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"Gute, wahre, echte Musik spiegelt die Abgründe und Frustrationen, die Leiden und Leidenschaften
der Menschen wieder und hebt sie auf eine andere Ebene."
Yehudi Menuhin (1916-1999 einer der größten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts)
 
Blutsbrüder (Bloodbrothers) Das Phantom der Oper Die Liebe stirbt nie Der Graf von Monte Christo
Elisabeth Jekyll & Hyde Les Miserables Marie-Antoinette
Miss Saigon Mozart Thrill me  
  
Blutsbrüder (Bloodbrothers)
Buch, Text und Musik: Will Russell
Uraufführung: 1983 in Liverpool
Deutschlandpremiere: 2007, Wilhelmshaven
Deutsche Texte: Michael Kunze

Die Handlung des Stücks spielt im Liverpool der 70ger Jahre
Das Stück erzählt die tragische Geschichte der beiden Zwillinge Mickey und Edward, die aufgrund von ungünstigen Lebensumständen getrennt werden, in gegensätzlichen sozialen Verhältnissen aufwachsen und deren Leben auf schicksalhafte Weise miteinander verknüpft bleibt bis zum gewaltsamen Tod, ging unter die Haut.
Es gibt eine sehr gute Zusammenfassung der Handlung auf einer empfehlenswerten und sehr kompetenten und informativen Musical-Seite, die ich Ihnen ans Herz legen kann. Aus dem Grunde verzichte ich darauf selbst etwas im Detail zu formulieren.
Link zu Musical-World: http://www.musical-world.de/theater/a-c/blutsbrueder/

Beeindruckend ist die Authentizität während des Erwachsen-werdens beider Brüder…es erfordert ein sensibles starkes schauspielerisches Talent sich mit solcher Hingabe in die kindliche Verhaltensweise (sie lernen sich im Alter von 7 Jahren kennen) und Sprache fallen zu lassen, dass man sofort die eigene Kindheit vor Augen hat und in Erinnerungen schwelgt. Und so kommen hier auch Lacher nicht zu kurz...Lacher, die recht schnell wieder verstummen, wenn Mrs. Johnston auf die Adoptivmutter „Mrs Lyons„ trifft und die Spannung in der Luft zu spüren ist.
Auch in der weiteren Handlung werden höchste Ansprüche an die Darsteller gestellt wenn die Beziehung der beiden immer mehr durch deren unterschiedliches Leben und die gesellschaftlichen Umstände im Alltag belastet wird und sich eine Katastrophe anbahnt...
Ein verzweifelter resignierter Gefühlsausbruch von „Mickey“, nachdem er für seinen kriminellen Bruder Jahre im Gefängnis verbracht hatte und seine Abhängigkeit von Psychopharmaka erkennen muss geht tief unter die Haut. Sie wurden ihm in all den Jahren zuvor gegen seine Depression verabreicht.
Eine Intensität, die in der Auseinandersetzung mit seiner Frau Linda, die alleine das Kind aufzieht, das Herz zerreißt.
Durch das Stück führt ein mystischer, gefühlloser und Unheil prophezeiender Erzähler (und in einigen anderen kleinen Rollen) mit einer unangenehmen Präsenz. Und während man nicht nur einmal mit Tränen zu kämpfen hat während des Abends, so muss man nach dem bedrückenden Ende erst ein paar Mal durchatmen.
Ein Abend von dem man noch über Tage mit sich trägt…
Vielleicht hört sich die Handlung ein wenig gezwungen an, jedoch stellt man fest während des Stückes, das ist sie in keiner Weise.

 
Das Phantom der Oper
Text: Richard Stilgoe, Charles Hart
Musik: Andrew Lloyd Webber
Uraufführung: 9. Oktober 1986 London, Her Majesty's Theatre
Deutschlandpremiere: 29. Juni 1990,Hamburg, im für dieses Musical gebauten Theater Neue Flora
Deutsche Texte: Michael Kunze

Die Handlung beginnt bei einer Versteigerung der Requisiten in der Pariser Oper 1905, schwenkt zurück in die Vergangenheit 1861…und erzählt die Geschichte von Eric (das Phantom), der als Missgeburt zur Welt kam, eine Gesichtshälfte entstellt...
Er wird als Kind auf dem Jahrmarkt ausgestellt und flieht mit der Hilfe der jungen Madame Giry…die später im Opernhaus als Ballettmeisterin arbeitet.
Der Roman von Gaston Leroux , auf dem die Handlung basiert und ein Roman von Susan Kay (in der Ich-Form als Eric geschrieben), beschreiben eindrucksvoll die Reisen Erics, unter anderem nach Persien…wo er lange Zeit im Dienste des Schahs steht und sich dem Studium zahlreicher Wissenschaften wie Physik, Architektur, Alchemie, Waffenkunde, Kampftechniken widmet und als feinsinniger Geist auch die Kunst in jeglicher Form zu schätzen weiß. Dies wird im Musical nur ansatzweise erwähnt, erklärt aber unter anderem die mysteriösen Kunststücke, mit denen er die Theaterdirektoren und seine Gegenspieler zum Narren hält...
Eric versteckt sich in den unterirdischen Gewölben der Oper (die real 10 unterirdische Stockwerke hat), schafft sich dort ein Zuhause und wird Förderer der jungen Balletteuse Christine Daaé, die ein sehr großes Potential zur Opernsängerin hat. Als Gegenspieler sehen wir Raoul Vicomte de Chagny, den wieder gefundenen Jugendfreund aus der Kindheit Christines. Eric entführt Christine zu Unterrichtszwecken immer wieder in seine Unterwelt, wobei sie ihn für den Engel der Muse hält, den ihr Vater ihr nach seinem Tod schicken wollte. Die Handlung spitzt sich immer mehr zu, während die Beziehung zwischen Eric und Christine sich verändert und Christine sich seltsam angezogen fühlt von diesem geschmeidigen, liebevollen und reizbaren, einsamen und feinfühligen Mann mit der betörenden Stimme …
Als nicht, wie vom Phantom gewünscht, Christine Daaé sondern die Primadonna Carlotta die Hauptrolle in der Oper "Il Muto" bekommt und auch seine anderen Anweisungen bezüglich der Aufführung ignoriert werden, lässt Eric die Vorstellung eskalieren durch die Lockerung des riesigen Kronleuchters, bis er ins Publikum stürzt. Und Josef Buquet, der Maschinenmeister, der die jungen Mädel des Balletts immer mit Phantomgeschichten geängstigt hatte… fällt von der Balustrade oberhalb der Bühne, erhängt. In der allgemeinen Panik flüchten Christine und Raoul auf das Dach und gestehen sich ihre Liebe, belauscht von dem Phantom, dass sich hintergangen und verraten fühlt.
Doch scheint sich die Situation vorübergehend zu beruhigen bis Eric als roter Tod beim alljährlichen Maskenball auftaucht und seine Komposition "Don Juan, der Sieger" als aufzuführendes Werk präsentiert. Dazu eine Liste mit klaren Anweisungen die Besetzungen und sämtliche Einzelheiten, auch die Proben betreffend…Christine in der Hauptrolle, für die sie zur Unterweisung zu ihm zurückkehren muss.
Während der Proben der ungewöhnlichen, anspruchsvollen Partitur ist die Anwesenheit des Phantoms deutlich spürbar.
Da sich der Duck immer mehr erhöht und die ironischen und kritischen Kommentare Erics zunehmen, entscheidet man Jagd auf das Phantom zu machen unter der Führung von Raoul, der von Eifersucht gequält wird. Er spürt die emotionale Verbindung zwischen Christine und Eric. Man will sich nicht länger bedrohen und gängeln lassen beim Führen des Theaters und ein Mord ist genug. Bei der Premiere will man das Theater abriegeln, Scharfschützen platzieren und das Phantom fangen oder töten, wenn es sein muss.
Bei der Uraufführung von Don Juan, tötet das Phantom Piangi und übernimmt die Hauptrolle, zunächst unbemerkt. Die Atmosphäre der Szene zwischen Christine und "Don Juan" ist prickelnd, das Spiel der beiden erregend. Als Christine ihn erkennt, ergreift sie zuerst Angst, aber als sie seine Unsicherheit aufgrund der ungewohnten körperlichen, emotionalen Sehnsüchte bemerkt, spielt sie mit ihm…
In einem dramatischen Moment streift sie seine Kapuze nach hinten und demaskiert ihn. Eric in Wut und Fassungslosigkeit flieht mit ihr in die Unterwelt, verfolgt von unzähligen Polizisten, Raoul, Mdme. Giry. den Theaterdirektoren...
Mdme. Giry erzählt Raoul von dem missgestalteten Jungen und führt ihn bis zum Ufer des unterirdischen Sees mit einer Warnung vor dem Punjab-Lasso…"die Hand muss in Augenhöhe sein"…Raoul springt in das eisige Wasser und dringt zum Heiligtum des Phantoms vor. Es kommt zum dramatischen Höhepunkt…Eric fängt Raoul, der die Warnung vergisst, mit dem "magischen" Lasso und verlangt von Christine eine Entscheidung: Entweder sie bleibt bei ihm oder Raoul stirbt. Christine ist einerseits entsetzt und abgestoßen durch die Grausamkeit, andererseits voller Mitgefühl und auch Liebe für diesen zutiefst einsamen und von der Welt verstoßenen Menschen. Als sie sich entscheidet und Eric mit Leidenschaft und Ehrlichkeit küsst, zerbricht die Wut und der Hass in ihm aufgrund dieser durchdringenden Berührung und das Phantom lässt Christine und Raoul frei…
Als die verfolgende Meute schließlich an diesem Ort ankommt läuft Meg Giry zu dem dunklen Thron, der ein Teil der Einrichtung ist und findet dort nur noch die halbe Maske vor, die Eric sein Leben lang vertraut war…

