht und fällt. Um den bis zu seinem Tod andauernden Konflikt zwischen Tarzan und ihm (und dadurch auch zu Kala, seiner Gefährtin) fühlbar werden zu lassen, ist ein Darsteller ideal, der von sich aus schon eine kantigere Gesichtsform hat und nicht schmal ist. "Andreas Lichtenberger" erfüllte diese Kriterien mit Bravour. Seine Autorität, Entschlossenheit und auch Sturheit als Beschützer der Gruppe im Wechsel mit seiner versteckten Sanftheit und Zärtlichkeit war ergreifend. Es störte nicht im geringsten, dass das Gorillagebrüll aus der Retorte kam.
Kala, die Gefährtin, ist eine sehr mütterliche Figur, eine liebende "Frau", die Tarzan nach dem Verlust des eigenen Babys annimmt und sich mit ihm von der Gruppe zurückzieht, als Kershak die Entscheidung trifft den kleinen Jungen auszusetzen. Auch hier ist die durchaus ambivalente, aber harte Entscheidung Kershaks als Kontrast zu Kala wichtig die Spannung aufrecht zu erhalten und im Zuschauer einen Beschützerinstinkt zu wecken.
Die Rolle der Jane wurde komödiantisch angelegt, naiv und auf eine wunderbare Weise überzogen…z. B. in ihrer unermesslichen Freude ihre botanischen Kenntnisse in der Natur real verkörpert zu sehen.
In dieser Szene werden die überdimensionalen, sich öffnenden und schließenden Blüten, Raupen, exotische Falter von Menschen dargestellt….ein farbenfroher, schöner Schmetterling schwebt über dem Publikum.
Es ist ein ideenreich umgesetztes Farben- und Formenspiel, das den Zuschauer in das Erstaunen eines Kindes versetzt…
Ich denke, es wird zwei Arten von Zuschauern geben, die einen die diese Szene für abgrundtief kitschig und albern halten, die anderen die sich verzaubern lassen und von Janes Faszination mitgerissen werden. Die erste Begegnung der beiden, die ängstliche, verschämte Annäherung ihrerseits, seine übertriebene Kopie ihrer Worte…wunderbar…
Die Rettung vor der riesigen Plüschspinne…gewöhnungsbedürftig, aber herrlich durch ihre Panik und dezenten, unwirksamen Fluchtversuche und Selbstgespräche…
Elisabeth Lübbert verkörperte Jane perfekt…sie hatte die Lacher auf ihrer Seite und sicherlich 80 % des weiblichen Publikums teilten ihre Gefühle. Wenn man ehrlich ist, so findet man sich in vielen Aspekten von ihr wieder. Ich höre noch die Stimme in mir, die immer wieder schmunzelt und raunt "Das könnte ich sein".
Tarzan…bei ihm ist wichtig, dass ein starker Kontrast zwischen dem Kind und dem älteren Tarzan erkennbar ist. Das hört sich selbstverständlich an, ist aber auf der Bühne nicht grundsätzlich so, wie wir erleben konnten. Kurze Erklärung: Wir sahen bei unserem ersten Besuch einen hervorragenden David J. Boyd als Zweitbesetzung in der Rolle des Tarzan. Die Rolle des Kindes Tarzan spielte an dem Abend ein recht kleiner Junge, der in seiner Unschuld und Quirligkeit sehr authentisch war und uns berührte…Beim Übergang befindet sich der Junge im hinteren Teil der Bühne und verlässt diese nach hinten durch die Vegetation, während von vorne über das Publikum der ältere Tarzan heran schwingt und auf die Bühne läuft, die Position übernimmt. Der Größenunterschied war auffällig und der Stimmungswechsel perfekt. Wobei David Boyd über eine sehr angenehme warme Stimmfarbe verfügt und sehr ansehnlich ist (lächel).
Diesen optischen Eindruck hatte man bei Anton Zetterholm nicht, den wir bei der zweiten Vorstellung sahen.
Ein unglaubwürdiger, zu weicher Kershak (Peter Stassen) verhinderte schon zu Beginn einen Spannungsaufbau und als ich beim Wechsel zwischen beiden Tarzandarstellern kurz nicht hinschaute, habe ich erst auf den zweiten Blick erkannt, dass überhaupt ein Wechsel stattgefunden hatte…der Junge war zu groß und zu selbstständig….und so leid es mir tut, Anton wirkte als Tarzan sehr dünn trotz des immensen Trainings.
Zudem muss der Darsteller eine sehr intensive feine Mimik haben, da sich die gesamte Persönlichkeitsentwicklung zum weitaus größten Teil in den Augen, der Mimik abspielt (die tiefen Gefühle, der Weg zur Selbstfindung, die Neugierde und die Entscheidung sowie die wachsende Liebe und grenzenlose Wut/Trauer in der dramatischen Szene um Kershaks Tod) …
Da ist natürlich die Gefahr, dass sich eine gewisse Routine einschleicht und dieses Gefühl hatte man bei Anton, der sehr ausdruckslos war. Vielleicht eine Tagesverfassung, was zu hoffen wäre. Das unterscheidet dann den Profi von einem jungen Nachwuchskünstler…Zudem war seine Perücke zu groß, sodass,wenn er im Profil zu sehen war (und das war er meist), die Haarsträhnen das Gesicht verdeckten.