Dieses Musical ist der Inbegriff von Romantik und Gefühlen der Leidenschaft und hingebungsvollen Liebe…
Hinreißende, bewegende Arien und dramatische gesungene Dialoge, Melodien, die man nicht vergisst, führen den Besucher in eine geheimnisvolle andere Welt und Zeit. Und der weitaus größere Teil des weiblichen Publikums wäre an Christines Stelle bereit sich dem Phantom hinzugeben…Dieses Musical wird immer zu denen gehören, die ich am meisten liebe und die meine Phantasie beflügeln…
Die Rolle des Phantoms ist anspruchsvoll und erfordert ein Ausleben jeglicher emotionaler Gefühlszustände sowie einen sehr sensiblen Einsatz der Stimme…
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Liebe stirbt nie (Love never dies)
Die Liebe stirbt nie „Love never dies“
Liedtexte: Glenn Slater und Charles Hart
Libretto: Webber, Slater und Ben Elton
Musik: Andrew Lloyd Webber
Uraufführung: 9. März 2010 im Adelphi Theatre im Londoner West End
Deutschlandpremiere: 15. Oktober 2015, Operettenhaus in Hamburg
Deutsche Texte: Wolfgang Adenberg

Andrew Lloyd Webber hatte immer die Sehnsucht, dieser wunderbare Liebesgeschichte zwischen dem Phantom und Christine einen Abschluss zu geben…
In dem Buch „Das Phantom von Manhattan“ von Frederick Forsyth fand er schließlich das was er schon lange suchte…
Wir hatten das Wochenende zuvor in Oberhausen das „Phantom der Oper“ quasi zur Auffrischung besucht und waren offen für die Dramatik, die auf uns wartete…
Im Nachhinein denke ich, dass Besucher, die „Phantom I“ nicht kennen nicht so in das Stück eintauchen können wie die „anderen“. Zum einen, weil ihnen die Einschätzung der Hauptpersonen fehlt, mit denen man „schon viel erlebt“ hat und deren Struktur man kennt, zum anderen weil oft Musik-Elemente des ersten Stücks eingeflochten wurden. Es erzeugt beim Wiedererkennen ein wohliges Gefühl von „Zuhause“ und dockt unweigerlich an.
Die Bühnengestaltung war perfekt, phantasievoll, opulent, die Beleuchtung immens stimmungsvoll und auf den Punkt (in den romantischen Szenen oft Nachtblau mit Kupfer-orange-gelb beleuchtet), das Orchester ein Genuss. Den „Rahmen“ der Bühne bildete links eine bogenförmige stilisierte Phantommaske, die wie schimmerndes Elfenbein wirkte und von rechts ergänzend ein dunklerer Bogen mit einem Auge am oberen Rand. Sehr passend…

Wir erlebten in Hamburg phantastische Darsteller. Die Haupt-Charaktere (Phantom, Christine, Raoul und Meg Giry) müssen sehr viele, übereinander liegende, ambivalente, sanfte und explosive Emotionen, innere Prozesse und Ängste, Schmerz, Resignation transportieren.
Dies erfordert ein detailgenaues sensibles Schauspiel, in Mimik, mit den Augen, Körpersprache und mit differenziertem Einsatz der Stimme (Mme. Giry hat es da ein ganzes Stück leichter).
Und genau das schleuderte das Publikum durch extreme Gefühle in alle Richtungen…
lebte Die Rolle des Phantoms muss gelebt werden und dies tat Gardar Thor Cortes auf beeindruckende Weise…er war aufbrausend, besitzergreifend in einer sehr bedrohlichen Art und gleichzeitig fühlte man, dass diese Drohungen aus dem Schmerz der vergangenen Jahre entstanden waren und dass er um etwas kämpfte, das sein Leben bedeutete…
Es gab diese sanfte unendliche Liebe, Sehnsucht und es gab natürlich auch das aufflammende Begehren nach all der Zeit der Enthaltsamkeit, das mich ein paar Mal erschreckte…
Ebenso kämpfte Raoul, auf eine ganz andere Art…er hatte immer gespürt nie wirklich geliebt zu werden und gleichzeitig zerriss es ihn spürbar, Christine niemals das geben zu können, was sie in Eric fand, was sie sich ersehnte von ihm als ihrem Mann. Aus Resignation und Schmerz darüber hatte er Trost im Alkohol gefunden. Er versuchte äußerlich Haltung zu bewahren, während in ihm Eifersucht brodelte und die Angst, Christine würde sich von ihm abwenden…etwas das er durch seine Gereiztheit und seine Verteidigungshaltung leider protegierte.
Und da war noch Gustave, Christines Sohn, den er als seinen ansah. Nur sie wusste, dass er in der einen leidenschaftlichen Nacht gezeugt wurde, die sie mit Eric auf dem Dach der Oper verbracht hatte…
Nie hatte sie es verwunden, dass sie danach alleine aufwachte und er verschwunden war…ohne ein Wort, obwohl sie ihm überall hin gefolgt wäre, bis ans Ende der Welt.
Also…wir befinden uns im Stück auf Coney Island, dem südlichen Zipfel von Brooklyn, der noch heute bekannt ist für seine Vergnügungsparks.
Hier hatte Mister Y sein Theater „Fantasma“ eröffnet, ein Panoptikum mit seltsamen Gestalten, ein Varieté mit Sängern, Tänzern und Gauklern…eine mystische, farbenprächtige, schöne und bizarre, unheimliche und fesselnde Welt…
Mme. Giry und Meg halfen Eric (Wer die Bücher gelesen hat, weiß, dass das Phantom „Eric“ heißt) 10 Jahre zuvor bei der Flucht aus Paris nach Amerika, unterstützten ihn mit allen Mitteln beim Aufbau einer neuen Identität. Meg betet schon immer das Phantom an und sehnt sich nach seiner Aufmerksamkeit, Zeichen der Zuneigung und Förderung…
Sie wurde jedoch nicht wahrgenommen in ihrem Bemühen besonders gut zu singen und zu tanzen, musste sich mit oberflächlichen Stücken leichter Unterhaltung zufrieden geben.
Christine (inzwischen eine erfolgreiche Sängerin) und ihre Familie wird durch eine List dorthin bestellt um ein Engagement anzunehmen.
Das Phantom eröffnete das Musical vor einem riesigen Portrait mit „So sehr fehlt mir dein Gesang“ und zieht uns in seine Gefühlswelt, sein Hände gleiten andächtig über die Notenblätter…
Wir wurden im Anschluss erst einmal durch das in Coney Island eingeführt.
Christine wurde von der Presse groß empfangen, sie war etwas in Gedanken, sehr still, während Raoul scheinbar etwas „witterte“, ungehalten, skeptisch ist…und auch abgestoßen war von den seltsamen Gestalten, Fleck (eine Kleinwüchsige Dame), Squelch (einem etwas tumben, kräftigen Herrn) und Gangle (ein großgewachsener sehr undurchschaubarer, interessant geschminkter Conférencier), die sie einer ebenso seltsamen Kutsche abholen.
Seine Gefühlskälte und schlechte Stimmung versuchte er mit einem alkoholischen Getränk zu unterdrücken, aber dies löste einen Ausbruch von Verachtung aus für das geheimnisvolle Geschäftsgebaren des Veranstalters und seiner verunstalteten Botschafter und einen Wutausbruch (er spürt die Gefahr unbewusst ganz deutlich) sowie den Wunsch wieder abzureisen.
Schroff wies er seinen Sohn zurück, der ihm eine Spieluhr (oder ein ähnliches technisches Gerät) zeigen wollte, als wäre er sein Feind und bereut es schon ein paar Minuten später wieder…
Um schneller weiter zu kommen in meiner Beschreibung…Mister Y. lud ihn ein, sich mit ihm zu treffen an der Bar und auf diesen sachlichen geschäftlichen Kontakt ließ sich Raoul gerne ein. Gustave war unglücklich und zweifelte daran, dass sein Vater ihn und seine Mutter überhaupt liebt. Christine beruhigte ihn und wies ihn daraufhin, dass das Herz alleine Liebe erkennen kann, während die Augen uns täuschen können.
Als Gustave zu Bett gegangen war, betrat das Phantom das elegante Zimmer durch große Flügeltüren (atemberaubender visueller Eindruck). Es kam zu einer Aussprache, in der beide Seiten sich gegenseitig sehr emotional vorwarfen vor 10 Jahren gefühllos oder falsch gehandelt zu haben…sie ließ sich aber einfangen von seiner leidenschaftlichen Beschreibung der letzten Nacht, alte Gefühle begannen aufzusteigen und sie konnte sich gerade noch entziehen. Aber sie konnte ihm nicht verzeihen. Dieser Wortwechsel wurde auf dem Balkon weitergeführt und endete fast in einem gefühlvollen Kuss, aber sie zog sich zurück. Mit dem Drehen der Kulisse standen beide dabei hinter einer ornamentalen Balustrade, die durch Leuchten in Flammenform erhellt wurden und hinter ihnen sah man den gewaltigen Sternenhimmel…und wieder vergaß man zu atmen. Eric in seiner grenzenlosen Angst sie erneut zu verlieren, bat sie nur diesen einen Song zu singen, den er für sie geschrieben hat. Als sie sich weigerte, sprach er die Drohung aus, dass ihrem Sohn etwas passieren könne in der unbekannten Umgebung, wenn sie bei ihrer Entscheidung bliebe. War es eine leere Drohung? Oder nicht?
Sie fuhr ihn entsetzt und wütend an und gab gezwungenermaßen nach…
Raoul wartete währenddessen vergebens in der Bar und fühlte sich veralbert…Meg Giry kam und bestellte Kaffee…und erzählte dem erstaunten Raoul, dass sie sich jeden Tag im Meer schwimmt und dann hier einen Kaffee trinkt. Sie wäscht sich so den Schmutz dieses schrecklichen Ortes von ihrem Körper und ihrem Inneren…Wir waren ebenso erstaunt über diese resignierten Worte…was steckt dahinter?!
Etwas später…Meg, Mme Giry, Christine und Raoul feierten Wiedersehen. Allerdings war die unterschwellige Eifersucht und Missgunst Mme Girys zu spüren. Sie wusste, dass, wenn Christine bei ihm bleibt, er ihr alles geben würde und sie beide, denen er quasi sein Überleben, seine Existenz verdankt, wären „abserviert“.
Die unterschwelligen abschätzenden Schwingungen, das aufgesetzte Lächeln waren fast körperlich zu spüren. Meg freut sich allerdings scheinbar wirklich…
Derweil nahmen die 3 Mitarbeiter Gustave mit durch die Welt von Fantasma zum Phantom. Gustave war ohne Angst, sehr neugierig und ein paar Takte, die er am Klavier spielt, Musik, die er im Kopf hatte und sein Art ließen im Phantom einen Verdacht hochsteigen. Er nahm ihn fasziniert und schon zwanghaft, manipulierend mit um ihm seine ausgestellten Kreaturen zu zeigen aus seiner „Show“…es wurde immer bizarrer, während Gustav immer noch keine Angst hatte (etwas naiv der Junge).
Es endet damit, dass das der junge anscheinend das wahre Aussehen von Eric erblickt hat und völlig verängstigt zu seiner Mutter läuft. Dies singt für ihn und erklärt ihm, dass wahre Schönheit nicht immer äußerlich zu sehen ist.
Als er zu Bett ging, kam Das Phantom, stellte sie zur Rede betreffend ihres Schweigens, dass Gustave sein Sohn wäre, was sie zugeben musste.
Raoul saß in Selbstmitleid versunken an der Bar, trank mehr als er sollte und kam zu dem Schluss, dass es nichts mehr gab, was sie an ihm lieben könne. In diesem Moment fühlte ich so viel Mitgefühl. Wie erniedrigend, wie traurig jemanden so zu lieben und sich selbst dabei aufzugeben…und sich immer eine Illusion als Wahrheit vorzutäuschen.
Das Phantom erschien plötzlich als Barkeeper und beide führten einen (meist) verbalen Kampf. Raoul etwas ungelenk in den Bewegungen aber entschlossen…Eric gerade und machtvoll. Beide einigten sich auf eine Wette. Wenn Christine das Lied sänge, hätte Eric gewonnen und Raoul muss gehen. Wenn sie nicht singen würde, gibt Eric sie auf.
Eine dramatische Szene in der Eric Raoul in einem Gefühl von Zorn oder Verachtung an die Kehle packt, auf die Theke drückt und fast erstickt…dessen Gefühle mussten furchtbar sein in einem solchen Moment…

Eine sehr emotionale Schlüsselszene fand statt, als Christine alleine im Zimmer die Partitur zur Hand nahm und sie durchging…Zuerst skeptisch, doch mehr und mehr wurde sie angezogen von der intensiven Musik…sie summte, intonierte die Töne und sie öffneten ihr Herz…nichts würde sie davon abhalten diese Worte und Töne dieses eine Mal zu singen…
Sowohl Raoul wie auch das Phantom wollten ihre Entscheidung beeinflussen und kämpften um ihre Entscheidung…Raoul bat sie inständig um Verzeihung und leistete Abbitte für sein Verhalten in der Vergangenheit…und beschwor sie, um ihrer Liebe willen, nicht einen Ton zu singen und vor dem Auftritt mit ihm zurück nach Hause zu fahren. Wenn nicht, würde er verstehen, ihre Entscheidung achten und alleine fahren (die Tickets hat er schon gebucht).
Das Phantom versuchte es noch einmal und wir alle waren zum Zerreißen angespannt.
Mme. Giry hatte die beiden belauscht und nahm ihrer Tochter voller Wut jegliche Illusionen darüber, jemals über ihre banalen Auftritte hinaus zu kommen und auch nur einen Moment in seinen Gedanken sein zu können.
Christine kämpfte mit sich und doch stand ihre Entscheidung im Grunde längst fest. Letztendlich stand sie in diesem blauen Traumkleid vor einem Hintergrund aus unzähligen blau schimmernden Pfauenfedern. Das Phantom positionierte sich links neben der „Bühne“, Raoul rechts und beide wussten es geht um ihre Zukunft. Nach einem Zögern begann sie zu singen: „Liebe stirbt nie“, Während in ihm in dem Moment alles in Raoul zusammenbrach und er resigniert seine Illusionen begrub, ging während des Hörens der Stimme seiner geliebten Christine eine Wandlung vor. Die Magie und Intensität der der Worte, die Schönheit der Musik öffnete sein Herz und er musste lächeln…und es schien, als würde ihm bewusst, dass sie die einzige Entscheidung getroffen hatte, die sie wirklich glücklich machte…und er entschied sich schweigend zu gehen.
Christine stand nachdem der letzte Ton verklungen war völlig aufgelöst vor Eric und beide küssten. Sie las die Abschiedsworte ihres Mannes in ihrem Zimmer.
Die Handlung spitzte sich zu als Gustave vermisst wird. Panik erfasste sie und es man vermutete aufgeregt, dass Raoul ihn mitgenommen hatte. Fleck und die anderen sahen aber Meg Giry mit ihm davonlaufen.
Meg zerrte ihn währenddessen verzweifelt und entschlossen zum Bootssteg, um ihn ins Wasser zu stoßen in der Gewissheit, dass er nicht schwimmen kann umso Rache zu üben.
Die verfolgende aufgeregte Gruppe traf gerade noch rechtzeitig ein. Das Phantom arbeitete sich vorsichtig, während er beruhigend auf sie einredete, nach vorne in die Mitte des Steges…hinter ihm Christine. Doch Meg hatte eine Waffe…
Und sie war emotional sehr instabil. Schließlich brach es aus ihr heraus…dass schon immer ihre Liebe dem Phantom gegolten hat und sie nichts sehnlicher wünschte als wahrgenommen zu werden als Frau und in ihren Talenten. Er hatte sie ignoriert, sie und ihre Mutter, obwohl sie alles gegeben hatten, alles Geld, dass sie besaß. Er ohne sie verloren gewesen wäre und sie ihm halfen (auch mit finanzieller Unterstützung) diese Welt auf Coney Island aufzubauen… Sie hatten alles gegeben…und nichts zurückbekommen als Anerkennung. Um über die Runden zu kommen hatte Meg begonnen sich tagtäglich fremden Männern hinzugeben. Sie war unendlich traurig und verbittert und hasste sich selbst dafür und sie hasste dieses schmutzige fürchterliche Coney Island. Ihre Mutter war zutiefst erschüttert und beteuerte, so etwas nie gewollt zu haben.
Das Phantom versuchte sie zu besänftigen. Inzwischen war auch Raoul am Steg angekommen. Das Phantom arbeitete sich noch näher an Meg heran, greift sie fest, Gustave lief zu seiner Mutter, es gab ein Handgemenge, in dem sich unbeabsichtigt 2 Schüsse lösten. Christine war getroffen. Während Raoul Gustave beiseite führte, starb Christine in den Armen von Eric. Natürlich war es sehr bewegend und der letzte intensive Kuss ließ uns seufzen. Logistisch korrekt erklang ein klagendendes „NEIN“.
Eric übergab Christine in Raouls Arme. Während er am Ende des Steges zusammenbrach …streichelte Raoul liebevoll das Gesicht seiner Frau und küsste sie ein letztes Mal. Seine Schultern schüttelten sich und er hielt sich die Hand vor das Gesicht, fasste sich aber wieder, was mich zutiefst berührte. Plötzlich kam Gustave langsam hinauf, an seiner Mutter vorbei…er hielt den Blick auf Eric gerichtet…und als er ihn erreicht hatte streckte er die Hand aus um dessen Maske abzunehmen. Das Phantom wich erschrocken, abwehrend etwas zurück, aber Gustave schien seine Angst überwinden zu wollen (er wusste inzwischen, wer sein Vater ist) und streckte seine Hand abermals aus…
„The End“
Wir holten mehrmals tief Luft…und wir benötigten dringend diesen „Abspann“ des Orchesters um zu uns selbst zurückzufinden…
Die Standing Ovations wurden dann auch mit einer unglaublichen Wertschätzung vom Publikum an die Darsteller zelebriert…
Also…unser Fazit ist eindeutig…wer das Phantom liebt, der sollte dieses Stück um nichts in der Welt verpassen...Auch mein Mann hatte ständig Gänsehaut und schon mal Tränen in den Augen…

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Der Graf von Monte Christo
Text: Jack Murphy
Musik: Frank Wildhorn
Uraufführung: Welturaufführung 14. März 2009, Theater St. Gallen/Schweiz
Deutsche Übersetzung: Kevin Schroeder
Deutschlandpremiere: Musikalische Komödie Leipzig 2012