Die Essenz des ganzen Abends…ich bin immer noch begeistert, obwohl ich mit Skepsis nach Hamburg gefahren bin: Sehr viel Emotion und Aktion, Gänshautfeeling, ich hatte sehr oft Tränen in den Augen und der Bereich des Herzchakras wurde sehr weit…starke Anspannung bei den Interaktionen von Tarzan mit Clayton, dem Tierfänger…wunderbare amüsante Dialoge und komödiantische Passagen…
Ein Genuss.  

Zum Anfang der Seite
 

Wicked - die Hexen von Oz
Musik,Texte: Stephen Schwartz
Uraufführung: 2003 New York Broadway unCopyright Marion Sehr, Wicked Oberhausend San Francisco
Deutsche Uraufführung: 15. November 2007 Stuttgart, Palladium Theater
Deutsche Taxte: Michael Kunze, Ruth Deny

Die Romanvorlage für das Stück war "Wicked - The Life and Times of the Wicked Witch of the West" von Gregory Maguire. Ein Roman, der nicht als Kinderbuch gedacht war sondern sich an den erwachsenen Leser richtet.
Er liegt mit seiner Handlung zeitlich ein ganzes Stück vor dem bekannten "The Wizard of Oz", jene Geschichte, in dem es Dorothy durch einen Wirbelsturm in das geheimnisvolle Land OZ verschlägt...vielleicht erinnern sie sich noch an ihre Freunde den feigen Löwen, den Zinnmann ohne Herz und die Vogelscheuche, die so gerne Verstand hätte...und an die böse Hexe des Westens...
Wir erfahren alles über die anfängliche Feindschaft und das Zusammenwachsen in tiefer Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Hexen... Elphaba gerechtigkeitsliebend, kämpferisch, die aufgrund ihrer grünen Hautfarbe diskriminiert wird und Glinda, blond, verwöhnt, zickig, selbstverliebt...
Wir folgen ihrer dramatischen Geschichte, der Befreiung des Landes Oz von dem intriganten Zauberer, der Betrug und Manipulation ausübt um seine Macht zu sichern...
Eine Geschichte über Liebe, Freiheitskampf, falsche Werte und Toleranz, die beide Persönlichkeiten sehr verändert und sie erwachsen werden lässt...
Wir erleben ebenso, wie aus dem ignoranten, arroganten Egomanen und Gigolo Fiyero ein verantwortungsvoller, zu ehrlichen Gefühlen fähiger und entschlossener Kämpfer wird...
All dies führt uns dahin wo die Geschichte "The Wizard of Oz" (Der Zauberer von Oz) beginnt.
Wir begreifen woher der Löwe kommt, warum der Zinnmann kein Herz hat...
Wir erkennen in ihnen die Ergebnisse einer Macht, die nicht zerstören sondern retten wollte...
Beeindruckend die beiden weiblichen Hauptrollen Elphaba und Glinda. Lucy Scherer und Joana Fee Würz leisteten ganze Arbeit als Glinda. Ihre Rolle ist höchst anspruchsvoll, obwohl sie Leichtigkeit ausstrahlt. Die sich überschlagende Stimme, das schrille Quieken, wenn sie ihren Willen nicht bekommt, ihr gekünsteltes, narzisstisches Verhalten und ihr Gut-sein-Image, gleichzeitig die innere Wandlung, Zweifel, Schuldgefühle...ihre Eifersucht und Enttäuschung, als sich Fiyero immer mehr von ihr zurückzieht
...unnachahmlich...brillant...
Roberta Valentini und Willemijn Verkaik...als Elphaba unschlagbar...ihre anfängliche Schüchternheit, ihre Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe, dann ihre Entschlossenheit, ihre Kraft, ihre Magie...
überwältigend...
Fiyero...aus dieser kleineren Rolle kann man mit Sicherheit sehr viel herausarbeiten. Mark Seibert habe ich leider nicht genießen dürfen, ich befürchte, es ist mir da ein Erlebnis entgangen. Mathias Edenborn war als ich ihn zum ersten Mal erlebte schon in keiner Weise ausdrucksstark...
Im Juli 2010 in Oberhausen musste ich feststellen, dass sich nichts geändert hatte. Er spielte und sang annähernd ohne Leidenschaft, seine Mimik war dezent und seine Tanzeinlagen angespannt und nicht rollenkonform locker und lebenslustig...
Die romantischste Szene, in der die beiden Liebenden sich ihre Gefühle gestehen und vielleicht nur eine Nacht haben, bevor sie gefangen werden...eine Szene in der man als Zuschauer in intensive Emotionen eintauchen will, waren keine großen Gefühle zu spüren. Leider reicht es nicht, nur ein wenig Stimme zu haben...