Das Musical basiert auf dem Roman von Alexandre Dumas, wobei für die Musical-Fassung starke Kürzungen vorgenommen wurden, damit man auf eine Spieldauer von ca. 2 1/2 Stunden kam.
So werden die bis ins kleinste Detail auf die Widersacher Danglars, Villfort und Mondego zugeschnittenen, raffinierten Schachzüge des Grafen und die Intrigen nicht wirklich umfangreich erklärt bzw. dargestellt und auch die Handlung etwas verändert. Während Edmond Dantes, die Titelfigur, im Buch am Ende nicht mit seiner großen Liebe Mercedes zusammenfindet, hat man sich hier für ein Happy-End entschieden, etwas das man als Zuschauer auch ersehnt...
Das Stück bietet alles, was man für einen Abend der großen Gefühle braucht, Spannung, Verzweiflung, Liebe, Verrat, Betrug...Läuterung und Vergebung...und ein paar dramatische Degenkämpfe...
Wir befinden uns im Jahr 1815. Der junge Seemann Edmond Dantes kehrt nach Marseille zurück um seine große Liebe, die Katalanin Mercedes zu heiraten und gleichzeitig steht als zweites herausragendes Ereignis in seinem Leben seine Beförderung vom 2. Offizier zum Kapitän auf der "Pharao" an.
Doch soweit kommt es nicht. Zwei Menschen, die er für seine guten Freunde hält, neiden ihm sein Glück aus verschiedenen Motiven...und so setzen Fernand Mondego und Anglars einen perfiden Plan um. Edmond bekam auf dem Sterbebett seines Kapitäns von diesem einen Brief, dessen Inhalt er nicht kennt um ihn einer bestimmten Person zu übergeben. Dies belauschte der Zahlmeister des Schiffes. Und so schmiedet er ein Komplott. Er schreibt selbst einen kompromittierenden Brief, Mondego schickt diesen Brief an den stellvertretenden Staatsanwalt Villfort um Edmond Dantes als bonapartistischen Agenten zu denunzieren. Edmond Dantes wird daraufhin während der Hochzeitsfeierlichkeiten noch vor seiner Eheschließung festgenommen und dem Staatsanwalt vorgeführt. Villfort, der die Unwissenheit und Unschuld Edmonds erkennt und diesen freilassen möchte, entscheidet sich aber um, als Edmond im als Empfänger des Briefs, dessen Inhalt er nicht kennt, den Namen seines Vaters nennt. Villfort sieht seine Stellung ruiniert und seine Zukunft, wenn dies an die Öffentlichkeit dringt und lässt den völlig irritierten, hilflosen Edmond Dantes ohne Verhandlung ins Gefängnis Chateau d'If werfen. Die Jahre vergehen und während sich Endmonds anfängliche Hoffnung auf Freilassung zu Resignation und Verzweiflung wandelt und das einzige, was ihn noch am Leben hält die Erinnerung an Mercedes und deren Liebe ist...schafft es Mondego Mercedes, das "Objekt" seiner Begierde, durch gespieltes Mitgefühl an sich zu binden...wobei er ihr als Trumpf die Lüge von Edmonds Tod berichtet.
Sie heiratet ihn, aber ihre Liebe gehört immer noch nur Edmond. Mondego ist also nicht der Sieger, der er sein wollte, verfällt im Laufe der Jahre immer mehr dem Alkohol und schert sich nicht um seinen Ruf und den seiner Frau und den scheinbar gemeinsamen Sohn Albert. Er verbringt seine Nächte und Tage nebenher mit anderen Frauen und zeigt Mercedes seine Verachtung...
Edmond Dantes bekommt während der 14 Jahre einen Mentor und Lehrer in seinem Gefängnis, den alten Abbé Faria, der sich anstatt in die Freiheit in dessen Zelle gräbt...gerade in dem Moment, als Edmond sich selbst völlig aufgegeben hat und nur noch auf den Tod wartet. Bei der gemeinsamen Arbeit an einem Fluchttunnel in die richtige Richtung bringt Abbé Faria Edmond nicht nur Bildung, Sprache, Benehmen, Wissenschaft und Kampfkunst bei, er gibt ihm das Geheimnis eines immenses Schatze weiter, der sich in einer Höhle auf der einsamen Insel Monte Christo befindet. Wissend, dass Edmond inzwischen von Rachedurst beseelt ist, nachdem er mit ihm die Intrige seiner Freunde durchschaut hat, versucht Abbé Faria ihn umsonst zu überzeugen, von dieser Idee Abstand zu nehmen...
Als Abbé Faria plötzlich stirbt nutzt Edmond die Chance sich anstelle diesem als vermeintliche Leiche ins Meer werfen zu lassen. Er wird von einer Piratencrew unter der Führung von Louisa Vampa aufgefischt und muss sich im Zweikampf mit Jacopo, dem besten Kämpfer beweisen. Er siegt und schenkt diesem das Leben, worauf sich Jacopo in Dankbarkeit als sein zukünftiger Ratgeber und Freund anbietet. Louisa Vampa ist von den nautischen Kenntnissen und auch der Ausstrahlung Edmonds beeindruckt und hilft ihm nach Monte Christo zu kommen. Mit den Schätzen, die Edmond dort findet baut er sich eine neue Identität als geheimnisvoller "Graf von Monte Christo" auf und beginnt einen durchdachten Rachefeldzug. Auch sein Freund kann ihn nicht überzeugen davon abzulassen und eine neue Chance mit Mercedes zu suchen. Als Edmond von ihrer Ehe mit seinem Todfeind erfährt und deren Sohn, wertet er dies als weiteren Verrat und dies verstärkt nur seine innere Kälte. Er schafft es sich in die Gesellschaft einführen zu lassen durch Mondegos Sohn Albert, den er als Mittel zum Zweck sieht. Er ruiniert durch finanzielle Transaktionen Villfort und Danglars, die sich das Leben nehmen und Mondego treibt er durch dessen grenzenlose Gier in den Ruin. Seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Reeder Morell, der durch seine Feinde in die Armut gestürzt wurde verhilft er zu neuem Wohlstand. Albert, der mit Valentine (der Tochter Villforts) verlobt ist, erkennt, dass er benutzt wurde und fordert Dantes zum Duell. Mercedes, die ihre unsterbliche Liebe auch nach all den Jahren auf einer vom Grafen organisierten Feierlichkeit sofort wieder erkannt hat, kann ihn nicht von dem Vorhaben abbringen Albert zu töten auch nicht als sie ihm sagt, dass Mondego ihr damals seinen Tod mitgeteilt hat und es nur eine Zweckehe war. Er ist nicht bereit von seinem Plan abzuweichen, selbst als in diesem Moment kurz tief in ihm die Wunden aufbrechen und eine Sehnsucht nach oben steigt, die er nur schwer unterdrücken kann.
Valentine wirft sich beim Duell (nachdem Albert daneben geschossen hat) vor die Füße Edmonds und beschwört ihn, ihre Liebe Albert nicht zu töten... als sie die Frage in den Raum stellt, ob er nicht wüsste wie es ist, jemanden zu verlieren, den man unsagbar lieben würde, er hätte dieses Gefühl doch sicher auch schon einmal erlebt, bröckelt die Fassade des Grafen und all der Hass, alle aufgestauten Gefühle der Rache fallen von ihm ab...er fühlt in sich wieder den jungen Edmond Dantes von damals und schießt in die Luft.
Mercedes gesteht ihm, dass Albert nicht Mondegos Sohn ist, sondern seiner. Fernand Mondego, der sich nicht nur finanziell ruiniert fühlt von seinem Rivalen, sondern nun auch noch um einen Sohn betrogen, provoziert einen Kampf mit Edmond, den er verliert. Unfähig sich mit seiner Niederlage abzufinden stürzt er auf Edmond zu, dem nichts übrig bleibt als ihn in Notwehr zu erstechen.
Der Schluss ist natürlich den Liebenden vorbehalten...
Die St. Gallener Aufführung mit Thomas Borchert als "Edmond Dantes" ist in Ausschnitten in Youtube zu finden. In Leipzig gehört dieses Musical seit Herbst 2013 zum Repertoire und wird diese Herbst-Winter-Saison wieder aufgenommen.
IWir sahen dieses dramatische intensive Stück im Sommer 2013 in Tecklenburg zum ersten Mal auf der Freilichtbühne und waren gefesselt...Die Inszenierung von Marc Clear war perfekt und er schaffte es die Dramatik der Geschichte zum Leben zu erwecken. Er hatte die Titelrolle schon in Leipzig verkörpert und so gelang es ihm hier wieder mit einem ausdrucksstarken, sensiblem, vielschichtigen Schauspiel und ebensolcher Stimme, tief zu berühren. Da wir eine ausnahmslos ausdrucksstarke Cast hatten und auch das restliche Ensemble mit Leidenschaft spielte, war der Abend ein Genuss, der unter die Haut ging. Wer schon das Buch oder die Verfilmungen mag, der wird sich von diesem Musical von der ersten Minute an fesseln lassen, von der Handlung, Edmonds Sehnsucht und Selbstaufgabe, von der Gier seiner Feinde...von der Fassade, die er zum Schutz vor seinen Verletzungen aufbaut...seiner Rache und der Wiedervereinigung mit Mercedes...Gänsehautfeeling pur...

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Elisabeth
Text: Michael Kunze
Musik: Sylvester Levay
Uraufführung: 3. September 1992 im Theater an der Wien

Es erzählt die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern geboren 24. Dezember 1837 in München, ermordet am 10. September 1898 in Genf).
Wie die anderen Musicals von Kunze/Levay ist auch hier einfühlsam und genau recherchiert worden, um ein authentisches Bild der Persönlichkeit der Kaiserin darzustellen. Nur wenig erinnert an die märchenähnlichen „Sissi“ Filme, es sei denn die ironischen und distanzierten Kommentare über die politischen Lage und Elisabeths privates und öffentliches Leben durch ihren Mörder Lucheni.
Die historisch nachgewiesene unbewusste Todessehnsucht inspirierte die Erschaffer des Stückes ihr den personifizierten Tod in der Gestalt eines majestätischen, arroganten, sinnlichen und etwas androgyn wirkenden jungen Mannes an die Seite zu stellen. Elisabeth wird von ihm immer wieder aufgesucht, da er sich in sie verliebt hat. Dieses Gefühl ist für ihn neu und unbekannt, etwas, das gänzlich außerhalb dessen liegt, was eigentlich für den Tod möglich und verständlich ist. Diese „Liebesbeziehung“, die sie gleichzeitig annimmt und ablehnt findet ihre Erfüllung am Tag ihrer Ermordung durch den Italiener Lucheni.
Die andere Komponente ist die tragische Beziehung zu ihrem Ehemann und die Beziehung zu Rudolf ihrem Sohn, der an ihrer Suche nach Freiheit, sowie einer traumatischen Kindheit ohne Liebe und elterlicher Nähe zerbricht. Der sensible depressive junge Mann, der klare Visionen für eine neue Zeit hat und sich von seinem Vater abgelehnt fühlt nimmt sich im Alter von 31 Jahren auf Schloss Mayerling das Leben.
Auch in einer Beziehung zu ihm wird der Tod als Person eingesetzt, als manipulierender, seinen Auftrag erfüllender Begleiter.
Ein ergreifendes Stück, das ein völlig neues Verständnis für die Persönlichkeitsstruktur dieser so bekannten historischen Person erzeugt. Man versetzt sich in ihr Leben und vergleicht seinen eigenen Freiheitsdrang und den Umgang mit Zwängen und Verpflichtungen…die man sich heute selbst auferlegt, die aber in dieser Zeit Normalität waren.
Es ist natürlich nicht nur das Schicksal der Kaiserin, das dieses Musical zu einem der erfolgreichsten Stücke macht. Es ist natürlich auch der Schachzug, die Rolle des Todes ambivalent anzulegen, einerseits die Gefühlskälte, Arroganz, majestätische Ausstrahlung, dann wieder Sanftheit, Verlangen, Liebe...dazu ein gutaussehender Darsteller, eine differenziert eingesetzte kraftvolle, warme Stimmfarbe...in jedem Falle eine erotische Mischung...
Die Prioritäten, welche Anteile betont werden und welcher Ausdruck in den Vordergrund gelegt wird kann sich durchaus von Inszenierung zu Inszenierung unterscheiden.
Das Stück steht und fällt ebenso mit dem Ausdruck der herrischen Mutter Franz-Josefs, Erzherzogin Sophie und der Interpretation von Lucheni. Er, der Mörder Elisabeths kann nicht zur Ruhe kommen und wird im Zwischenreich des Todes immer wieder verhört und nach dem Grund für seine Tat gefragt. Rückblickend übernimmt er die Führung durch das Leben Elisabeths und die Geschichte Österreichs. Mit italienischem Akzent und Ironie, Zynismus und südländischem Temperament tritt er in Kommunikation mit dem Publikum.
Die Rolle von Elisabeth ist eine der wenigen großen weiblichen Titelrollen und eine Herausforderung für jede Darstellerin, da sie stimmlich und in ihrer psychischen Wandlung innerhalb des Stückes sehr anspruchsvoll ist. Elisabeth ist eines der Stücke, die mich immer wieder sehr bewegen.  

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Jekyll & Hyde
Text: Leslie Bricusse /Musik: Frank Wildhorn
Premiere: 24. Mai 1990, Alley Theatre, Houston
Deutschland: 19. Februar 1999 Musicaltheater Bremen mit Ethan Freeman in der Hauptrolle

Die Handlung basiert auf einem dem Buch „Der Seltsame Fall des Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ von Robert Louis Stevenson.
Die Handlung spielt im London des 20. Jahrhunderts.
Zum einen fesselt das Stück durch ergreifende, melodiöse Balladen und zum anderen durch die hohen Ansprüche an die schauspielerischen und stimmlichen Fähigkeiten der Künstler, allen voran Lisa, Lucy und extrem natürlich die Hauptrolle des Jekyll/Hyde. Die Inszenierung (Staging/Dialoge) sollten der Logik des Stückes folgen und erfordern sehr viel Sensibilität und ein Gefühl für Feinheiten, was durchaus nicht immer der Fall ist. Die Inszenierungen in Bremen und Köln waren hervorragend und gingen in jeder Sekunde unter die Haut, wobei der Mord an Lucy rollenkonform brutal bluttriefend umgesetzt wurde, was aber durchaus als grenzwertig angesehen werden kann.
Ich durfte bisher Drew Sarich, Yngve Gasoy Romdal, Ethan Freeman, Patrick Stanke und Jan Ammann in dieser Rolle erleben. Jeder hatte seinen eigenen Fokus und versuchte sein Bestes.
In Bad Hersfeld gab es leider immense Fehler im logischen Aufbau des Stücks , Szenen wurden so verändert, dass Aussagen bzw. Inhalt verfälscht wurden und keine Stimmung entstand. Textpassagen wurden so verändert, dass der Spannungsbogen wegfiel, die wunderbare stimmungsvolle Kulisse mit sehr großen Gerüsten „verschandelt“. Zudem war Jan Amman mit der Hyde-Seite völlig überfordert...
Überwältigend und über jede Kritik erhaben waren Yngve, der inzwischen mit der Rolle verwachsen ist (was vielleicht mittlerweile auch behindernd wirken könnte) und Ethan.

Die Handlung dürfte hinreichend bekannt sein. Da ich dieses Stück liebe, möchte ich jedoch versuchen diese etwas zusammengefasst wiederzugeben.
Dr. Henry Jekyll, ein junger smarter und engagierter Londoner Arzt, hat angetrieben durch die Erkrankung seines Vaters die Vision eines Mittels, das das "Böse" vom Guten im Menschen trennt und es so möglich macht, diesen zerstörerischen Teil zu eliminieren.
Seine Forschung wird vom einflussreichen Vorstand des Krankenhauses diffamiert und verhöhnt, ein Versuch am Patienten wird abgelehnt, was das Scheitern von Jekylls jahrelanger Forschung bedeutet. Als sein Vater am gleichen Tag stirbt, trifft er die folgenschwere Entscheidung einen Selbstversuch zu wagen. Wie erhofft gelingt die Trennung, jedoch erlangen die unterdrückten aggressiven und "bösen" Anteile in ihm, zu seinem Entsetzen, ein Eigenleben und agieren als abgespaltener Persönlichkeitsanteil Hyde. Hyde lebt ohne Gewissen jegliche dunklen Triebe, Aggressionen bis hin zur Mordlust aus. Er tötet die Mitglieder des Gremiums auf brutale Weise, geht eine Beziehung zu Lucy (Nachtclubsängerin und Hure in der "roten Ratte") ein, eine der wichtigen Frauenrollen des Stücks. Diese hatte der eher zurückhaltende Jekyll beim Junggesellenabschied in Begleitung seines Freundes John kennen gelernt und ihr eine Visitenkarte gegeben, als Freund nicht als Kunde. Lucy verliebt sich in den Arzt, der ihr als einziger je Respekt entgegengebracht hat…
Hyde übernimmt mehr und mehr die Kontrolle und manipuliert Jekyll dahingehend zu seinen Gunsten sein Testament zu ändern. Die Beziehung zu Lisa, Jekylls Verlobten, droht an seiner Zurückgezogenheit und Distanziertheit zu scheitern. Er schließt sich über unzählige Tage in seinem Labor ein, reagiert aggressiv auf Störungen und versucht verzweifelt ein Gegenmittel zu finden. Diese Abwärtsspirale hat nach der eifersüchtigen Ermordung Lucys ihren Höhepunkt in einer letzten Konfrontation mit Hyde, die dem Darsteller immenses abverlangt. Beide Anteile stehen sich quasi gegenüber und führen einen verbalen Kampf aus, bei dem Hyde letztendlich zu unterliegen scheint, da seine Existenz durch die Möglichkeit des Suizids Jekylls gefährdet ist.
Die Gefahr scheint gebannt bis zum Hochzeitstag von Henry und Lisa. Nach der Zeremonie bricht bei den Feierlichkeiten das zweite Ich hervor. Von dem in kurzen Momenten durchscheinenden Bewusstseins Jekylls wird John, sein Freund, aufgefordert in zu erschießen, um das Leiden zu beenden. (John hatte die Waffe zu seinem Schutz von Jekyll erhalten) Als dieser versagt schafft es Jekyll sich auf John zu stürzen, sodass dieser in Notwehr schießt.
Er stirbt in Lisas Armen während sein Ich als Henry Jekyll wieder hervortritt…

So ist es jedenfalls in der klassischen Version. 2008 in Lüneburg und Sommer 2011 in Hagen wagte man sich an eine "moderne" Version. Man versetzte die Handlung ins Heute, in eine moderne Klinik, in der Henry Jekyll geschmackvoll eingerichtete eigene Räumlichkeiten im Stile eines Lofts mit Laborbereich bewohnt. Und es funktioniert. Henry Jekyll ist auch weniger der zurückhaltende, schüchterne Arzt, sondern ein erfolgreicher Mediziner, der durchaus unangenehme Ansätze von Arroganz zeigt. In der Beziehung zu Lisa lässt er ein Stück los und zeigt seine gefühlvollere Seite. Er kann in seiner Arbeit und im Umgang mit Lisa leidenschaftlich sein, in einigen wenigen Situationen seine Emotionen zeigen, behandelt aber seinen Assistenten Poole mit Ignoranz und Grobheit.
Die Situation um Jekylls Vater, die Gründe für seine Forschung etc., all dies bleibt bestehen...überraschend und wirkungsvoll ist, dass er sich selbst mit einer Kamera aufnimmt, um die Wirkung des Serums zu dokumentieren. Wir sehen ihn auf der Bühne und gleichzeitig die Übertragung der Kamera, die er in der Hand vor sich hält, in seinem Fernseher.
Wenn man am Beginn noch einen Unterschied zwischen Henry Jekyll und Edward Hyde wahrnimmt, verschmelzen die beiden Persönlichkeitsanteile im Laufe des Stücks immer mehr miteinander, eine ganz neue Erfahrung, die durchaus ihre Logik und ihre ganz eigene Spannung hat. Hyde tötet hier ohne lange Dialoge...geplant, konsequent und völlig ausdrucks- und emotionslos. So erlebte ich zumindest den bei der letzten Vorstellung für Henrik Wager eingesprungenen stimmgewaltigen Kasper Holmboe. Eine wirklich empfehlenswerte Inszenierung, die ein überraschendes Ende hat, die Gänsehautfeeling erzeugt und den Zuschauer unweigerlich mitreißt, wenn er bereit ist das Alte loszulassen.