Die Essenz ist jedoch, auf die weibliche Besetzung kommt es an und so kann ich nur sagen, lassen sie sich entführen in eine andere Welt...genießen sie den Zauber der grünen Smaragdstadt, lassen sie sich mitreißen als Kämpfer für eine gerechte Sache und stellen sie einmal mehr fest, manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie äußerlich erscheinen...


Zum Anfang der Seite

 

Galas

 

Sommernacht des MusicalsCopyright Marion Sehr, SDM Dinslaken
Immer wieder lohnt sich der Besuch des alljährlich seit 1998 stattfindenden „Fantastival“ im Freilichttheater Dinslaken. Kultcharakter hat inzwischen die „Sommernacht des Musicals“.
6 Musicaldarsteller (3 Damen, 3 Herren) gestalten einen knapp 3-stündigen Marathon. Und es ist für die meisten eine Ehre in dieser lockeren Atmosphäre auftreten zu dürfen, so liest man immer bekannte, hochkarätige Namen. Für 2010 hatten sich Patrick Stanke, Uwe Kröger, Lucy Scherer, Sabrina Weckerlin, Ana Milva Gomez und Serkan Kaya angesagt.
Man moderiert sich gegenseitig an, vergisst schon mal den Text, scherzt und albert miteinander…es ist eine herrliche Veranstaltung, die zeigt dass auch die Personen auf der Bühne „nur“ Menschen sind…allerdings bedeutet es trotzdem, dass die einzelnen Titel in der Regel mit guter Choreographie und glaubwürdig interpretiert werden...
Die Moderation übernimmt zumeist der Veranstalter Thomas Bauchrowitz mit einer sehr sympathischen, humorvollen, gewinnenden Art…und als „Vorgruppe“ treten meist Nachwuchskünstler auf, die in umliegenden Theatern eigene Stücke aufführen und geben eine Kostprobe…
Da die Sitzplätze nicht überdacht sind, sollte man regenfeste Kleidung dabei haben, denn Schirme sind während der Gala zurecht verboten. 2010 war dieses Event einmal mehr phantastisch...sogar Uwe Kröger, der von seiner Art her eigentlich nicht hierher passte (man war skeptisch),..fügte sich ein und alberte mit den Kollegen...
Ein Genuss...man sollte es mal erlebt haben. Sobald der Vorverkauf beginnt ist denn auch Eile angesagt, da die guten Tickets sehr schnell ausverkauft sind. 2016 werden Sabrina Weckerlin, Willemijn Verkaik, Patricia Meeden, Mark Seiber, Christian Alexander Müller und Andreas Bieber auf der Bühne stehen.