Für mich ist dieses Stück ohne Frage ein absoluter Favorit. Die Integration des eigenen Schattens ist eine Thematik die in der Persönlichkeitsentwicklung und Energiearbeit eine große Rolle spielt.
Eine wichtige und doch sehr unangenehme Aufgabe, die sich für jeden immer wieder einmal in anderen Facetten stellt.
Wenn wir uns in die innere Welt Jekylls einfühlen, erzeugt dies eine immense Spannung, gleichzeitig erkennen wir aus der Distanz wie falsch der eingeschlagene Weg ist. Es ist bei einer guten Inszenierung und exzellenten Darstellern nahezu unmöglich sich nicht in Mitgefühl, Verständnis und dem Wunsch nach einer positiven Wendung aufzulösen…
Die Schüsse am Ende sind wie ein Schlag (in Köln sah man Hyde von hinten und bei jedem Schuss platzten Farbbeutel am Rücken und das weiße Hemd färbte sich rot, noch einmal eine immense emotionale unerwartete Steigerung...Gänsehautfeeling, Entsetzen) ...und es bleibt ein Gefühl von Trauer, Melancholie und Nachdenklichkeit zurück…

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Les Miserables
Text: Alain Boublil
Musik: Claude-Michel Schönberg
Uraufführung:17. September 1980, Paris, Palais des Sports
Premiere in London: 8. Oktober 1985 Barbican Centre (überarbeitete Fassung)
Deutschsprachige Erstaufführung:: 15. September 1988 Raimundtheater in Wien (Übersetzung Heinz Rudolf Kunze)
Premiere in Deutschland: 1996 in Duisburg im Theater am Marientor, das eigens für dieses Stück errichtet worden war.

Vorlage für das Musical ist das Buch von Victor Hugo "Die Elenden". Die Handlung umfasst eine zeitlich recht große Spanne und spielt in Toulon 1815, Montreuil-sur-Mer & Montfermeil 1823 und Paris 1832…
Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich die Handlung in Einzelheiten wiedergeben würde. Es sind die Leben von einigen Personen in diesem Handlungsstrang miteinander verknüpft, jeder Charakter hat seine ganz eigene Dramatik, mit Sehnsüchten die sich meist nicht erfüllen, Visionen und Weltanschauungen, geprägt von der Umgebung, in welcher er aufgewachsen ist…
Jean Valjean, der für den Diebstahl eines Brotes 19 Jahre im Gefängnis verbrachte und in seinem Hass durch das Verhalten des Bischof von Digne wachgerüttelt wird…sodass er Hoffnung schöpft und ein neues Leben beginnt.
Javert, der in der Bewertung von Gut und Böse eingesperrt ist im Gefängnis seiner Filter und inneren Muster, dessen Jagd nach Jean Valjean zum Zwang wird. Er muss erkennen, dass seine Weltanschauung auf Lügen aufgebaut ist und zusammenbricht und nimmt sich das Leben.
Fantine, die Fabrikarbeiterin, später Hure, deren Tochter Cosette nach dem vorzeitigen Tod der Mutter aus Schuldgefühl von Jean Valjean aufgenommen wird.
Cosette, die bei Jean Valjean auwächst und nichts von dessen Vergangenheit weiß, aber spürt, dass ein dunkler Schatten über ihnen beiden schwebt...
Marius, einer der Studenten, der sich in Cosette rettungslos verliebt und fast beim Aufstand der Studenten unter der Führung von Enjolras ums Leben kommt…wenn ihn nicht Jean Valjean entgegen seiner Überzeugung retten würde…
Eponine, die Tochter der Wirtsleute Thenardier (bei denen Cosette die ersten Jahre in liebloser Umgebung aufwuchs), die ebenfalls in Paris auftauchen…sie liebt Marius ebenso, jedoch hoffnungslos und stirbt in seinen Armen beim Kampf an den Barrikaden…

Ein Musical, das in seinen aufrüttelnden Musikstücken, sowohl in sehr emotionalen Soli als auch beeindruckenden Chorszenen tief bewegt. Man durchlebt jegliche möglichen Gefühle intensiv…Liebe und Verzweiflung, Hoffnung und Enttäuschung, Mitgefühl und ist glücklich in einer solchen Zeit (zumindest bewusst) nicht gelebt zu haben…
Am Ende verlässt man das Theater schweigend und kann die innere Balance erst nach einer längeren Zeit wieder finden…so intensiv sollte Musical für mich sein...
Es existiert eine wunderbare Aufnahme einer konzertanten Aufführung am 8. Oktober 1995 in der Royal Albert Hall zum Anlass des 10 Geburtstages. Colm Wilkinson singt den Part von Jean Valjean, Michael Ball die Rolle des Marius.
Sehr beeindruckend auch der Schluss, bei dem 17 Darsteller die Bühne betreten , die in internationalen Produktionen die Rolle des Jean Valjean verkörpert haben, und in ihrer Landessprache Passagen aus "Do you hear the people sing" vortragen. Als Vertreter für Deutschland steht Jerzy Jeszke auf der Bühne, der lange Zeit in Duisburg spielte. Ein beeindruckender Moment.

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Marie Antoinette
Text: Michael Kunze
Musik Sylvester Levay, Libretto in Englisch, für Tokio ins Japanische übersetzt
Premiere: 1. November 2006 im Imperial Garden Theater in Tokio
Deutschland: 30. Januar 2009 bis 31. Mai 2009 im Musicaltheater Bremen

Die Idee des Musicals basiert auf einem Roman des japanischen Autors Shusado Endo. Michael Kunze erhielt von der japanischen Theaterproduktionsgesellschaft Toho den Auftrag auf der Grundlage des Buches ein Drama-Musical zu schreiben. In diesem Buch wurde der Person Marie-Antoinette, Königin von Frankreich, ein armes Mädchen aus dem Volk als Pendant gegenübergestellt. Diese beiden so unterschiedlichen Frauen begegnen sich im Laufe der Geschichte immer wieder und ihre Leben werden miteinander verknüpft in der Dramatik der historischen Entwicklung. Diese dichterische Freiheit faszinierte Michael Kunze, der das Potential dieses Stoffes erkannte.
Die Handlung im Musical umfasst den Zeitraum von einem Jahr nach der Thronbesteigung Marie-Antoinettes bis zu ihrer Hinrichtung.
In Wikipedia ist eine kurze perfekte Zusammenfassung der Handlung zu lesen, die ich hier einfügen möchte, da dieses Musical sicher vielen nicht bekannt ist.
„Die Handlung setzt ein Jahr nach der Thronbesteigung von Marie Antoinette und ihrem Gemahl Louis XVI ein. Rauschhaft gibt sich die Regentin ihren luxuriösen Ausschweifungen hin und zeichnet damit ihr ganz eigenes Bild. Vollkommen gegensätzlich dazu die zweite zentrale Frauenfigur des Musicals, das arme Mädchen aus dem Volk: Margrid Arnaud. Ein Kunstgriff von Michael Kunze, die beiden scheinbar so ungleichen Frauen gegenüber zu stellen und ihre Leben immer wieder in Kontakt treten zu lassen. Denn auch wenn zu Anfang nur Abneigung und Hass zwischen der Königin und dem Bettlermädchen besteht, haben ihre Leben mehr gemein, als beide ahnen. Erst die Ereignisse werden zeigen, wie sich die Schicksale der beiden Frauen mit den gleichen Initialen ähneln. Und schließlich, als die Schatten der Französischen Revolution bereits dunkel über Paris fallen, ist aus der anfänglichen Feindseligkeit gegenseitiger Respekt und Verständnis geworden.“

In der Bremer Inszenierung verkörperte Roberta Valentini die Rolle der Königin Marie Antoinette, Sabrina Weckerlin den Part der Margrit Arnault. Ethan Freeman gab den Illusionisten Cagliostro, der als Erzähler und auch intriganter Lenker und Deuter der Ereignisse durch die Geschichte führt. Patrick Stanke verkörperte Axel von Fersen, die wahre und aufrichtige Liebe von Marie Antoinette, die jedoch aufgrund der Position der beiden niemals Erfüllung finden kann.
Ab dem 23. Juni 2012 wurde dieses Musical endlich wieder aufgeführt. Die Freilichtbühne Tecklenburg konnte die Rechte an diesem Stück gewinnen. Sabrina Weckerlin verkörperte erneut den Charakter der Margrit Arnault, Cagliostro wurde von Yngve Gasoy Romdal gespielt, die Rolle der Marie-Antoinette von Anna Thorén. Die Regie hatte Marc Clear übernommen. Kein einfaches Unterfangen, dieses Stück auf eine Freilichtbühne zu bringen. Sylvester Levay und Michael Kunze hatten 3 Titel hinzukomponiert und die gesamte Struktur überarbeitet. Die Dauer von 3 1/2 Stunden wurde auf 2 1/2 Stunden gekürzt. Am auffälligsten war die Veränderung der Persönlichkeit Cagliostros. Er war nicht mehr der geheimnisvolle, aus dem Hintergrund handelnde, elegante und geschmeidige Magier. Er war sehr oft mitten im Geschehen, auch in Verkleidung und brachte sich selbst sehr viel mehr ein, auf eine ironische, ernste und auch amüsante Seite. Sein phantastisches Eingangssolo "Illusionen" wurde zerschnitten, gekürzt und an anderen Stellen eingefügt und ersetzt wurde es leider durch ein sehr viel ausdrucksloseres Stück.
Während er vorher etwas Eigenes, Außergewöhnliches hatte als Charakter, das den Zuschauer direkt fesselte, fühlt man sich hier ständig an Che Guevara und Lucheni erinnert, was überhaupt nicht in die Atmosphäre passte und die intensive Ausstrahlung des Stückes durchgehend reduzierte, zudem war er definitiv zu oft präsent.
Die Inszenierung an sich war emotional und hatte Ausdruck, auch wenn ich persönlich mit manchen Szenen Probleme hatte. Die Massenszenen waren wie immer in Tecklenburg überwältigend und kraftvoll, authentisch. Durch die Umgestaltung wurde sicherlich für viele Zuschauer die Handlung klarer, allerdings gab es für mich in Bremen da keinerlei Probleme. Gott sei Dank blieben die dramatischen Soli von Margrid und Marie Antoinette erhalten und so war es auch hier ein sehr sehenswertes Musical, dass sicher die meisten sehr berührte. Zur Cast kann ich entgegen meiner ambivalenten Haltung zur Regie bzw. der für mich etwas unsensiblen Veränderung des Stücks sagen, sie waren stimmgewaltig und spielten mit Leidenschaft. Sabrina Weckerlin war wie erwartet überwältigend. Auch Yngve Gasoy-Romdal verkörperte den Cagliostro den Vorgaben entsprechend mit kraftvoller Stimme und Ausdruck...auch wenn ich zu dieser Figur keinen Zugang fand. Definitiv war das Publikum begeistert. Es kannten wohl nur sehr Wenige die Bremer Inszenierung.
Wir waren ein zweites Mal im August in Tecklenburg und sahen Marion Furtner als Margrid auf der Bühne. Nun war der Abend anders erlebbar für mich, da ich meine Erwartungen abgelegt hatte und ich habe die Aufführung genossen...

Marie Antoinette ist für mich, und nicht nur für mich, eines der überwältigensten Musicals, das ich erleben durfte. Beide Frauen vollzogen die extreme Persönlichkeitsentwicklung der Charaktere in einer Intensität, die mich in meinen Tiefen berührte. War man am Anfang in seiner Position sehr klar, so folgte man innerlich dem emotionalen Fluss und kam am Ende in ein Gefühl von Trauer und gleichzeitigem tiefen Frieden. Ein Gefühl, dass sich nicht auf das Stück beschränkte, sondern die gefühlte Erkenntnis vermittelte, dass eine Oberfläche täuschen kann und wir alle immens geprägt sind von der Umgebung, der Gesellschaft, in der wir aufwachsen. Ein Wissen, das wir haben, das wir aber so oft ignorieren in der Beurteilung anderer Menschen…

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Miss Saigon
Ein Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg,
Uraufführung: 20. September 1989 im Theatre Royal Drury Lane (London)
Broadway-Premiere: 11. April 1991
Deutschlandpremiere: 2. Dezember 1994 in der Musical-Hall (heute Apollo Theater) in Stuttgart

Ein Stück, das in Saigon im April 1975 spielt, in den letzten Wochen des Vietnamkrieges.
Chris, ein amerikanischer GI lernt in einem Nachtclub Kim, ein sehr junges und gerade eingestelltes „Animiermädchen“ kennen und verliebt sich währen einer Nacht in sie. Er wird ihre Hoffnung, doch werden ihre Träume jäh zerstört als er abgezogen wird und in einer Nacht- und Nebel-Aktion sämtliche Amerikaner das Land verlassen. Seine verzweifelten Versuche Kim mitzunehmen scheitern, in den Menschenmassen verlieren sie sich aus den Augen. Während Chris Kim nicht vergessen kann, sich aber im Laufe der Zeit ein neues Leben in den USA aufbaut, eine Frau heiratet und von Albträumen gequält wird, gebärt Kim Chris’ Sohn. Diese Mischlingskinder haben von Anfang an keine Chance, vergessen von ihren Vätern und abgelehnt und versteckt in der Heimat ihrer Mütter. So ist für Kim das Einzige was sie durchhalten lässt die Vision, dass Chris sie immer noch liebt, zurückkehrt, sie mitnimmt und sie zu dritt eine Familie sind…
Als Chris von John, seinem Freund, erfährt das Kim einen Sohn von ihm hat, reist er mit seiner Frau nach Vietnam, wo man Kim ausfindig machen kann. Die erste Begegnung hat Kim mit Chris’ Ehefrau, die obwohl sie die Tragik zu begreifen scheint, bereit ist zu kämpfen und Chris niemals freigeben wird.
Das macht sie Kim sehr deutlich, denn sie sieht die Sanftheit und die tiefe Liebe in ihren Augen…spürt schmerzlich was die beiden verbunden haben muss.
Das Angebot Kim in Vietnam zu unterstützen lehnt diese verzweifelt ab, denn dies geht an der alltäglichen Realität völlig vorbei und kann keine Lösung sein…
Als Chris von dem Besuch erfährt, hat er einen Zusammenbruch, sämtliche Gedanken und Emotionen schlagen über ihm zusammen. Er verlässt seine Frau niemals, das weiß er, aber er will sofort zu Kim.
Als sie an Kims Unterkunft ankommen hat diese einen Entschluss gefasst. Es gibt nur eine Möglichkeit, wie sie erreichen kann dass ihr Sohn eine Chance auf ein würdiges Leben erhält. Und während sie ihren Sohn zu Chris schickt zieht sie sich zurück und ein Schuss ertönt…In Chris explodieren Angst und Entsetzen und die Erinnerung an ihre gemeinsame Liebe und er stürzt zu ihr...
Sie stirbt in den Amen der großen Liebe ihres Lebens…
Es ist sehr schade, dass dieses Musical in Deutschland zurzeit nicht mehr auf Bühnen zu finden ist. Ich sah es in Stuttgart mehrfach in unterschiedlicher Besetzung und war sehr ergriffen. Es ist ein sehr melancholisches, trauriges Stück, das sehr lange in seiner Stimmung nachhallt und man benötigt sehr lange um sich zu fassen und die innere Anspannung wieder loszulassen.
Ein Stück, das nachdenklich macht und den Herzbereich öffnet.

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Mozart
Text: Michael Kunze
Musik Sylvester Levay
Uraufführung: 2. 10. 1999 Theater an der Wien
Deutschlandpremiere: 21. September 2001 Neue Flora Hamburg