Zum Anfang der Seite
 

Musical-MasqueradeCopyright Marion Sehr, Musical-Masquerade 2012
2011 organisierte die Redaktion der Musical-Zeitung DaCapo ein außergewöhnliches Konzert, das aus dem Wunsch entstand, etwas zu machen, was noch nie da gewesen war, etwas ganz Neues. Und so kam man auf die Idee eine Gala auf die Beine zu stellen, bei der 6 Künstler anwesend sind. Zum einen 3 junge Talente, die gerade ihren Abschluss gemacht hatten oder dabei waren, Gewinner von Wettbewerben in dem Genre, talentierte Nachwuchskünstler. Zum anderen 3 gestandene "alte Hasen", die jedoch bis zum Ende der ersten Halbzeit des Konzertes unbekannt blieben und nur mit Maske und ggfs. mit Perücke "unkenntlich" gemacht wurden. Die Künstler traten einzeln auf oder in unterschiedlichen Duetten etc.. Die bekannten Personen durfte das Publikum durch ankreuzen der Namen auf einem vorgefertigten Wahlzettel erraten und der Gewinner wurde am Ende von einem der Prominenten gezogen und gewann 2 Musical-Tickets. Die Stimmen in der Redaktion waren wohl sehr geteilt, denn wer kauft Tickets schon 1 Jahr vorher zu einer Veranstaltung bei der man erst wenn man dort ist erfährt, wer überhaupt singt. Aber die Karten fanden reißenden Absatz und so geht diese Veranstaltung im Januar 2014 ins 4. Jahr. Sie findet jedes Jahr in Ibbenbüren statt in der "Schauburg". Ein schönes kleines Theater mit rot ausgestattetem Theatersaal.
Da in einer Ausgabe der Zeitschrift (meist im Sommer) 2 Seiten dieser Veranstaltung gewidmet sind, mit schwarzen Silhouetten des Kopfes der Personen sowie einigen ausgesiebten Informationen und einer kurzen Befragung einer der Dreien, sind Spekulationen Tür und Tor geöffnet...und die Vorfreude und Spannung.
Wir werden wie bisher auch 2014 wieder dabei sein. Jörg Beese, der Chefredakteur, machte eine Andeutung dieses Jahr, die sich immens gut anhört...ich denke man darf sich freuen.
2012 waren beispielsweise Felix Martin, Roberta Valentini und Veit Schäfermeier zu Gast.
Definitiv lohnt sich der Besuch...frei nach dem Motto "Lass dich überraschen....!" 2013 lag der Schwerpunkt ganz klar im Bereich Drama-Musicals, was mich immens gefreut hat. Man sollte allerdings die Flüssigkeitszufuhr vorher bremsen, da nur 2 Nun haben wir 2014 und die vierte Musical-Masquerade ist auch vorbei. Wieder einmal ein schöner Abend, der sich lohnte..."mystisch" und emotional. Wir genossen Maya Hakvoort, Rob Fowler und Kasper Holmboe. Zu den NAchwuchsskünstlern gehörten Jessica Rühle, Hermann Bedke sowie Sophie Revilla, die wir schon kannten, mit ihrer wunderbaren klassisch ausgebildeten Stimme. So langsam steigt die Nachfrage, denn mittlerweile scheint dieser Gala sich zu einer Kult-Veranstaltung zu mausern. Die nächste Gala findet am 10. Januar 2015 statt und bis Ende Januar diesen Jahres sind noch ermäßigte Tickets über eine Mail an die Dacapo-Redaktion zu bestellen.

Zum Anfang der Seite
 

Musical-Stars in Lohne
Seit 2013 findet in Lohne an einem Sommerabend die Benefiz-Gala "Musical-Stars in Lohne" statt...auf der dortigen Freilichtbühne. 2016 trafen sich Lucy Scherer, Beatrix Reiterer, Brigitte Oelke, Yngve Gasoy Romdal und Andreas Bieber. Moderiert wurde die Gala diesmal von Jörg Hammerschmidt, einem Imitator, der seinesgleichen sucht...
Der Einladung von Florian Hinxlage, selbst Musical-Darsteller und gebürtiger "Lohner" folgen seine Kollegen gerne. Und so verzichten sie auf einen großen Teil der Gage, mit der man (plus zusätzliche Spenden) eine wohltätige Organisation und auch die Freilichtbühne selbst fördert. Man genießt hier die Creme de la Creme der deutschen Musical-Szene in lockerem Rahmen. Okay...vielleicht ist es nicht unbedingt mit Dinslaken vergleichbar, aber es ist urig, die Sitzplätze sind wunderbar überdacht und Florian, seine Gäste und alle Beteiligten lieben das, was sie tun...man erlebt kraftvolle Stimmen, spannende und leise bewegende Musical-Songs und auch die Autogrammstunde danach geschieht ohne Hektik und Anspannung...und man tut quasi indirekt etwas Gutes...

 

Zum Anfang der Seite