Das Musical erzählt die Lebensgeschichte von Wolfgang Amadeus Mozart. Es beginnt mit einer Szene, die im Jahr 1809 spielt, in der die Witwe von Mozart Constanze Nissen den Naturforscher und Arzt Anton Mesmer gegen Bezahlung zum Grab ihres Mannes führt, auf dem Friedhof St. Marx. Dieser erinnert sich 40 Jahre zurück an den Tag 1768, als Mozart als kleines Genie in dem Barockgarten seiner Villa von seinem Vater Leopold der feinen Gesellschaft als Wunderkind vorgeführt wurde.
Die Zeit wird zurückgespult und nun erleben wir die Geschichte dieses jungen Mannes, der scheinbar immer auf der Suche nach sich selbst war, seine Naivität, seine Abhängigkeiten, Sehnsüchte, seine Beziehungen, seine Lebenslust und seine Verzweiflung und Einsamkeit. Mozart, der gleichzeitig abhängig, getrieben und gesegnet war von seinem Genie, das ihn als Porzellankind Amadè, sein zweites Ich, das Stück durch begleitet. Am Ende bringt ihn das unerbittlich komponierende Kind, der Schatten, von dem er sich nicht lösen kann, um. Dieses innere Kind schreibt seine Kompositionen mit Mozarts Blut. Als ihm die Tinte fehlt, benutzt es Spitze der Feder als Waffe und in seiner an Besessenheit grenzenden Passion tötet es sein älteres Ich durch einen Stich ins Herz…
Sowohl in der Uraufführung als auch bei der Premiere in Deutschland wurde die Rolle des Wolfgang Amadeus Mozart von Yngve Gasoy Romdal übernommen. In Wien spielte Thomas Borchert den Vater Mozarts, in Hamburg hatte Ethan Freeman diesen Part inne.
Uwe Kröger spielte die Rolle des Fürsterzbischofs Colloredo.
Inzwischen ist Mozart unzählige Male in verschiedenen Theatern aufgeführt worden und sehr erfolgreich.
Auch dieses Musical hat mich sehr bewegt. Als ich es zum ersten Mal auf CD hörte konnte ich mich nicht direkt mit der Musik anfreunden. Erst als ich einige Szenen in Youtube sah erwachte meine Neugierde und mein Interesse. Allein die Darstellung von Yngve war derartig authentisch, dass ich nicht erwarten konnte mich von der Dramatik des Stückes und den Charakteren gefangen nehmen zu lassen. Das erste Mal sah ich das gesamte Stück in Tecklenburg 2008. Patrick Stanke verkörperte Mozart und Ethan Freeman Leopold. Karin Seyfried spielte Nannerl, die Schwester von Mozart, Marc Clear die Rolle des Colloredo. Es war eine Vorstellung, die von sintflutartigen Regenfällen durchgehend begleitet wurde. Nicht der Zuschauerraum sondern die Bühne ist dort vollständig ungeschützt und trotz des unangenehmen kalten Wetters hat die gesamte Cast das komplette Stück mit Leidenschaft und Hingabe durchgespielt. Einige humorvolle verbale Seitenhiebe über das Wetter zeigten uns mit wie viel Disziplin Profis in dem Bereich mit unwägbaren Bedingungen umgehen.
Patrick machte wahr was ich in der Gala über die Musicals von Kunze/Levay schon ansatzweise erahnt hatte. Er lebte die Rolle in einer Intensität, dass man bei manchen Szenen vor Mitgefühl, Erschrecken über dessen Naivität und Wut über die Ignoranz von Mozarts Vater auf die Bühne laufen wollte…
Die Musik brennt sich ein und lässt einen nicht mehr los...ob es "Gold von den Sternen" oder "Wie lässt man seinen Schatten los" oder "Warum kannst du mich nicht lieben" ist, man summt noch Tage danach leise die Melodien vor sich hin...
Es ist eines der Stücke, die kein freudiges, aufgedrehtes Gefühl hinterlassen sondern, eine Stimmung der Melancholie und des Ergriffen-seins. Ich persönlich werde es mir immer wieder mit Begeisterung ansehen.

 

Thrill me
Buch: Stephen Dolginoff
Text, Musik: Stephen Dolginoff
Uraufführung: 2003, Midtown New York, (international Theater Festival); als größere Off-broadway-Produktion 2005
Deutschlandpremiere: 2012, Katielli-Theater in Datteln
Deutsche Texte: ins Deutsche übertragen von Bernd Julius Arends (Inhaber des sehr zu empfehlenden Katielli-Theaters)

Ein sehr ungewöhnliches und absolut intensives 2-Personen-Musical, das Immenses von den Darstellern abverlangt.…
Beide Personen sind annähernd ununterbrochen auf der Bühne (über 80 Minuten), im 100%igen Fokus des Publikums. Sie müssen durchgehend die psychopathischen, vielschichtigen, auch oft unterschwelligen, wechselhaften und ambivalenten Prozesse im Inneren der Charaktere spürbar machen. Dies mit höchst sensibler Körpersprache, feinster Mimik, Augenausdruck und bewussten Nuancen im Stimmeinsatz. Wobei eine Pause in diesem Stück kontraproduktiv ist...das geht im Grunde garnicht.
Es reicht eine Begleitung durch ein Klavier und eine reduzierte, auf wenige Einzelteile reduzierte Bühnengestaltung.
Da die Handlung recht unbekannt ist, möchte ich sie doch in Einzelheiten beschreiben, auch wenn es recht umfangreich wird. "Thrill me" basiert auf einem realen Kriminalfall in den 20er Jahren. Brillant, spannungsgeladen, fesselnd, schockierend und unter die Haut gehend.
Das Stück beginnt mit einer Befragung im Gefängnis aus dem Off. Wir haben 1958. Nathan Leopold, einer der beiden Charaktere soll nach 34 Jahren begnadigt werden und hat sich anscheinend bisher geweigert die wirklichen Beweggründe für die eiskalte und grundlose Ermordung des 14-jährigen Bobby Franks zu nennen, die von ihm und seinem Lebensgefährten Richard Loeb durchgeführt wurde. Richard Loeb war während der Inhaftierung in der Zeit von einem Mithäftling erstochen worden.
In Form immer wieder hochsteigender Flashbacks wird das Publikum in die Vergangenheit geführt und erlebt das Vorgefallene mit, erhält einen tiefen Einblick in die psychologische Struktur beider Männer...
Es ist 1924, Chicago...
Wir erfahren, dass beide Jura-Studenten sind, aus wohlhabenden Familien stammen und über Jahre sehr gut befreundet, das heißt, man spürt direkt, dass es keine Freundschaft auf Augenhöhe ist.
Das heißt...Nathan hat das College abgeschlossen, Richard noch nicht ganz.
Während Richard vom Typus selbstüberschätzend, arrogant, männlich, gutaussehend, dominant ist, spüren wir bei Nathan Selbstentwertung, uneingeschränkte Abhängigkeit von Richard, Eifersucht, Unterordnung...manchmal trotziges Aufbegehren, Einsamkeit. Und er verwechselt körperliche Zuwendung mit Wärme...
Nathan klammert und vergöttert Richard...dieser nutzt dessen Ergebenheit aus, in dem er Nathan in seine gefährliche Sucht hineinzieht und dessen Unterstützung mit wohl dosierten körperlichen Zuwendungen erkauft. Richards Verhalten Nathan gegenüber zeigt sich zum einen in Beleidigung, Erniedrigung bis Verachtung und in der anderen Richtung erhebt er sich und Nathan über den Rest der Welt.
Seiner Verinnerlichung von Nietzsches Theorie des "Übermenschen" entspringt die fixe Idee sich als über allen anderen stehend zu betrachten (ab und zu auch Nathan)...sich als "Übermensch" zu sehen, losgelöst von allen moralischen und ethischen Zwängen, nur der Erfüllung der eigenen Bedürfnisse und Ideale verpflichtet. Als jemand, der sich über die Masse heraushebt.
Richard fühlt sich nur dann lebendig, wenn er bestehende gesellschaftliche Normen überschreitet, den Nervenkitzel in jeder Zelle spürt, das Adrenalin, dass durch die Adern fließt...und so steht Nathan Schmiere, während Richard Brände legt. Beide brechen in Häuser ein, begehen Diebstähle...
Nathan, den das Alles ängstigt, versucht seinen "Freund" davon abzuhalten, unterwirft sich aber, um ihn nicht zu verlieren und beide setzten einen Vertrag auf und besiegeln ihn mit Blut. Nathan verpflichtet sich Richard bei allen Vorhaben mit denen er sich verwirklichen will zu unterstützen und im Gegenzug muss Richard ihm seine Bedürfnisse nach körperlichem Kontakt und Zuwendung garantieren. Wobei das scheinbar nur nach einer Straftat geschieht, wenn er noch in ekstatischer Stimmung ist.
Wie bei jeder Sucht braucht der Abhängige immer wieder eine Steigerung.
Und so hat Richard die Idee eines perfekten Mordes. Nach anfänglicher Gegenwehr fügt sich Nathan ängstlich und wiederwillig und besorgt die von seinem Partner benötigten Gegenstände. Richard lockt den 14jährigen Bobby Franks schmeichelnd in seinen Roadster und erschlägt ihn im Beisein von Nathan mit einem Brecheisen. Das Gesicht verätzen sie mit Säure und werfen ihn in ein Kanalrohr. Dann schreiben sie einen Erpresserbrief an die Eltern.
Während Richard die Ruhe selbst ist, fällt Nathan auf, dass er seine Brille vermisst. Man findet sowohl die Leiche recht schnell, wie auch die Brille. Da es ein sehr seltenes teures Gestell ist, hat die Polizei die Verbindung zu Nathan. Nachdem er Richards Anweisungen befolgt hat im Verhör mit der Polizei, dieser aber die Beziehung auflösen will und untertauchen, um einer Verhaftung zu entgehen, trifft Nathan alleine eine überraschende Entscheidung.
Der Deal ist, er verrät der Polizei alles, übergibt ihnen sämtliche Beweise, die Schreibmaschine (die ein "I" nur schwach druckt...), die Mordwaffe, das Seil...im Gegenzug verspricht man ihm nur eine Gefängnisstrafe anstatt der Hinrichtung. Richard spürt vor der Verhandlung zum ersten Mal was Todesangst bedeutet. Letztendlich werden beide zu lebenslänglich (+99 Jahren) verurteilt. Nathan schafft es, das beide in eine Zelle kommen und er klärt seine große Liebe auf...er hatte alles geplant...denn die einzige Möglichkeit nie verlassen zu werden, war ins Gefängnis zu kommen...die Brille und andere Hinweise hatte er immer absichtlich unbemerkt hinterlassen...
Uns als Publikum wird in diesem Moment in unserer Wahrnehmung geradezu der Boden unter den Füßen entzogen und es beginnt einmal wieder eine Reise durch sämtlich Emotionen und Reflektion…konnten wir uns so getäuscht haben? Oder waren da nicht schon die ganze Zeit so verstecke Mikro manchmal in Nathans Blick, wenn er sich unbeobachtet fühlte…
Das Ende...wir befinden uns wieder im Jahr 1958...Nathan wird begnadigt und ist wieder frei...nach 34 Jahren...und allein...
"Thrill me" ist ein Stück , das derartig unter die Haut geht, dass man es danach noch Tage nicht loslassen kann. Man durchläuft extreme Gefühle und wird am Ende vollkommen aus der Balance geworfen. Die eigene Menschenkenntnis erweist sich als Trugbild…oder ahnte man doch etwas?!

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